„Ich bin kein Künstler.“ Das ist dem Neuruppiner Andreas Posch sehr wichtig. Sport- und Geo-Lehrer, Volleyballer, Ehemann und Vater – all das ist oder war er. Doch als Künstler sieht sich der 69-Jährige, der nun zum ersten Mal seine Werke der Öffentlichkeit präsentiert, nicht. Er will ein „kreativer Gestalter“ sein. Was er bei diesem Prozess aus Naturmaterialien erschafft, ist noch bis Ende des Jahres im Resort Mark Brandenburg zu sehen.

Corona-Skulptur gab den Ausschlag

Ausschlaggebend für die erste Schau war die Corona-Krise. Während dieser Zeit hat Posch, der früher unter anderem am Alfred-Wegener-Gymnasium in Neuruppin lehrte, eine Skulptur aus Efeu erschaffen. Wetterfest und unverwüstlich ist dieses Werk mit dem Namen „Erde in Flammen“. Ein paar Corona-Viren sind zu sehen. Die Inspiration dazu kam durch seinen Bruder: Dieser war einer der ersten Deutschen, die die Corona-Pandemie fast nicht überlebt hätten. „Es stand auf der Kippe mit ihm“, so Posch. „Er wäre fast gestorben. Da wollte ich ihm ein Corona-Denkmal setzen.“
Posch, der Mitglied im Resort und der dazugehörigen Therme ist, bot diese Skulptur später der Resort-Direktorin Martina Jeschke an, als „Gag vor der Tür“, meinte er. Doch Jeschke habe sich Corona nicht ins Haus holen wollen. Sie setzte sich aber mit dem Künstler, der keiner sein will, hin und besuchte ihn auch zu Hause, um einmal dessen Werke zu sehen. Anschließend kam das Angebot für die erste Ausstellung, inklusive der Corona-Skulptur.

Die ersten Werke wurden schnell verkauft

Rund 60 Werke von Andreas Posch sind nun im Resort zu sehen. Beziehungsweise war das der Stand vor dem Eröffnungstag der Ausstellung am 3. Oktober. Denn die Werke aus Naturmaterial wie Holz, Kokosnüssen und Speckstein haben den Nerv der Besucher getroffen. Mehr als zehn haben schon den Besitzer gewechselt. An denen, die es noch zu sehen gibt, prangt nicht selten den Hinweis „Verkauft“. Andreas Posch zeigt sich überrascht davon, dass das, was er „nebenbei so bastelt“, tatsächlich andere Menschen dazu bringt, dafür zu bezahlen.

Kunstwerke von Andreas Posch reisen um die Welt

Seit zirka 1995 widmet sich Andreas Posch dieser „Bastelei“. Angefangen hat alles mit Kokosnüssen, die er auch heute noch gern bearbeitet, bei einem Urlaub auf den Seychellen. „Da gab es ein Schlüsselerlebnis“, schildert der 69-Jährige. Er hat damals versucht, eine Kokosnuss zu öffnen und an den Kern zu kommen, den es auch in deutschen Supermärkten gibt. „Das war harte Arbeit. Ein Einheimischer hat mir gezeigt, wie es geht.“ Doch als die Nuss geöffnet war, schauten ihn zwei Augen an – keine echten natürlich. Doch mit der entdeckten Form auf der harten Schale musste Posch einfach etwas anfangen. „Jede Nuss ist anders“, erklärt der Neuruppiner. So entstanden in diesem Urlaub noch mehr Formen, die nach und nach auf der Brüstung des Hotelzimmers aufgereiht wurden. „Ich habe die Figuren dann an Urlauber verschenkt, die mich darauf angesprochen haben“, so Posch. Seine Werke sind nach Singapur, China, Südafrika oder auch die Schweiz gereist.

Er sucht nach den Formen im Holz

„Mit der Kokosnuss ging es also los“, erinnert sich Andreas Posch. Doch schon bald widmete er sich auch anderen Materialien. Wenn er inzwischen ein Stück Holz sieht, dreht und wendet er es, bis er eine mögliche Form entdeckt, die es zu enthüllen gilt. Das war zum Beispiel bei der kleinen Kirche aus Holz der Fall, die im Obergeschoss des Resorts steht und auch schon einen „Verkauft“-Hinweis trägt. Sie entstand in einem Seminar, das Andreas Posch beim Holzkünstler Roland Günther in Menz besucht hat. Bei diesem Gestaltungswochenende sollte sich jeder ein Stück Holz aussuchen. „Alle hatten schon etwas, nur ich nicht“, erinnert sich Posch. Doch dann sprang ihm dieses lange Stück ins Auge, dem die Natur einen Kreis auf die eine Seite geprägt hat, einer Turmuhr ganz ähnlich.

Einiges ist und bleibt unverkäuflich

Einige Stücke in der Ausstellung wird Andreas Posch nicht verkaufen: das große Bild, das sonst sein Wohnzimmer ziert, zum Beispiel. Es besteht aus den Teilen einer Palme, die neue Blätter umhüllen, wenn diese aus dem Stamm kommen. „Diese Hüllen fallen ab und liegen dann meist dreckig auf der Erde“, erklärt Posch. Er hat sie aus dem Urlaub mitgenommen, gewaschen, gepresst, gebügelt und aufgeklebt.
Gleich nebenan steht eine Lampe, die eigentlich schon der Tochter versprochen war. Efeu-Äste bilden ein wirres Geflecht, das von hinten beleuchtet wird. Wenn sich dafür ein Liebhaber findet, würde Andreas Posch noch einmal mit sich reden lassen. Denn die Natur bietet ihm unendlich viele Möglichkeiten – eine neue Lampe für die Tochter ist da bestimmt drin.

Wer sich die Ausstellung von Andreas Posch im Neuruppiner Resort Mark Brandenburg anschauen möchte, kann im Resort vorbeischauen. An der Rezeption liegt für Interessierte eine Preisliste für die Kunstwerke.