Stolz verkündete der CSU-Politiker in Oberkrämer, das größte Verkehrsprojekt seiner Amtszeit auf den Weg gebracht zu haben. 1,4 Milliarden Euro lassen sich der Bund und die Havellandautobahn GmbH, die die Strecke künftig unterhalten wird, die rund 60 neuen Autobahnkilometer kosten. Kathrin Schneider sprach von einem „guten Tag für Brandenburg“ und der Erfüllung eines lang ersehnten Wunsches.
Tatsächlich verbinden sich große Hoffnungen mit der Investition. Oberkrämers Bürgermeister Peter Leys (BfO) sagte: „Für unsere fast 6 000 Pendler und die Unternehmer in der Gemeinde ist der Ausbau ein Gewinn.“ Leys hat dabei weniger die zwei zusätzlichen Fahrspuren im Blick. Er freut sich vor allem auf die neue Brücke an der Abfahrt Oberkrämer. Über die jetzige dürfen Lkw nur sehr langsam und einzeln fahren. „Im Gewerbepark fordern sie seit Jahren mit Recht einen Neubau“, sagte Leys. Nun würden auch Ansiedlungen wieder leichter.
Seine Veltener Amtskollegin Ines Hübner (SPD) freut sich vor allem auf den besseren Lärmschutz. „Den wünschen wir uns schon lange. Jetzt kommt er endlich.“ Bundesverkehrsminister Scheuer hatte in seiner Rede Lärmschutzwände auf 20 Kilometern Länge angekündigt, die bis zu 9,50 Meter hoch sein werden. Auf drei Kilometern Strecke wird zudem sogenannter Flüsterasphalt verbaut.
So groß die Freude in Oberhavel ist, die Nachbarn aus Ostprignitz-Ruppin kamen enttäuscht zum Spatenstich. „Es wird nicht das gebaut, was uns versprochen wurde“, beschwerte sich Landrat Ralf Reinhardt (SPD). Er drückte Andreas Scheuer ein Protestschreiben in die Hand. Reinhardt war bis vor wenigen Wochen davon ausgegangen, dass auch die A 24 zwischen Kremmen und Neuruppin sechsspurig ausgebaut wird. So steht es auch im Planfeststellungsbeschluss. Nun soll es aber nur noch einen verbreiterten Standstreifen bis Fehrbellin geben, der bei Bedarf freigegeben werden soll. Das Tempolimit wird dann auf 120 Kilometer pro Stunde reduziert und auf Signalbrücken angezeigt. Reinhardt spricht von einem engen Flaschenhals, der zwischen Fehrbellin und Wittstock zu noch größerer Stauanfälligkeit führen wird. Eine Einschätzung, die auch der Chef der Polizeidirektion Nord, Frank Storch, teilt. „Sechs Spuren hätten die Situation auf der A 24 wegen der höheren Kapazität entspannt. Damit ist nun nicht zu rechnen.“ Für Storch sind die heute beginnenden  Sommerferien die erste große Belastungsprobe für die Baustelle. Er rechnet vor allem an den Wochenenden mit Staus.
Scheuer und Schneider baten in ihren Reden die Autofahrer um Verständnis und Rücksichtnahme in den kommenden Jahren. Andreas Scheuer sagte Landrat Reinhardt zu, dessen Einwände zum Ausbau der A 24 zu prüfen. Reinhardt bezweifelt, dass die Planänderung der Baugenehmigung entspricht.

Zahlen, Daten, Fakten

■ Die A 10 und die A 24 zwischen dem Autobahndreieck Pankow und der Anschlussstelle Neuruppin gehören zu den meistbefahrenen Strecken der Hauptstadtregion. Sie werden in weniger als fünf Jahren unter laufendem Betrieb ausgebaut beziehungsweise erneuert, um dem künftigen Verkehrsaufkommen gerecht zu werden.

■Die bisher vierstreifige A 10 zwischen den Dreiecken Havelland und Pankow wird auf etwa 30 Kilometern sechsspurig ausgebaut. Damit kann der Berliner Ring künftig durchgehend auf mindestens sechs Spuren umrundet werden.

■Der vierspurige und etwa 30 Kilometer lange Abschnitt der A 24 zwischen der Kremmen und Neuruppin wird komplett erneuert, wobei die Standstreifen verbreitert werden, um Teilabschnitte im Bedarfsfall je nach Verkehrsaufkommen temporär für den Verkehr freizugeben. Im Rahmen des Autobahnprojektes werden auch eine Brücke abgerissen und 38 neue Brückenbauwerke errichtet, davon 28 Ersatzneubauten und 10 Neubauten.

■Verantwortlich für Planung, Bau, Betrieb und Erhaltung der A 10 und A 24 zwischen dem Autobahndreieck Pankow und der Anschlussstelle Neuruppin ist die Havellandautobahn GmbH & Co. KG mit den Gesellschaftern BAM PPP P12 Holding GmbH  und HABAU PPP GmbH  im Rahmen einer öffentlich-privaten Partnerschaft (ÖPP).

■Nach den vorbereitenden Fäll- und Rodungsarbeiten entlang der Ausbaustrecke haben die Arbeiten zur Verbreiterung der Fahrbahn in den ersten sechs Bauabschnitten begonnen. Dies sind die Bauabschnitte 1 (zwischen Neuruppin und Neuruppin-Süd), 3 (bei Fehrbellin), 5 (bei Kremmen), 6 (zwischen Oberkrämer und dem Kreuz Oranienburg) sowie 8 und 9 (zwischen Mühlenbeck und dem Dreieck Pankow).

(Quelle: Havellandautobahn GmbH)