"Als erstes habe ich meinen Nachbarn gratuliert, dass sie das noch erleben. Sie sind 84 und 81 Jahre alt", sagt Vater. Er selbst hat seit 2003 ein Grundstück auf dem Areal, das ab 1960 im Wald zwischen Zechlinerhütte und Luhme entstanden war. Nach der Wende herrschte für die Bungalows zwar Bestandschutz. Weil sie im Außenbereich lagen und es keinen Flächennutzungsplan gab, durften sie baulich nicht verändert werden. Wie in vielen Siedlungen wurden einige Objekte dennoch erweitert. Irgendwann fiel dies der Baubehörde des Kreises auf. Den Häusern drohte der Abriss. Einige Eigentümer erhielten Nutzungsverbote und durften ihre Objekte nur zur Pflege betreten. Michael Vater wandte sich 2014 hilfesuchend an die Stadt Rheinsberg. Verwaltung und Stadtverordnete suchten einen Weg, das Problem zu heilen. Ein Flächennutzungsplan für das gesamte Stadtgebiet wäre zu teuer gewesen. "Wir haben in die Trickkiste gegriffen", so Holtz-Baumert. Das Rathaus erfasste und katalogisierte alle alten Feriensiedlungen in Rheinsberger Gemarkung. Es sind mehr als hundert. In einer informellen Planung wurden Sondergebiete für Freizeit und Erholung festgelegt, die weiterentwickelt werden sollen und für die Bebauungspläne erstellt werden sollten. Die Siedlung am Zootzensee war eines davon. Das Erstellen des Bebauungsplans für die Anlage erwies sich als äußerst schwierig. Damit das Vorhaben Aussicht auf Erfolg hat, mussten alle Grundstücksbesitzer an einem Strang ziehe. Es gründete sich ein Verein unter dem Vorsitz von Vater. Angesichts von 70 Betroffenen, die teils sehr verschiedene  Ziele verfolgten, waren zahlreiche Gespräche nötig. Vater bat einige Grundstückseigentümer, ihre Vorhaben nicht beim Landkreis zu beantragen, um durch abweichende Ziele nicht den Bebauungsplan zu gefährden. Mit jedem Eigentümer führte er Einzelgespräche. "20 Prozent haben das sofort eingesehen, 30 Prozent nach kurzem Zucken, und mit 50 Prozent habe ich einen Sommer verbracht".
Auch planerisch musste ein enormer Aufwand betrieben werden. Der Planer Thomas Jansen musste jedes Gebäude, jeden Zaun, jeden Weg und jeden Baum erfassen. Es waren Gespräche mit der Forst, der Unteren Naturschutzbehörde, der Unternen Baubehörde sowie dem Wasser- und Schifffahrtsamt zu führen. Zudem gab es regelmäßige Informationsabende für den Verein der Siedlung. "Da haben sehr viele Rädchen ineinandergegriffen", so Jansen. Er nimmt an, dass er bis zu 200 Termine für den Bebauungsplan benötigt hat.
Nun liegen die Früchte dieser Arbeit vor. Die Grundstücksbesitzer dürfen fortan Bauanträge stellen – und müssen dies teils auch, um einstige Schwarzbauten nachträglich zu legalisieren. Anja Holtz-Baumert betont aber, dass es darum nicht gegangen sei. Vielmehr möchte die Verwaltung für jene Siedlungen, die sie für den Erholungscharakter der Stadt für wichtig und auch entwicklungsfähig hält, baurechtliche Sicherheit für die Zukunft schaffen. Von den mehr als 100 Datschensiedlungen sind das etwa 50. Derzeit arbeitet die Verwaltung an einem Bebauungsplan für eine Siedlung am Pälitzsee bei Großzerlang. Zudem werden Pläne für Grundstücke am Rochowsee vorbereitet, Das Rathaus ist in Gesprächen mit einem dortigen Verein.
Für Bauamtsleiter Daniel Hauke ist der Bebauungsplan für den Zootzensee ein Vorbild für das weitere Vorgehen, auch wenn jede Anlage individuell zu behandeln ist. Alle Beteiligten betonen, dass der Erfolg ohne das geschlossene Handeln des Vereins und ohne Michael Vater, der alle Eigentümer beisammen hielt, nicht möglich gewesen wäre. Auf dem Erfolg ausruhen möchte der 60-Jährige sich jedoch nicht. Er bietet Betroffenen in anderen Siedlungen seinen Rat an. Wenn er auf seinem Grundstück Erholung sucht, kann er das nun aber, ohne sich Sorgen zu machen.

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