Es müssen mehrere Fälle unterschieden werden: Häuschen, die als Gartenlaube im Sinne des Kleingartengesetzes gelten, kommen für die Steuer nicht infrage. Das Bundeskleingartengesetz legt fest, Lauben dürfen nicht zum dauerhaften Wohnen geeignet sein und nicht mehr als 24 Quadratmeter Wohnfläche haben. Eine überdachte Veranda oder Terrasse zählt dazu. Das Kleingartengesetz stammt aus den 1960er-Jahren aus der Bundesrepublik Deutschland.
Schlecht sieht es für den Besitzer dagegen aus, wenn die Laube bereits zu DDR-Zeiten entstanden ist und damals rechtmäßig gebaut wurde. Dann genießt die Nutzung, auch eine zum Wohnen, Bestandschutz für den Eigentümer oder den Besitzer. Das gilt auch dann, wenn Lauben oder Datschen größer oder kleiner als 24 Quadratmeter sind. Was einst als Vorteil für den Laubenpieper schien, erweist sich im Hinblick auf die Zweitwohnungssteuer aber als Nachteil. Da jetzt eine Wohnnutzung, auch Teilnutzung erlaubt ist, können in diesen Fällen die Besitzer zur Zweitwohnungssteuer herangezogen werden.
In ihrer erlassenen Steuersatzung hat die Stadt Neuruppin festgelegt, sie errechnet die Zweitwohnung ab einer Grenze von 23 Quadratmeter. Damit dürfte ein Großteil der Laubenbesitzer im Raster liegen. Dass das nicht zulässig ist, darauf weist bisher nichts hin. Aber noch weitere Kriterien macht die Stadt geltend, um ein Häuschen als Zweitwohnung zu deklarieren: Die Datsche muss zum Wohnen oder Schlafen genutzt werden oder genutzt werden können. Sie muss Fenster, Wasserversorgung und Strom haben. Das dürfte auf viele Neuruppiner Lauben zutreffen. Bemessen wird die Höhe der Steuer auch noch nach anderen Kriterien: Dabei kommt es auf die Lage des Häuschens an (RA berichtete). Einem ersten Überschlag zufolge beläuft sich die Abgabe für eine Laube am Kollwitz-Platz auf etwa 130 Euro jährlich.
Die Stadt Neuruppin erhofft sich durch die Steuer rund 100 000 Euro Mehreinnahmen pro Jahr. Diskutiert wurde über die neue Abgabe in der Neuruppiner Politik einige Jahre lang. Den letztendlichen Antrag stellte seinerzeit die Linke. Vor allem der Stadtverordnete Siegfried Wittkopf empfahl der Stadt Neuruppin, auf diese Weise ihre Einnahmesituation zu verbessern. Bisher brachte die Steuer nicht ganz den gewünschten Erfolg. Wer wirklich von auswärts kommt und die Möglichkeit hat, der umgeht sie offenbar: Rund 631 von 1318 gemeldeten Personen mit Zweitwohnung in Neuruppin meldeten sich ab. Doch nur 318 neue Hauptwohnsitze wurden angemeldet. Die Zweitwohnungssteuer trifft also vor allem viele Neuruppiner.