Die Beerdigungskultur hat sich in den vergangenen Jahrzehnten stark verändert. Die klassische Beerdigung ist lang der Urnenbeisetzung gewichen. Das ist auch auf dem evangelischen Friedhof in Neuruppin zu sehen. Wer sich ein Bild davon machen möchte, hat dazu am Sonnabend, 19. September, beim Tag des Friedhofs die Möglichkeit.
In diesem Jahr steht der Aktionstag unter dem Motto „Natürlich erinnern“. Bereits seit 2001 wird der Aktionstag deutschlandweit begangen. Er soll den Menschen den besonderen Ort als Ruhe- und Trauerstätte, aber auch Erholungsraum näher bringen soll. Susann Wernicke ist Neuruppins Friedhofsverwalterin und kümmert sich gemeinsam mit ihren neun Kollegen um alle wichtigen Angelegenheiten, die die 14 Hektar große Anlage betreffen.

Beratung und Pflege als Aufgaben

Dazu gehören die Beratung von Angehörigen, aber auch die Pflege des Friedhofs und die Gärtnereien. Die sogenannten Gemeinschaftsgräber werden vom Personal verwaltet und gepflegt, für Angehörige fällt dort keine Arbeit an. „Gerade in der heutigen Zeit, in der viele im jungen Alter ihre Heimat verlassen, ist das eine gute Option“, sagt Susann Wernicke. Wer nicht in der Region lebt, muss sich damit keine Sorgen um die Grabpflege machen. Inzwischen sind 70 Prozent der Gräber auf dem Neuruppiner Friedhof pflegefrei. Seit zirka 20 Jahren gewinnen Bestattungen in einer Urne an Popularität und haben den klassischen Sarg inzwischen überholt, erklärt die Friedhofsverwalterin. Fast 85 Prozent der Menschen ließen sich, zumindest in Neuruppin, in einer Urne bestatten. Anonyme Beisetzungen wären auf dem evangelischen Friedhof jedoch keine Option. Für Wernicke und ihre Kollegen ist es wichtig, dass Angehörige einen Ort zum Trauern haben und wissen, wo sie diesen finden.

Führung über den Friedhof geplant

Über die verschiedenen Bestattungsmöglichkeiten wird Susann Wernicke am Tag des Friedhofs bei einer Führung berichten. Dann ist auch Platz für Fragen zum Thema, Inspirationen können gesammelt werden. Die Tour beginnt um 10 Uhr und dauert zirka anderthalb Stunden.
Die Auslegung des Mottos „Natürlich erinnern“ wird jedem selbst überlassen. Die Neuruppiner Friedhofsverwaltung beleuchtet dabei die beiden Einzelteile, aus denen das Motto besteht. Bezüglich des Themas wird es zwei weitere Führungen geben, die sich damit auseinandersetzen. Um 12 Uhr können Teilnehmer die botanische Vielfalt der Ruhestätte betrachten. Schließlich stehen auf der grünen Fläche inmitten der Stadt rund 3 000 Bäume verschiedenster Arten. „Die Grabanlagen sind natürlich angelegt“, sagt Susann Wernicke, die auch diesen Spaziergang leiten wird.
„Erinnern“ wird sich der Neuruppiner Pfarrer Thomas Klemm-Wollny. Bei einem Gang über den Friedhof, der auch schon im vergangen Jahr zum Programm gehörte, wird er Geschichten zu den Grabsteinen und der Botanik erzählen. Begleitet wird die Führung von Texten und Musik. Beginn ist um 14.30 Uhr.

Treffpunkt Friedhofskapelle

Treffpunkt für alle Veranstaltungen ist die Friedhofskapelle. In den vergangenen Jahren wurde das Angebot gut angenommen – zu den Führungen kamen jeweils rund 30 Interessierte. Das gemeinsame Kaffeetrinken, wie es in der Vergangenheit üblich war, muss aufgrund der Corona-Pandemie allerdings in diesem Jahr ausfallen. Susann Wernicke und ihre Kollegen hoffen jedoch trotzdem auf viele interessierte Teilnehmer, denen sie die schöne und unbekannte Seite des Friedhofs näher bringen können.

Das Programm auf einen Blick


Der Tag des offenen Friedhofs findet am Sonnabend, 19. September, statt.

Um 10 Uhr gibt es eine Friedhofsführung zum Thema Bestattungsmöglichkeiten.

Um 12 Uhr startet unter dem Motto „Natürlich erinnern“ eine botanische Friedhofsführung.

Um 14.30 Uhr beginnt der Gang über den Friedhof mit Pfarrer Thomas Klemm-Wollny. Teilnehmer hören Texte, Musik und die eine oder andere Geschichte, die sich hinter den Grabsteinen verbirgt.

Treffpunkt für alle Führungen ist die Friedhofskapelle.