Eine Geburt der ungewöhnlichen Art erlebte am Samstag die Ortsfeuerwehreinheit Temnitzquell-Nord in Rägelin. Das wuchtige rote Kind ist ein multifunktionales Einsatzfahrzeug, hört auf den Namen TLF 3000 von MAN-Rosenbauer und hat 360.000 Euro gekostet. Ortswehrführer Björn Ramin beschrieb den Wehrleuten, Lokalpolitikern und Temnitzamts-Mitarbeitern den Werdegang zum Erfolg: „Es war wirklich wie eine Schwangerschaft. Am Anfang musste ein Konzept entwickelt werden. Es hat mehrere Jahre lang gedauert, bis wir endlich am 9. September in Luckenwalde unser neues Auto in Empfang nehmen konnten.“

Der W50 machte immer wieder schlapp

Das alte Auto, das nach lautem Sirenengeheul auf die Wiese hinter der neuen Wache fuhr, stammte noch aus DDR-Zeiten. Es handelt sich um einen speziell für Feuerwehr-Zwecke ausgestatteten Lkw der damals allerorts vertretenen Marke W50.
Doch das betagte Fahrzeug hatte längst seine altersbedingten Wehwehchen. Immer wieder fiel es aus. Ebenfalls auf der Wiese stand nun auch der neue MAN-Rosenberger. Die Kameraden wussten von Anfang an, was sie haben wollten. Das erträumte Tanklöschfahrzeug sollte gleichermaßen für Brandbekämpfung, Technische Hilfeleistung und Löschwasserbevorratung geeignet sein. Nach europaweiter Ausschreibung erhielt die Luckenwalder Niederlassung des Spezialausrüsters Rosenbauer den Zuschlag. Ramin dankte allen am Verfahren Beteiligten. Vom neuen Fahrzeug wünschte er sich und der gesamten Einheit „allzeit gute Dienste“.

Pfarrer segnet neues Feuerwehrfahrzeug

Im Anschluss erlebte das Publikum, darunter auch viele Bürger, ein seltenes Schauspiel, das längst nicht jedem neuen Feuerwehr-Auto zuteilwird. Der Temnitzer Gemeindepfarrer Alexander Stojanovic segnete das Fahrzeug: „Herr, nimm dieses Fahrzeug in deine Obhut.“ Außerdem bat er Gott darum, alle Menschen in Temnitzquell vor Feuer und Überschwemmungen zu schützen. Auch mögen stets genug Leute bereit sein, in der Freiwilligen Feuerwehr mitzuarbeiten.

Land gibt weniger Geld für Gerätehäuser

Temnitz-Amtsdirektor Thomas Kresse nannte den Tag des 30-jährigen Bestehens der Deutschen Einheit ideal für die in Rägelin gefeierte Veränderung. Dass ein MAN-Rosenberger den W50 ersetze, stehe dafür, dass die örtliche Brandbekämpfung nun endlich dort angekommen ist, wo sie schon lange hinwollte. Kresse: „Rägelin hat nun nicht mehr nur die neue Wache, sondern auch ein leistungsfähiges neues Fahrzeug.“ Für die kommenden Jahre sehe es allerdings nicht mehr so gut aus, was die Unterstützung durch das Land als Fördermittelgeber betrifft. Die 2019 errichtete Wache sei noch zu 45 Prozent mit Landesmitteln gebaut worden. Inzwischen gelte eine neue, sehr viel schlechtere Richtlinie. Kresse erläuterte: „Bei künftigen Wachen-Neubauten soll es pro Fahrzeug-Stellplatz nur noch pauschal 100.000 Euro vom Land geben. Ich frage mich, wie unter diesen Bedingungen noch neue Wachen gebaut werden sollen.“ Das Land ziehe sich ungerechtfertigt aus der Verantwortung. Er werde seine Meinung dazu immer wieder sagen, um damit hoffentlich ein Umdenken bei den Verantwortlichen in Potsdam zu bewirken.