Ihre Wünsche, Ideen und Anregungen einbringen können die Mitglieder der Jugendwehren künftig im Kreis-Jugendfeuerwehr-Forum, dessen Bildung am Sonnabend beim Kreisjugendfeuerwehrtag in Wusterhausen einstimmig beschlossen wurde. Die kurz darauf zur neuen Kreisjugendwartin gewählte Jennifer Dürkoop erläuterte, dass in das sich regelmäßig treffenden Gremium aus den verschiedenen Ortswehren je zwei Mitglieder bestimmt werden sollen. Von dortaus werden Delegierte zum Landesforum beordert. Dürkoop: „Das ist wichtig, um auch auf Landesebene mitreden zu können.“

Bilanz der Arbeit in den Jugendfeuerwehren

Eine Bilanz über die Arbeit der Ostprignitz-Ruppiner Jugendfeuerwehren zog Dominik Laue, bisheriger stellvertretender Kreisjugendwart. Die Mitgliederzahl konnte von 2018 nach 2019 von 642 auf 690 gesteigert werden. 2019 waren 227 davon Mädchen, im Jahr zuvor 215. Sehr gut nannte es Laue, dass 2019 immerhin 27 Jugendliche in die Erwachsenen-Wehr übernommen werden konnten. Allerdings seien auch Abgänge zu verzeichnen gewesen. So kehrten 43 Kinder und Jugendliche der Wehr im Jahr 2018 den Rücken, weil sie keine Lust mehr hatten, 2019 waren dies 40. Aufgabe der erwachsenen Ausbilder müsse es sein, die Mitarbeit in den Wehren für den Nachwuchs noch attraktiver zu gestalten. Beliebt waren bisher schon das jährliche Zeltlager im südmecklenburgischen Schwarz sowie Wettkämpfe und Leistungsnachweise.

Arbeit lag wegen Corona brach

Allerdings habe die Arbeit mit den Mädchen und Jungen 2020 bisher weitgehend brach gelegen, weil unter Corona-Bedingungen weder Zelten, noch Ausbildung vor Ort oder Wettkämpfe möglich seien. Vier Jugendwehren mussten ihre Arbeit wegen zu geringer Mitgliederzahl aufgeben. So schrumpfte die Anzahl der Wehren von 56 im Jahr 2018 auf 52 in 2019. Bis zum Beginn der Corona-Krise wurden seit 2018 jeweils rund 18.000 Ausbildungs- und Jugendarbeitsstunden geleistet.
Landrat Ralf Reinhardt (SPD) lobte die Tätigkeit der Jugendwarte in den Wehren. Es sei „bei Weitem nicht selbstverständlich, im Ehrenamt sich auch noch für die so wichtige Vorbereitung der Jugendlichen auf den aktiven Dienst einzusetzen“. Dass es doch recht gut um die Feuerwehr-Jugendarbeit im Kreis stehe, lasse sich damit belegen, dass es noch 2011 nur 500 statt der derzeit 690 jungen Mitglieder gegeben habe. In diesen Tagen werde an Bedingungen dafür gearbeitet, sichere Jugendarbeit in kleinen Gruppen auch zur Zeit von Covid-19 möglich zu machen.

Große Politik ist in der Pflicht

Karl-Heinz Köppen, Ehrenvorsitzender des Kreisfeuerwehrverbandes Ostprignitz-Ruppin und zuvor langjähriger Kreisbrandmeister, wünschte sich, dass an den entscheidenden Stellen bei Land und Bund erkannt wird, „dass die Suche nach Lösungswegen für ein dauerhaftes Funktionieren der Wehren eine gesamtgesellschaftliche Aufgabe ist“. In Zeiten zurückgehender Einwohnerzahlen seien „Wege zu finden, dass die Feuerwehren langfristig weiter existieren können“. Dieses Problem lasse sich nicht allein an der Basis lösen. Freude könne der stetige ehrenamtliche Einsatz den Wehrleuten zudem nur dann bringen, „wenn sie die nötige gesellschaftliche Anerkennung erhalten“.

Jugendfeuerwehr als Einstieg in die Feuerwehr-Karriere

Wie orientierend die Jugendwehren sein können, belegte der Vorsitzende des Kreisfeuerwehrverbandes Wolfgang Hohenwald, früher Wehrführer in Neuruppin. Er selbst habe als Jugendlicher bei Karl-Heinz Köppen begonnen, sich für die Feuerwehr zu interessieren. Damals war Köppen Wehrführer in Neuruppin und leitete die Arbeitsgemeinschaft Junge Brandschutzhelfer als Vorläufer der Jugendwehren. Und der heutige Kreisbrandmeister Olaf Lehmann sowie Neuruppins aktueller Feuerwehr-Chef Reinhard Jachnick hätten als Kinder Erstkontakt zur Feuerwehr geknüpft, als Hohenwald selbst die Arbeitsgemeinschaft leitete.