Als Erik Röhrs beim Bundespokal jüngst in Schwerin für die Berliner Landesauswahl brillant aufspielte, machte sich Matus Kalny eifrig Notizen. Der Slowake Kalny ist seit dem 1. Juli 2012 Bundestrainer des männlichen Nachwuchses im Deutschen Volleyball-Verband (DVV). Und nach dem Turnier, das die Berliner hinter der Auswahl Niedersachsens auf Platz zwei abschlossen, stand der Name Erik Röhrs auf der Nominierungsliste für den Sichtungs-Lehrgang vom 14. bis 17. November in Kienbaum - der nächste Schritt auf der Karriereleiter des jungen Ruppiners, dem das Volleyball-Gen von Dörte und Andreas Röhrs quasi in die Wiege gelegt wurde. Nun will der Schlaks, 72 Kilogramm leicht bei einer Körperlänge von 1,94 Meter, den Sprung in die U-16-Nationalmannschaft schaffen. "Klar rechne ich mir Chancen aus, in den Kader reinzukommen. Ich hatte ja beim Bundespokal die Gelegenheit, die Konkurrenz zu begutachten", sieht sich der 15-Jährige auf Augenhöhe. Mit der starken Leistung auf der Position Außen/Annahme hat der gebürtige Kyritzer in Schwerin jedenfalls schon einmal Werbung in eigener Sache gemacht.
Selbiges will er nun beim Lehrgang in Kienbaum tun, wo die derzeit besten U-16-Nachwuchs-Volleyballer aus Deutschland auf Herz und Nieren getestet werden. Das Trainerteam um Chef Matus Kalny wird auch die persönlichen Eindrücke in ihre abschließende Bewertung mit einfließen lassen, die darüber entscheidet, wer schließlich in die Nationalmannschaft berufen wird beziehungsweise dem 24-köpfigen Perspektivkader angehört.
Lediglich zwölf Spieler sollen das Nationalteam bilden, das künftig gemeinsam beim VC Olympia Berlin trainieren und spielen soll. Und Erik Röhrs will dazugehören. "Die Chance für mich ist da, jetzt will ich sie auch nutzen und mich beim Lehrgang bestmöglich präsentieren." Röhrs, der seit 2013 auf einer Berliner Sportschule in einer Volleyball-Klasse speziell gefördert wird und beim TSC Berlin aufschlägt mit dem er auch Deutscher U-16-Meister wurde, ist einer von vier TSC-Talenten, die Nationaltrainer Matus genauer begutachten will. "Es wurden neben mir noch ein Mittelblocker, ein Diagonalangreifer und ein Zuspieler aus unserem Team eingeladen", hat Röhrs beim Lehrgang Mitte November mit Jonas Lind, Toni Wenzlaff und Franz Karrasch bekannte Gesichter an seiner Seite.
Er will sich jedoch vornehmlich ganz auf sich konzentrieren. Schließlich wäre der Sprung ins Nationalteam ein großer Schritt für den weiteren Werdegang. "Klar, ich kann mich noch in allen Bereichen verbessern. Und das will ich auch." Dennoch ist der Außen/Annahme-Spezialist mit seiner bisherigen Entwicklung auch schon hochzufrieden. Sowohl körperlich als auch technisch habe er sich "deutlich weiterentwickelt". Was das Körperliche angeht, ist das nicht zu übersehen. Röhrs mit einem Schmunzeln im Gesicht: "Ich habe ja inzwischen Mama überholt." Die ist 1,88 Meter groß. Um mit Papa auf Augenhöhe zu sein, fehlen ihm nur noch vier Zentimeter. "Den kriege ich auch noch", freut sich der Sohnemann jetzt schon diebisch auf diesen Moment.
Noch viel größer dürfte die Freude ausfallen, wenn Erik Röhrs bald das Nationaltrikot überstreifen könnte. Vielleicht erfüllt sich damit auch alsbald ein weiterer Traum, nämlich eine Bundesliga-Karriere. In jedem Fall wagt der Kyritzer beim Sichtungs-Lehrgang schon mal den ersten Schritt auf die große Volleyball-Bühne.