Franziska Leupelt steht nun sogar kurz davor, Bundesvorsitzende der Wirtschaftsjunioren zu werden. Ihre Wurzeln hat sie dabei nicht vergessen. Erst kürzlich ist sie den Wirtschaftsjunioren Ostprignitz-Ruppin beigetreten, obwohl sie schon in ihrem Flensburger Kreisverband integriert ist. "Mehrfache Mitgliedschaften sind ja nicht ausgeschlossen", sagt sie. "Ich bin in Ostprignitz-Ruppin groß geworden." Dort gehöre sie eben auch hin.
Mit drei Jahren kam die gebürtige Saalfelderin 1984 in die Hansestadt Kyritz. Ihr Vater Dr.Jürgen Cornely, ein Chirurg, hatte eine Anstellung an der Klinik der damaligen Kreisstadt angenommen. Als sie am Jahngymnasium ihr Abitur machte, war die Familie schon ins benachbarte Rehfeld gezogen. Bestnoten in Deutsch und Kunst, Schwerpunktfächer Erdkunde und Biologie, ein Zeugnis, mit dem sie den Start als Mediendesignerin wagte - nichts deutete darauf hin, dass sie einmal Geschäftsführerin, geschweige denn Unternehmerin werden sollte. Denn was solche Leute brauchen, ist eine Affinität zu Zahlen. "Mathe war für mich an der Schule Vektorberechnung", erinnert sie sich und lacht. Nichts für sie. Doch während der dreijährigen Ausbildungszeit entdeckte sie urplötzlich ein Herz für Kundenbetreuung und kaufmännische Formeln. Es kam zum Studium zur Medienfachwirtin - mit Praktika in Unternehmen wie dem Familienbetrieb der Leupelts.
Dort stieg sie 2008 in die Geschäftsführung auf und heiratete ein Jahr später den Inhaber. Mittlerweile ist sie zur Hälfte Mitgesellschafterin und verantwortet das kaufmännische Geschäft eines Druckhauses, das zu einem Mediendienstleister umstrukturiert wurde und dessen Umsatz und Mitarbeiterstab sich in den vergangenen sechs Jahren verdoppelt hat. Kunden wie der weltweit größte Schach-Software-Hersteller gehören zu den Auftraggebern. Statt 20 arbeiten jetzt 45 Männer und Frauen dort.
Doch Zahlen allein machen Leupelts Arbeit nicht aus. Sie sind kein Selbstzweck. "Wir sind ein Familienunternehmen", betont sie. Das Einkaufen müsse auch immer im Verhältnis dazu stehen, wie viel Geld zurückfließen kann, denn: "Wenn man das Gespür für dieses Gleichgewicht verliert, dann setzt man auch die Verantwortung für 45 Mitarbeiter aufs Spiel, hinter deren Einkommen ja auch 45 Familien stecken."
Ein Gefühl fürs Familiäre - das trage sie auch, wenn sie an die ehrenamtliche Tätigkeit bei den Wirtschaftsjunioren denke. Das sei nicht nur anstrengende Arbeit. "Ich hatte dort von Anfang Unterstützung, wie ich sie auch von den Mitarbeitern meines Unternehmens kenne", sagt Leupelt. Deshalb falle es ihr auch nicht schwer, die verantwortungsvolle Arbeit einer Firmeninhaberin mit der der umfangreichen ehrenamtlichen Tätigkeit bei den Wirtschaftsjunioren zu verbinden. "Da kann man auf ein Netzwerk bauen, von dem ich bislang nur profitiert habe", erzählt sie. So bleibt auch Zeit fürs Private: zum Beispiel für die beiden Hunde Willi und Betty.
Auf die Unterstützung, so ist sie sich sicher, wird sie auch setzen können, wenn sie Bundesvorsitzende der Jungunternehmer-Vereinigung werden sollte. Denn noch ist es nicht klar: Die Wahl steht erst noch bevor. Beim Weltkongress der Wirtschaftsjunioren, bei der Deutschland in diesem Jahr Gastgeber in Leipzig sein wird, soll der neue Bundesvorstand im November gewählt werden. Dessen Vorsitz wird nur für ein Jahr vergeben. Fürs Jahr 2015 gibt es bislang nur eine Kandidatin - die jetzige stellvertretende Bundesvorsitzende: Franziska Leupelt.