Nicht die nackten Zahlen der verkauften Tickets sieht Stephan Ellfeldt vom Verein Bes.T-Events, einer Gruppe von Kulturenthusiasten aus Kyritz, als größten Erfolg der Autokino-Aktion am vergangenen Wochenende in der Stadt an der Knatter an, sondern die Reaktion der Zuschauer. "Es gibt Momente im Leben, da kann man die Dankbarkeit der Menschen spüren. Aber diese Momente sind rar", ist Ellfeldt überzeugt. Am Wochenende auf dem Parkplatz des Baumarktes, auf dem das Autokino stattfand, erlebte er so einen Moment. "Den konnten alle Beteiligten spüren", freut sich der Kyritzer. "Nach dem Film haben die Zuschauer angehalten, um sich bei uns zu bedanken. Wir haben mit der Veranstaltung wohl den Nerv der Besucher getroffen."
Insgesamt fünf Filme – für jede Altersgruppe war etwas dabei – wurden den Zuschauern am Sonnabend und Sonntag präsentiert. Veranstalter des Autokinos war die Stadt Kyritz. Daher begrüßte auch Bürgermeisterin Nora Görke vor dem ersten Film am Samstagabend die Zuschauer. "Wir wollten in dieser besonderen Zeit den Menschen mit dem Autokino ein bisschen Freude bringen und sind sehr glücklich, dass dies dank einer beeindruckenden Teamleistung augenscheinlich so gut gelungen ist. Uns haben nur positive Rückmeldungen erreicht. Vielen Dank an alle, die dies mit ihrem Engagement möglich machten", so Görke.

Vorstellung ausverkauft

"Die erste Vorstellung war ausverkauft, die anderen sehr gut besucht", so das Fazit von Stephan Ellfeldt. "Wir haben das gemacht, ohne direkt Erfahrungen mit dem Thema Autokino zu haben." Deshalb war auch die maximale Anzahl von Fahrzeugen, die vor der LED-Leinwand stehen konnten, nicht eindeutig klar. "Nach dem ersten Film ,Das perfekte Geheimnis’ konnten wir das Geheimnis lösen: 50 Autos reichen", so der Kyritzer. Nach der ersten Vorstellung sei dann auch die Anspannung bei den Helfern, die sich als harmonisches, eingespieltes Team präsentierten, abgefallen, verrät Stephan Ellfeldt. "Es war eine runde Sache, die aber sehr aufwändig war." Er gibt zu, dass bei der Planung auch Versagensängste dabei gewesen seien. "Wir wussten ja nicht, ob die Menschen das annehmen. Vom Totalversagen bis zum Totalerfolg war alles möglich." Es wurde ein Erfolg. "Das ist das Schöne. Wir hatten darauf gehofft, und es ist aufgegangen." Ursprünglich sollte das Autokino schon früher stattfinden, um "den Menschen in dieser Zeit eine Option zu bieten", so Ellfeldt, doch behördliche Feinheiten verhinderten das.
Möglich geworden sei das Autokino jedoch nur, weil die Stadt Kyritz die Veranstaltung auch finanziell unterstützt hat. "Außerdem hatten wir mit dem Kino Astoria aus Wittstock einen starken Partner an unserer Seite. Ohne den hätte es nicht funktioniert." Ein finanzieller Gewinn sei nicht das Ziel gewesen, so Stephan Ellfeldt. "Wir wollen keine Konkurrenz zu kommerziellen Autokinos sein." Aber mit der Aktion sollte das Astoria in der Corona-Krise auch finanziell unterstützt werden. "Das Autokino war für uns eine neue, spannende Erfahrung", berichtet Najden Terzijski vom Kino Astoria. Mit drei Leuten waren sie in Kyritz vor Ort. Sämtlicher Kartenverkauf und die Abrechnung lief über die Wittstocker. "Wir hatten organisatorisch viel zu tun", so Terzijski.
Doch über die Einnahmen freute man sich bei den Wittstocker Kinobetreibern, deren Kino seit dem Lockdown geschlossen ist. "Wir hatten keine Einnahmen. Aber einige Kunden haben Gutscheine gekauft, und es gab Spenden. Eigentlich durften wir ab 6. Juni starten. Aber die Leute sind noch sehr zurückhaltend, so dass wir erst am 2. Juli beginnen", erklärt Najden Terzijski. Derzeit dürften die Säle mit 135 und 90 Plätzen nur zu einem Drittel ausgelastet werden. Zudem gebe es keine neuen Filme, so der Kinofachmann, weshalb im Juli mit älteren Streifen gestartet wird.
Aktuell laufen Gespräche mit der Stadt Wittstock über ein mobiles Open-Air-Kino, mit dem über die Dörfer gezogen werden soll. Finanziert werden soll das Projekt mit dem Preisgeld vom Medienboard Berlin-Brandenburg (wir berichteten), das in diesem Jahr verdoppelt wurde. "Wenn die Entscheidung gefallen ist, schaffen wir die Technik an." Terzijski möchte im Juli starten.

Wiederholung geplant

In Kyritz wird es hingegen kein regelmäßiges Autokino geben. "Ein Kino muss kostendeckend arbeiten", so Stephan Ellfeldt. "Aber ich bin mir sicher: Es wird eine Wiederholung geben." Er kann sich vorstellen, eine derartige Veranstaltung beispielsweise bei Stadtfesten als abendliches Highlight anzubieten. "Aber dann holen wir wieder ein Kino ins Boot."