Rückbildungstipps per Chat

Einige Mütter würden aus Sorge um sich selbst von sich aus Termine absagen. Geburtsvorbereitungs- und Rückbildungskurse sind ohnehin bis auf Weiteres abgesagt. Als Ersatz hat Madeleine Blümchen den werdenden beziehungsweise kürzlich entbundenen Müttern in Chatgruppen Übungen geschrieben und Youtube-Links zu Tutorials geschickt. "Solche Videos mit exakten Anleitungen für Übungen gibt es ja schon", sagt sie. Vor allem bei frisch entbundenen Müttern ist der persönliche Besuch jedoch weiterhin wichtig. Nimmt das Kind genügend zu? Warum nimmt es die Brust nicht an? Muss vielleicht zugefüttert werden? Was ist bei einem Milchstau zu tun? Was lässt sich machen, wenn das Baby unter schlimmen Blähungen leidet und nicht zur Ruhe kommt? Wie badet man einen Säugling? Solche Fragen lassen sich oft nur vor Ort klären. "Ich arbeite zur Zeit aber mehr auf Abruf als mit geplanten Terminen", sagt Blümchen. Aus Schutz vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus werde aber mehr Abstand gehalten. Zudem hat sich die Hebamme Mundschutzmasken nähen lassen. Auch Desinfektionsmittel und Handschuhe sind treue Begleiter geworden. "Ich habe beim Gesundheitsamt angerufen, ob wir etwas bekommen, um uns zu schützen. Es hieß, wir müssen mit dem arbeiten, was wir haben."

Hilfe vom Verband

Mit dem Rückgang der Hausbesuche und Kurse sind für Madeleine Blümchen auch die Einnahmen spürbar gesunken. "Ich denke, ich mache in diesem Monat etwa 50 Prozent Verlust", sagt sie. Da die Mütter immer erst am Ende der Begleitung abgerechnet werden, mache sich das Minus aber erst verzögert bemerkbar. "Ich rechne jetzt die Frauen ab, die vor einem Viertel- bis halben Jahr entbunden haben." Der Hebammenverband hat nach Absprache mit dem Spitzenverband der Krankenkassen ermöglicht, dass als Ersatz für den Hausbesuch auch längere Telefonate mit Schwangeren und Müttern abgerechnet werden können.  Statt der Unterschrift der Mutter reiche der Vermerk "Telefonat". Unterschriften dürfen bis zu acht Wochen später noch nachgereicht werden. Um den jetzigen Einbruch zu überbrücken, hat Madeleine Blümchen zudem einen Zuschuss für Solobeschäftigte bei der Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB) beantragt.
Bei den werdenden Müttern und Vätern ist nach Beobachtung der Hebamme Verunsicherung zu spüren. Im Kreis dürfen die Väter bis dato zwar noch in den Kreißsaal. Im Krankenhaus in Oranienburg wird das inzwischen anders gehandhabt. Im Wochenbett dürfen Mütter aber auch hier schon keinen Besuch mehr empfangen. Solche Einschränkungen sind durchaus umstritten. Selbst die Weltgesundheitsorganisation führt an, dass es keinen Unterschied macht, wenn der Vater im Kreißsaal und am Wochenbett dabei ist. Sollte er infiziert sein, wäre es die Mutter schließlich mit 95 prozentiger Wahrscheinlichkeit auch. "Ich tendiere da mehr zu den Eltern", sagt Blümchen. Auch für die Angehörigen frischgebackener Mütter und Väter ist es derzeit nicht leicht, wenn sie ihre neugeborenen Enkel nicht sehen dürfen.

Nachfrage nach Hausgeburten

Madeleine Blümchen merkt, dass durch die Corona-Krise die Nachfrage nach Hausgeburten sehr gestiegen ist – zumindest bei Müttern, die mindestens schon eine Entbindung durchgemacht haben. "Beim ersten Kind fragt fast niemand nach einer Hausgeburt", so die Hebamme. Aufgrund der gestiegenen Nachfrage hat sie nun nochmal eine Versicherung für Hausgeburten abgeschlossen. "Das ist natürlich schwer. Die Einnahmen gehen zurück, aber die Ausgaben steigen."
Der momentanen Lage kann sie jedoch auch Gutes abgewinnen. Es bleibe mehr Zeit für ihre drei Kinder, die gezwungenermaßen zu Hause sind. Zwar haben sowohl sie als auch ihr Mann einen Anspruch auf Kita-Notbetreuung, weil sie in systemrelevanten Berufen arbeiten. Beide verzichten aber darauf. Die dazugewonnene Freizeit nutzt Madeleine Blümchen unter anderem auch für bürokratische Aufgaben wie Steuerabrechnung und Qualitätsmanagement. "Das Positive ist auch, dass ich durch die geringere Zahl an Terminen bei den Hausbesuchen viel mehr Zeit für die Familien habe. So müsste man eigentlich immer arbeiten können – nur würde dann das Geld nicht reichen."

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Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf.

Infokästen haben ab sofort keinen blauen Punkt vorne, sondern nur einen gefetteten Anlauf. Und am Ende steht ein Kürzel. kürzel