Um das derzeit wegen rasant steigernder Corona-Zahlen überlastete Gesundheitsamt des Kreises bei der Kontaktnachverfolgung von positiv auf das Coronavirus Getesteten zu unterstützen, haben am Mittwochmorgen fünf Bundeswehrsoldaten ihren Dienst in Ostprignitz-Ruppin angetreten. „Die fünf Männer gehören zum Fernmeldebataillon 610 in Prenzlau“, berichtet der stellvertretende Landkreis-Sprecher Manuel krane. „Der Landkreis hat die Soldaten über den Krisenstab des Landes angefordert.“
„Sie kommen genau im richtigen Moment“, begrüßte die Leiterin des Gesundheitsamtes Dr. Dagmar Sissolak die Soldaten. „Wir sind glücklich, dass sie da sind“, sagte auch die Sozialdezernentin Waltraud Kuhne. Denn am selben Morgen hatte der Landkreis bei der Sieben-Tages-Inzidenz die Marke 50 überschritten. „Die Situation sieht auch hier im Landkreis brenzlig aus“, sagt Sissolak, noch nie habe es so viele Covid-19-Fälle in Ostprignitz-Ruppin gegeben. Am Mittwochnachmittag stieg die Zahl sogar noch einmal um 16 Fälle. Damit wurden seit Beginn der Pandemie im Frühjahr im Kreis 214 Corona-Fälle gezählt, von denen 128 als genesen zählen. Damit gibt es aktuell 86 aktive Fälle.

Fast alle im Gesundheitsamt verfolgen die Kontakte der Corona-Fälle

Dr. Katrin Thomas, Ärztin im Gesundheitsamt, erläuterte den Soldaten den Ablauf einer Kontaktnachverfolgung. Dabei melde das Labor dem Gesundheitsamt in Echtzeit die neuen positiven Fälle. 24 Stunden am Tag sei zudem ein Bereitschaftstelefon des Amtes geschaltet, um keinen Zeitverzug zwischen positivem Testergebnis und Information der Behörde entstehen zu lassen. „Nahezu das gesamte Gesundheitsamt wird mittlerweile in der Kontaktnachverfolgung eingesetzt“, erklärt der Landkreis-Sprecher.

Bei Bedarf erfolgen weitere Maßnahmen

Die Mitarbeiter des Amtes fordern dann von den positiv getesteten Personen Informationen über deren Kontakte an. „Die Kontaktpersonen werden dann einzeln angerufen“, so Krane. „Dabei muss nicht jede Person, die auf der Kontaktliste der Betroffenen steht, getestet werden und in häusliche Isolierung: Das Gesundheitsamt fragt genau nach, wann und wie nah der entsprechende Kontakt war.“ Anschließend werden bei Bedarf weitere Maßnahmen wie Quarantäne oder eine Corona-Test angeordnet.
Die Bundeswehrsoldaten werden das Gesundheitsamt mindestens bis zum 9. November unterstützen, möglicherweise auch länger. „Darüber würden wir uns freuen“, sagt Dagmar Sissolak, „wir sind sehr an Kontinuität interessiert.“ Denn zu tun gibt es genug. Alleine, um die Kontakte der 16 neuen Corona-Fälle vom Mittwochnachmittag zu ermitteln. Allein acht davon kommen aus Neuruppin, wobei drei im Umfeld der Tagespflege Regenbogen angesiedelt sind. „Vier der insgesamt 16 Fälle betreffen eine Familie in Heiligengrabe“, berichtet Manuel Krane. Und ein neuer Corona-Fall ist dem Infektionsgeschehen im Umfeld einer Bildungseinrichtung im Landkreis Prignitz zuzuordnen.
Insgesamt verteilen sich die derzeit aktiven Covid-19-Fälle im Landkreis wie folgt: Die Gemeinde Heiligengrabe hat 23 (plus fünf), Neuruppin 16 (plus acht), Kyritz 15 (plus zwei) und das Amt Neustadt hat ebenfalls 15 (plus einer). In Wittstock liegt die Zahl unverändert bei zehn, im Amt Lindow bei vier, in der Gemeinde Wusterhausen bei zwei und in der Gemeinde Fehrbellin bei einem. Rheinsberg und das Amt Temnitz sind weiterhin coronafrei.
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