"Solch eine Datenpanne darf natürlich nicht passieren", sagte Andreas Haake von der IJN. Fairerweise habe seine Einrichtung aber sofort bei den anderen Trägern Bescheid gesagt, dass auf geschützte Daten zugegriffen worden war. Das wurde von den Vertretern anderer Jugendhilfe-Einrichtungen auch lobend beim jüngsten Kreis-Unterausschuss erwähnt. Allerdings gab es heftige Kritik gegen den Landkreis. Denn es war schon mal so, dass die im vorigen Jahr ausgeteilten 160 digitalen Datenstifte solch ein Leck aufgewiesen haben.
Laut Jugendamtsleiterin Annemarie Hefenbrock war der Fehler vorige Woche passiert, als der Server in der Verwaltung aktualisiert werden musste. "Dabei sind versehentlich Zugangsrechte Mitarbeitern zugeteilt worden, die sie nicht haben dürften", räumte sie ein. "Es hat aber keinerlei Zugriff von außen bestanden", betonte sie und erläuterte: Lediglich die vier Mitarbeiterinnen der Jugendhilfeeinrichtung haben den Einblick gehabt. Mit anderen elektronischen Medien sei es Dritten - also Leuten, die weder Jugend- und Familienhelfer noch Verwaltungsmitarbeiter sind - nicht möglich gewesen, die Daten einzusehen. Zudem: "Wir konnten das Datenleck sehr schnell kontrollieren und den Fehler beheben", sagte Hefenbrock.
Den Unmut konnte sie damit nur annähernd besänftigen. Ludger de Wendt von der Communio Jugendhilfe ärgerte sich über die Datenpanne auch deswegen, weil es sich seiner Ansicht nach auch um Geschäftsdaten handelt. Schließlich konnten die Mitarbeiterinnen auch Leistungsdaten der anderen Einrichtungen einsehen.
Bei den Datenstiften handelt es sich um Schreibgeräte, mit denen auf einem vorgestanzten Blatt die Fakten zu den Klienten, also Familien, die Jugendhilfe in Anspruch nehmen müssen, aufgenommen werden. Erfasst wird auch, wie viel Stunden der Familienhelfer dort verbracht hat - und natürlich, welcher schwerwiegende Grund, zum Beispiel Vernachlässigung des Nachwuchses, dahinter gestanden haben könnte. Am Ende unterschreibt der Klient. Der Vorteil: Der Kreis spart Zeit und Büromaterial, weil der Stift sofort eins zu eins die Daten wie eine Fotokopie auf den Computer in der Landratsverwaltung schickt.
Für die Einrichtungen ist jetzt aber der Aufwand höher als der alte Hergang mit Papier und Kuli. Auch deswegen glaubt Haake, dass der Sturm der Empörung beim Unterausschuss sehr groß war. Als geschäftsschädigend sieht er den fälschlich erweiterten Datenzugriff jedenfalls nicht an. "Es geht aber natürlich nicht, dass man die Daten von den Klienten einsehen kann", sagt er. Schließlich könnte es sich um Bekannte oder Verwandte handeln, die da im Fokus des Jugendamtes stehen. Und so hoffen er und seine Kollegen auf das Versprechen von Hefenbrock: dass es die letzte Datenpanne mit den digitalen Stiften war.