Selbst viele Ruppiner, die die Straße in Richtung Kunsterspring entlangbrausen, fragen sich immer mal wieder: Wo ist es denn nun, das Gut Gentzrode? Zu lange gibt es schon kein Leben mehr auf der historischen Anlage. Der Weg dorthin ist längst vergessen. Am 13. September lädt der Freundeskreis des Gutes nun zu einer Entdeckungstour ein – wenn auch nur von außen. Am bundesweiten Tag des offenen Denkmals startet um 11 Uhr eine Radtour vom Neuruppiner Schulplatz über die Gentzstraße und den Natur-Radweg in Richtung Gentzrode.

Gegrilltes und Kaffee am Gut

„Wir wollen uns mit Interessierten in Gentzrode treffen“, schildert Wolfgang Freese (Bündnis 90/Die Grünen), der Mitglied des Freundeskreises ist. Am Gut werden die Tore offen sein, Besucher können sich die Anlage und die derzeitige Notsicherung von außen anschauen. Historikerin Dr. Irina Rockel wird einen Vortrag zur Geschichte von Gentzrode halten. Dazu gibt es Gegrilltes, Kaffee und Getränke.
Am selben Tag plant der Freundeskreis auch noch einen zweiten Termin, der laut Freese aber noch nicht zu 100 Prozent feststeht. Im Tempelgarten soll der Film „Halbmond über Brandenburg“ gezeigt werden, den Interessierte 2019 bereits im Neuruppiner Café Tasca sehen konnten.

Diskussion am 23. September

Ganz sicher ist indes, dass die große Diskussionsrunde zur Zukunft des Gutes Gentzrode stattfinden wird: Am 23. September ist es so weit. „Es wird unter anderem um die Frage gehen, wer in der Vergangenheit hätte handeln können, um das Gut zu retten“, erklärt Wolfgang Freese. Die Stadt Neuruppin trifft dabei keine Schuld, betont Nico Ruhle (SPD), ebenfalls Mitglied des Freundeskreises. Die Kommune gätte nicht mehr machen können.
Um 19 Uhr startet die Diskussion an diesem Abend im Theatersaal der Neuruppiner Jugendkunstschule. Neben Baudezernent Arne Krohn werden Vize-Landrat Werner Nüse, Brandenburgs Landeskonservator Thomas Drachenberg, ein Vertreter des Freundeskreises und Steffen Sendler dabei sein. Letzterer ist Generalauftragnehmer der türkischen Investoren, denen das Gut Gentzrode gehört.
Drachenberg und Sendler an einen Tisch zu setzen, hält Verleger Bernd Oeljeschläger vom Freundeskreis für eine wichtige Sache – vertreten die beiden doch quasi die gegnerischen Positionen. Sendler habe sich aber sehr über die Initiative des Freundeskreises gefreut, sowohl für die Diskussion als auch für den Tag des offenen Denkmals.

Ungewisse Zukunft Gentzrodes

„Wir wollen den Blick nach vorne richten“, sagt Wolfgang Freese. Er hofft gerade am 23. September auf kontroverse Diskussionen, die das Gut nach vorne bringen und auch künftige Aktionen bestimmen. „Wir müssen uns auch fragen: Was wollen wir eigentlich mit Gentzrode machen? Soll es ein elitärer Ort mit Hotel und Golfplatz oder öffentlich zugänglich sein?“ Der Freundeskreis jedenfalls will helfen, dass das laut Bernd Oeljeschläger „Areal von erstem Rang mit bundesweiter Ausstrahlung“ eine Zukunft hat.

Unterschriftenaktion läuft noch wenige Tage

Dass das auch andere Menschen möchten, macht die Unterschriftenaktion deutlich, die derzeit in den Endspurt geht: Am 10. September sollen die Listen im Kreistag übergeben werden. Wie viele Menschen bisher unterschrieben haben, will Wolfgang Freese noch nicht sagen. Lediglich, dass die Zahl vierstellig ist, verrät er. Fakt sei aber, dass die Unterstützer aus ganz Deutschland kommen.

Unterstützer des Guts finden Unterschriftenlisten noch wenige Tage in den Geschäften Modehaus Bruns, Herr Fontane, Pollys Eisdiele, Grünkern und Biokonsum, in der Fontane-Buchhandlung und der Tourist-Info Bürger-Bahnhof.