Dorf Zechlin/Zühlen (hr) – Zum 1.Oktober geht der Zühlener Pfarrer Benedikt Schirge nach Lychen. Seinen Bereich übernimmt Dorf Zechlins Seelsorger Jann Branding, der dann für 1500evangelische Christen zuständig sein wird.
Nachdem der Kirchenkreis Wittstock-Ruppin sich 2004 keinen eigenständigen Pfarrer mehr für Zühlen leisten wollte, gab es für Schirge die Möglichkeit, als Friedenspfarrer weiterzuarbeiten. Er war in erster Linie für die Begleitung der Arbeit der Bürgerinitiative Freie Heide und weiterer an einer nichtmilitärischen Nutzung des früheren Truppenübungsplatzes zuständiger Gruppen verantwortlich. Finanziert wurde die Stelle über Spenden. Im Januar 2008 übernahm der für das Zechliner Land zuständige Branding schon größtenteils die in Schirges Bereich liegenden Dörfer Zühlen, Braunsberg, Schwanow, Zechow und Linow.
Schirges Aufgabe war es laut Branding, weiterhin 20Prozent seiner Arbeitszeit als Friedenspfarrer noch der Gemeindearbeit zu widmen. Dazu gehörten unter anderem zwei Gottesdienste pro Monat, weitere zu Feiertagen, zudem Hochzeiten, Taufen und Beerdigungen. Der letzte Gottesdienst in Zühlen, eine Taufe, steht für Schirge am Sonntag um 11.30Uhr an. Weil die Kyritz-Ruppiner Heide befreit ist und kein Friedenspfarrer mehr benötigt wird, ist Schirge ab 1.Oktober als Pfarrer in Lychen tätig, wohin ihn seine Kirche entsandt hat. Was dieser Schritt für ihn bedeutet, war nicht in Erfahrung zu bringen. Er ist seit Tagen telefonisch nicht für eine Stellungnahme erreichbar.
Laut Branding wird Benedikt Schirge mit seiner Ehefrau Petra weiter im Zühlener Pfarrhaus leben, nun allerdings Miete dafür zahlen. Petra Schirge bleibt Gemeindekatechetin in Rheinsberg.
Schirges Abschied ist für Branding der Start in ein noch breiter gewordenes Betätigungsfeld. Kommen doch zu den von ihm bisher betreuten Orten Dorf Zechlin, Flecken Zechlin, Großzerlang, Kleinzerlang, Kagar, Wallitz, Zechlinerhütte und Zempow nun komplett die fünf Dörfer aus Schirges Bereich hinzu. Mit rund 500Christen im Zechliner Land und etwa 1000 in Zühlen hat Branding anderthalbtausend Menschen zu betreuen. Er nimmt das gelassen, war er doch auch bisher schon großenteils für Zühlen zuständig: „Mir macht meine Arbeit so viel Spaß, dass es mir auf die paar Dörfer mehr auch nicht ankommt.“
Mitte der 1990er Jahre gab es noch vier Seelsorger, wo Branding jetzt zum Alleinunterhalter wird. Die Anzahl der Gemeindeglieder sei indes nur wenig zurückgegangen, versichert der Rheinsberger Pfarrer Lothar Wittkopf, der auch Präses der Kreissynode ist. Dennoch sei es notwendig zu sparen.
Branding weiß indess, dass es schlichtweg unmöglich ist, sonntags von 13 Kanzeln gleichzeitig zu predigen. Nicht in jeder Kirche gibt es jede Woche einen Gottesdienst. Zu schaffen sei das Pensum, so Branding, auch „nur, weil ich so großartige Unterstützung durch Lektoren aus den Gemeinden habe, die zwar nicht predigen dürfen, doch Lese-Gottesdienste veranstalten“. Auch die im Ruhestand befindliche Dierberger Pfarrerin Hannelore Roselt helfe ihm durch Gottesdienste, ebenso der Kantor im Ruhestand, Martin Domke, der Andachten hält.