Die Glocken, die derzeit noch im Turm der Alt Ruppiner Kirche hängen, stammen aus den 1960er-Jahren. Eine DDR-Gießerei hat sie hergestellt. "Und damals herrschte Materialknappheit", erklärt Gregor Hamsch. Daher bekamen die Alt Ruppiner Eisenhartguss-Glocken. "Diese haben einen hohen Kohlenstoffanteil, sind nicht schweißbar und rosten. Die Glocken sind einfach fertig", fasst Hamsch zusammen.
Gemeinde gibt Standort auf
Daher lag es nahe, bei den vier angebotenen Bronze-Glocken aus Hamburg die Gelegenheit zu ergreifen. Diese stammen aus der Paul-Gerhardt-Gemeinde in Hamburg-Wilhelmsburg. Dort gibt die Kirchengemeinde einen Standort auf und bot daher die Glocken zum Kauf an. "Sie wurden auch in den 1960er-Jahren hergestellt", erklärt Gregor Hamsch. Allerdings würden Bronze-Glocken sehr viel langlebiger sein als solche aus Eisenhartguss. Hamsch kennt Klangkörper aus diesem Material, die "seit vorreformatorischer Zeit" hängen. Die Glocken in Manker beispielsweise seien auch schon sehr alt.
"Am Ende haben wir weniger als den Materialpreis für die neuen Glocken bezahlt", sagt Gregor Hamsch. Die Gesamtkirchengemeinde investiert eine höhere fünfstellige Summe. Diese ist um einiges höher als ursprünglich geplant. "Uns war schon vorher klar, dass wir auch am Glockenstuhl etwas machen müssen und dass ein Fachmann sich das Ganze anschauen muss", so Hamsch. "Aber nun brauchen wir einen Glockensachverständigen, ein statisches Gutachten und sogar ein Schwingungsgutachten." Die Glocken an sich seien preiswerter gewesen als das alles zusammen. Wegen der zusätzlichen Forderungen musste der eigentliche Termin, an dem die Glocken zum ersten Mal erklingen sollten, nach hinten verschoben werden. 2020 soll es nun aber klappen. Wann, ist laut Hamsch noch ungewiss.
Leichtere Glocken
Einige der Forderungen des Denkmalschutzes lassen Gregor Hamsch zudem verwundert zurück. So wurden nun in dem rund 400 Jahre alten Glockenstuhl drei schwere Klangkörper hängen. Die schwerste dieser Glocken wiegt allein 1,2 Tonnen. Zwar gibt es künftig genau eine Bronze-Glocke mehr. Doch diese vier zusammen bringen es nur auf zwei Tonnen Gewicht. "Wir haben also sogar etwas weniger Last, brauchen aber viele Gutachten", so Hamsch. "Aber das ist eben die deutsche Baupflicht." Der Statiker sei derzeit aber schon in Gesprächen mit dem zuständigen Zimmermann.
Es wird in Zukunft selten geschehen, dass die vier neuen Glocken alle zu hören sind. An hohen kirchlichen Feiertagen wird das aber durchaus vorkommen. "Das wird dann klanglich eine ganz andere Liga sein", ist Gregor Hamsch überzeugt. Wer Lust hat, kann dann mitunter eine besondere Klangerfahrung machen – auf der Seedammbrücke nämlich. Wenn dann die Kirchenglocken in Alt Ruppin und jene der Klosterkirche erklingen, wird das etwas Besonderes, so Hamsch.
Weitere solcher Sorgenkinder wie in Alt Ruppin hat die Gesamtkirchengemeinde nicht. Dort sind die Glocken auch derzeit noch zu hören. Sollten sie aber reißen, können sie nicht repariert werden. "Und es ist auch gefährlich für den Turm, wenn die Glocken gerade schwingen und reißen", sagt Gregor Hamsch. Wenn sie nun heruntergeholt werden, sollen die Klangkörper dennoch in Alt Ruppin bleiben: auf einem Betonsockel mit einem Dach drüber auf dem Pfarrgrundstück.

Die Reste einer Kirche


Die neuen Glocken stammen aus der Paul-Gerhardt-Kirche in Hamburg-Wilhelmsburg. Diese wurde im Januar entweiht.

Auch weiteres Inventar wurde wiederverwendet: Die Orgel und die Kirchenbänke stehen in Polen. Ein Teil der Buntverglasung soll im Eingangsbereich des neuen Gemeindehauses in Wilhelmsburg aufgestellt werden. red