Der ehemalige Hermannshof im Lindenpark steht seit Jahren leer. Das Gebäudeensemble ist in einem bedenklichen Zustand. Der Verein Stadtgeschichte möchte das Objekt gerne nutzen, um darin eine Dauerausstellung zur Geschichte des Kernkraftwerks zu etablieren (RA berichtete). Die Rheinsberger SPD-Fraktion hat einen entsprechenden Antrag an die Stadtverordnetenversammlung gestellt, um das im Besitz der Stadt befindliche Grundstück bis auf weiteres für dieses Vorhaben zu sichern. In einem neunseitigen Grobkonzept umreißen die Hobbyhistoriker ihr Vorhaben. Demnach soll die Ausstellung nicht nur die Geschichte des ersten wirtschaftlich genutzten Kernkraftwerks der DDR thematisieren sondern auch den gesellschaftlichen Wandel im Umgang mit der Atomkraft. Unter anderem könnte, so das Papier, die Blockwarte - der Kontrollraum des KKW - in dem Museum wiedererrichtet werden. Zudem böte der Hermannshof genügend Platz, um weitere Ausstellungsräume zur Stadtgeschichte zu schaffen. Somit hätten die Hobbyhistoriker eine zweite Fliege mit einer Klappe geschlagen: Denn auch für das geplante Haus der Stadtgeschichte stünden dann Räume zur Verfügung. Neben einer Ausstellung zur Rheinsberger Historie wären auch wissenschaftliche Arbeitsräume denkbar.
Der Vereinsvorsitzende Jörg Möller, der für die Energiewende Nord (EWN) GmbH für den Rückbau des KKW verantwortlich zeichnet und auch Mitglied der SPD-Fraktion ist, bemüht aber noch den Konjunktiv, wenn er über die Pläne spricht. Denn noch sind sie nur eine Vision, für deren Umsetzung vieles zu klären ist - und viel Geld benötigt wird. Das fängt an bei der Frage, wer das Objekt betreiben und finanzieren soll und endet bei der Frage, wie die Kosten gestemmt werden können. Allein für die Sanierung des Hermannshofes fielen wahrscheinlich mehrere hunderttausend Euro, wenn nicht gar ein Millionenbetrag an.
Daher soll laut Möller in einer ersten Phase geprüft werden, ob und welche Fördertöpfe für die Sanierung zur Verfügung stehen. "Dann ist die Frage: Wer übernimmt die Verantwortung? Die Stadt, das Land oder vielleicht sogar der Bund?", so Möller. "Man muss sich darüber unterhalten, wer es betreibt. Der Verein ist nur der Katalysator, um das Projekt anzuschieben. Wir brauchen ein ordentliches Förderprogramm und ein gutes Betreiberkonzept." Fest steht bisher nur das Ziel, dass das Objekt ganzjährig betrieben werden soll. Damit möchte der Verein Stadtgeschichte auch das Rheinsberger Manko beheben, dass es bisher fast kein ganzjähriges Kulturangebot gibt. Touristisch wäre das Vorhaben also eine Aufwertung.
Für Dezember ist ein runder Tisch mit den Projektpartnern geplant. Der Verein baut derzeit ein Netzwerk auf, an dem er selbst, die Stadt als Grundstücksbesitzer, Sebastian Stude, der 2013 eine Ausstellung zur Geschichte des KKW organisiert hat und das Vorhaben wissenschaftlich begleiten soll, die EWN GmbH als Besitzer der Exponate und die SPD-Landtagsabgeordnete Dr. Ulrike Liedtke als Projektförderin beteiligen sollen. Bis 2016 sollen erste detaillierte Konzepte ausgearbeitet sein, um die Fördermöglichkeiten auszuloten. Für die wissenschaftliche Ausarbeitung werden zwei bis drei Jahre veranschlagt. Die Blockwarte soll ohnehin erst 2019 im KKW demontiert werden. Bis dahin könnte der Hermannshof baulich hergerichtet werden.
Der Aufbau einer Ausstellung könnte bis 2020 erfolgen. Aber wie erwähnt: Bis dahin ist noch vieles zu klären.