Das Netz von E-Ladesäulen in der Region wird wieder etwas dichter. Erstmals haben die Stadtwerke Neuruppin (SWN) in Zusammenarbeit mit einem Privatunternehmen am Dienstag eine Ladestation mit zwei Zapfpunkten in Betrieb genommen: am Autohaus Füllgraf direkt an der Nauener Straße. „Die Nachfrage von Unternehmen nach Lademöglichkeiten steigt“, sagte Guido Gerlach, kaufmännischer Leiter bei den SWN. Das liege vor allem daran, dass Betriebe ihre Fuhrparks weg vom Verbrennungsmotor hin zu alternativen Antrieben umstellen. Im Falle des Autohauses war es laut dessen Geschäftsführer Andreas Heidrich eine Vorgabe des VW-Audi-Konzerns, der jetzt auch vollelektrische Modelle im Portfolio hat und seinen Kunden sowie anderen E-Autofahrern etwas bieten möchte.

120 Stromer in OPR angemeldet

Deren Zahl steigt auch kontinuierlich. Laut der Zulassungsbehörde des Landkreises waren im Sommer dieses Jahres 120 Stromer allein in Ostprignitz-Ruppin zugelassen. 2018 waren es nur 67. Hinzu kommen noch all jene, die Plugin-Hybrid-Autos fahren und gelegentlich Strom laden möchten.
Und nicht nur die nutzen die bisher 21 Stationen mit 44 Ladepunkten in Ostprignitz-Ruppin. Die SWN registrierten von August 2018 bis Oktober 2020 genau 3.685 Ladevorgänge von 1.038 Nutzern aus ganz Europa, die alle zusammen 55.205 Kilowattstunden Energie geladen haben. Mit dem SWN-Strom, der aus Neuruppiner Klärgas gewonnen wird, haben die Autofahrer damit 368.033 emissionsfreie Kilometer zurückgelegt. „Mit Neuruppiner Strom wurde eine Strecke zurückgelegt – fast bis zum Mond“, freute sich Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) bei der Übergabe. Denn Erde und Mond trennen rund 384.400 Kilometer, die laut Golde sicher bald geknackt werden.

Strom für fast 370.000 Kilometer geladen

Bei der Elektromobilität sei das Ende der Fahnenstande noch lange nicht erreicht. Neuruppin habe es in den zurückliegenden Jahren auf dem Weg zur klimaneutralen Stadt zwar geschafft, die Emissionen um etwa die Hälfte zu senken. Der Verkehr sorge laut Golde aber nach wie vor für den größten Teil des Schadstoffausstoßes. Die SWN werden das Ladenetz deshalb weiter ausbauen: Anfang 2021 von 21 auf 32 Ladestationen mit 66 Ladepunkten im Kreis. 17 Stationen mit 36 Zapfpunkten stehen dann allein in Neuruppin. Weitere Stationen bauen die SWN zudem in Wusterhausen, Neustadt, Heiligengrabe und in der Gemeinde Stechlin.

Strombedarf wird zur Herausforderung

Wenn die E-Mobilität an Beliebtheit gewinnt und auch noch private Ladestationen entstehen, wird der Strombedarf weiter wachsen, was laut Geschäftsführer Thoralf Uebach die Stadtwerke und ihr Netz vor Herausforderungen stellen wird. Deshalb müsse an weiteren Lösungen gearbeitet werden, um den Bedarf aller E-Autofahrer und die Leistungsfähigkeit des SWN-Netzes vereinbaren zu können.