Die Bagger graben sich durch Erde und Matsch. Die vergangenen Tage haben dem Boden nicht gut getan: Selbst bei den schweren Maschinen drehen schon mal die Reifen durch. Doch die Arbeiten der Stadtwerke Neuruppin an der Ernst-Toller-Straße liegen voll im Plan. Schließlich haben sie auch gerade erst richtig begonnen. Vor Ort entsteht neben dem alten Heizkraftwerk ein neues Heizwerk, das Wärme aus Holz produziert.

Betonsäulen sorgen für Stabilität

Um so nah am See eine solche Anlage überhaupt bauen zu können, braucht es besondere Technik. Seit ein paar Tagen ist auf der Baustelle eine so genannte Rüttelstopfmaschine zu sehen, die gen Himmel ragt. Diese setzt Betonstopfsäulen in die Erde ein. „Das dient der Bodenverbesserung, damit die Statik stimmt“, erklärt Alexander Kaesche, der bei den Stadtwerken für die Energieerzeugung zuständig ist. Hintergrund dieser Arbeiten ist, dass das Grundwasser sehr hoch steht. Besondere Stabilität ist also gefragt.

Gebäude selbst entsteht aus Fertigteilen

Dieser Schritt der Arbeiten ist aber bald beendet, bestätigt Kaesche. „Im Anschluss wird ein Stützgestell aufgestellt“, erklärt er. Anschließend wird das Heizwerk aus Fertigteilen errichtet. Daneben wird das alte Heizkraftwerk, in dem neben Wärme auch Strom erzeugt wird, ziemlich alt aussehen: „Der Neubau wird futuristischer“, sagt Alexander Kaesche. In den Entwürfen sei eine Ähnlichkeit zu einem Boot erkennbar, was der Lage direkt am Ruppiner See geschuldet ist.
Der Feststoffkessel im neuen Heizwerk wird mit Hackschnitzeln betrieben. Es handelt sich laut Alexander Kaesche um das erste Heizwerk dieser Art in Neuruppin. „Irgendwann wollen wir nicht mehr mit dem fossilen Brennstoff Gas heizen“, erklärt der SWN-Fachmann. Die Suche nach Alternativen und einem anderen Standbein hat die Stadtwerke nun zu dem Rohstoff geführt, der auf ihren eigenen Flächen wächst: An der Kläranlage betreibt der kommunale Energieversorger eine Kurzumtriebsplantage. Dort werden schnell wachsende Pappeln angebaut, die dann im Heizwerk zu Wärme für Neuruppiner Haushalte werden. „So bildet sich ein Kreislauf“, sagt Alexander Kaesche.

Holz stammt hauptsächlich von Flächen am Klärwerk

Außerhalb Neuruppins haben die Stadtwerke auch Flächen, auf denen so genanntes Energieholz angebaut wird, bestätigt Kaesche. Die Hauptbezugsquelle befindet sich aber nach wie vor am Klärwerk. An die SWN ist auch der Stadtservice angegliedert, der in Neuruppin bestimmte Baumschnittarbeiten übernimmt. Das Holz, das dabei gesammelt wird, wird ebenfalls verwendet, so Kaesche.
Zum Jahreswechsel 2021/2022 soll das neue Heizwerk an der Ernst-Toller-Straße den Betrieb aufnehmen. Von diesem Standort aus speisen die SWN Wärme für die Altstadt in ihr Netz ein. Der Neubau könnte dann 20 bis 30 Prozent der Versorgung übernehmen, schätzt Alexander Kaesche. Anwohner werden keine zusätzliche Belastung haben: Die entstehende Anlage wird weniger Rauch rausblasen als es die bestehende macht. Grund ist eine Staubabscheidungsanlage, so Kaesche. „Es ist auch nicht wie bei einem alten Kamin, wo es nach verbranntem Holz riecht“, beruhigt der SWN-Mitarbeiter. Geräusche werden durch die Anlage ebenfalls nicht entstehen.

Es handelt sich um das zehnte Heizhaus der SWN

Da es sich um das erste derartige Heizwerk handelt, wollen die Stadtwerke dieses nutzen, um Erfahrungen mit dieser Technik zu machen. Wie der weitere Ausbau aussieht, kann Alexander Kaesche jetzt noch nicht sagen. Mit dem Neubau, der rund zwei Millionen Euro kosten, betreiben die SWN insgesamt zehn Heizhäuser. Laut Kaesche hat das Genehmigungsverfahren relativ lange gedauert, da es sich um ein sehr komplexes Verfahren handelt. „Da waren viele Behörden beteiligt“, sagt er. Seit 2018 läuft bereits die konkrete Planung für das Projekt.

Anlage läuft automatisch

Die Anlage wird später vollautomatisch laufen. Eine Schubvorrichtung soll das Holz in den Kessel schieben. Dafür, dass genug davon vorhanden ist, sorgt das Lager, das rund 480 Kubikmeter fassen wird. Das Heizwerk ist so konzipiert, dass es zwei Tage lang laufen kann, ohne dass jemand nach dem Rechten schauen muss. „Damit decken wir dann das Wochenende und Feiertage ab“, so Kaesche.