Eine Woche lang waren Feuerwehrleute aus Neuruppin im Hochwassergebiet um Altenahr im Einsatz. Sie haben Keller ausgepumpt, Häuser vom Schlamm befreit und geholfen, die Wasserversorgung wieder herzustellen. Inzwischen sind die 14 Helfer längst wieder aus dem Katastrophengebiet zurückgekehrt. Die Erfahrungen, positiv wie negativ, werden sie aber noch eine Weile begleiten.

Überwältigt von der Zerstörungskraft des Wassers

„Die Bilder im Fernsehen sind das Eine“, sagt Kreisbrandmeister Olaf Lehmann, der den Einsatz vor Ort einige Tage lang leitete. „Aber es im echten Leben zu sehen, ist das Andere. Das war richtig erschreckend. Wie viel Schaden so ein kleiner Fluss anrichten kann: Der ist normalerweise vielleicht 80 Zentimeter tief und ist dann auf acht Meter angestiegen.“
Das Ausmaß der Zerstörung wirkte live noch einmal völlig anders als im Fernsehen, berichten die zurückgekehrten Feuerwehrleute.
Das Ausmaß der Zerstörung wirkte live noch einmal völlig anders als im Fernsehen, berichten die zurückgekehrten Feuerwehrleute.
© Foto: Kreisfeuerwehrverband Ostprignitz-Ruppin
Die Zerstörungskraft, die dadurch freigesetzt wurde, sei unglaublich gewesen, sagt Lehmann. Das sei neben den Belastungen für die Menschen vor Ort auch für die Einsatzkräfte hart gewesen. „Wir sind durch Straßen gefahren, auf denen man sich wie in einem Tunnel vorkam. Am Rand lag meterhoch der Schutt aufgestapelt, Müll, kaputte Anhänger und mehr.“
All das sei nicht nur für die Menschen, die dort alles verloren haben, belastend, sondern auch für die Einsatzkräfte, erklärt Lehmann. Daher haben auch alle das Angebot erhalten, sich Hilfe beim sogenannten Einsatznachsorgeteam zu holen. Zudem sei geplant, sich im September noch einmal mit allen Beteiligten zu treffen, um über das Erlebte zu sprechen. Denn viele würden zwar im Groben auch mit Angehörigen darüber reden. Doch dort gebe es manchmal Hemmungen, besonders belastende Details zu benennen.

Herzlich von Menschen vor Ort empfangen

Doch überwältigt waren die Feuerwehrleute bei ihrem Hilfseinsatz nicht nur von den negativen Eindrücken. „Wir sind sehr herzlich aufgenommen worden“, berichtet Lehmann. Das eigentliche Unglück hatte bei der Ankunft des Brandenburger Hilfskontingents schon drei Wochen zurückgelegen. „Wenn Leute auf uns zugekommen sind, haben wir einfach geschaut, ob sie Hilfe brauchen.“ Das waren die unterschiedlichsten Aufgaben. „Wir haben dann einen Heizkessel aus dem Keller herausgeholt, uns um die Ölabwehr gekümmert oder einfach Tapeten abgerissen, den Putz abgeschlagen oder sogar geholfen, Pfandflaschen zu sortieren.“
Die Neuruppiner Feuerwehrleute waren zusammen mit Einheiten aus den Landkreisen Havelland, Prignitz, der Stadt Potsdam ins Katstrophengebiet gefahren.
Die Neuruppiner Feuerwehrleute waren zusammen mit Einheiten aus den Landkreisen Havelland, Prignitz, der Stadt Potsdam ins Katstrophengebiet gefahren.
© Foto: Kreisfeuerwehrverband Ostprignitz-Ruppin
Bei letzterem handelte es sich um Hilfe für eine größere Aktion, bei der das Pfandgeld für einen neuen Spielplatz in der Ortslage Rech gespendet wurde. „Dabei kommt man unweigerlich mit den Leuten ins Gespräch. Sie fangen an zu erzählen und das hat manchen auch schon geholfen.“ Auch diese psychische Hilfe sei wichtig gewesen, weiß Lehmann. Zwar sei sie durch alle Helfer erfolgt.

Frankfurt (Oder)

Doch zu der Abordnung aus dem Land Brandenburg zählten auch Notfallseelsorger, die die ganz Zeit über Betroffene betreut haben. Nicht nur deshalb habe man einen großen positiven Eindruck hinterlasse, fasst Lehmann all die Rückmeldungen zusammen, die er und andere Kameraden für ihre Arbeit bekommen haben. „Und das ist auch Lob und Dank genug“, sagt er.

Hilfe in der Region wird noch lange Zeit benötigt

Vorbei ist die Arbeit in der Katastrophenregion noch lange nicht. „Es gibt dort immer noch Häuser, in denen keiner mehr drin war, seit geschaut wurde, ob es dort vielleicht Verletzte gibt“, berichtet der Kreisbrandmeister. „Rein menschlich betrachtet müsste man eigentlich nochmal für zwei Wochen hinfahren“, beschreibt er seinen Wunsch, der sich jedoch nicht so ohne Weiteres umsetzen ließe. So hatte er auch schon vor dem Rest der Mannschaft wieder zurückkehren müssen. „Jetzt ist dort strukturelle und fachliche Hilfe gefordert“, sagt er.
Vor Ort bot sich den Einsatzkräften ein Bild der Verwüstung.
Vor Ort bot sich den Einsatzkräften ein Bild der Verwüstung.
© Foto: Kreisfeuerwehrverband Ostprignitz-Ruppin

Rückkehr nach einer Woche

Für die Feuerwehrleute aus Neuruppin ist der Einsatz indes schon länger wieder vorbei. Eine Woche nach ihrer Abreise wurden sie nach eine elfstündigen Fahrt auf dem Hof der Wache an der Schinkelstraße empfangen: von Familienangehörigen, Mitgliedern der Wehr- und Zugführung aus Neuruppin und auch vom Kreisbrandmeister. Der dankte den Einsatzkräften für ihren Einsatz und überreichte jedem Kameraden ein Dankesschreiben für die hervorragenden Leistungen im Einsatz, auch im Namen des Landrates Ralf Reinhardt. Schließlich war das alles andere als ein gewöhnlicher Einsatz.