Wenn es brennt, werden alle verfügbaren Feuerwehr-Kräfte alarmiert, um so schnell wie möglich helfen zu können. Nun, zumindest bei kleineren Einsätzen stimmt das nicht mehr, wie der Radenslebener Christian Marquard vor rund zwei Wochen feststellen musste. Er hatte zwischen Lichtenberg und Radensleben einen Böschungsbrand entdeckt und die Feuerwehr alarmiert. Doch obwohl in Lichtenberg selbst genügend ehrenamtliche Feuerwehrleute auf dem Sprung waren, wurden sie nicht einmal über den Einsatz informiert, wie Marquard im Nachhinein erfuhr. „Stattdessen mussten wir 20 Minuten warten, bis die Feuerwehr aus Neuruppin kam, um zu löschen“, so Marquard. Der Radenslebener machte sich auf die Suche nach der Ursache dafür, die ihm schließlich vom Ordnungsamt mit der neuen Ausrückordnung genannt wurde.

Nur hauptamtliche Feuerwehrleute alarmiert

In der Tat ist es so, dass zum 1. Juni 2020 die Alarm- und Ausrückordnung (AAO) der Stadt durch den Wehrführer angepasst wurde, wie Stadtsprecherin Michaela Ott bestätigt. „Die neue AAO sieht nunmehr vor, dass für Kleinsteinsätze in der Zeit von 6 bis 18 Uhr die hauptamtlich Beschäftigten der Hauptwache alarmiert werden“, so Ott.
Entscheidend sei aber, um welche Art von Einsatz es sich handelt, betont sie. Unterschieden werde etwa, ob es um Ödlandbrände ohne Ausbreitungsgefahr, eine brennende Mülltonne oder um einen Ast auf der Straße geht. Werde vor Ort festgestellt, dass sich die Lage anders als bei der Alarmierung darstelle, könne der Einsatzleiter auch weitere Kräfte nachfordern, so die Stadtsprecherin. „Bei zeitkritischen Einsätzen und bei Gefahr für Menschenleben, zum Beispiel bei einem Verkehrsunfall mit Personenschäden, werden immer die zuständigen Einheiten entsprechend dem bei dem Alarmstichwort hinterlegten Kräfte- und Technikbedarf alarmiert.“
Zeitunkritische Kleinsteinsätze könnten in der Regel tagsüber durch die hauptamtlichen Kräfte der Hauptwache allein bearbeitet und bewältigt werden. Dass so kostenträchtige Doppelstrukturen geschaffen wurden, weil Geld in Gebäude für Standortwachen investiert wurde, die nicht alarmiert werden, weist Ott von sich, „weil am Standort Lichtenberg keine hauptamtlichen Kräfte beschäftigt“ sind. „Das hauptamtliche Personal der Hauptwache ist tagsüber in ausreichender Stärke in der Lage, diese Kleinsteinsätze allein zu bearbeiten“, so Ott.

Feuer am Bahndamm als Problem

Für Marquard ist das aber unbefriedigend, zumal derzeit der Bahndamm ein Nadelöhr darstellt. „Die Baustelle kostet Zeit. Und es gibt nun mal keinen anderen direkten Weg zu uns“, sorgt er sich. Dass der Böschungsbrand so klein und ungefährlich gewesen sein soll, kann er ebenfalls nicht ganz nachvollziehen.
„Zum Glück war das Feld schon abgeerntet, sonst hätte sich das noch weiter verbreitet. Aber der Brand hatte trotzdem schon den Baum erreicht“, erinnert er sich. Er würde sich wünschen, dass wieder zur alten Praxis zurückgekehrt wird. „Ich habe sonst einfach Angst um mein Hab und Gut.“

Die Alarm- und Ausrückordnung


Kommunen müssen in Deutschland eine Alarm- und Ausrückeverordnung besitzen.

Diese enthält Grundregeln, wann Behörden und Organisationen im Gefahrenfall alarmiert werden müssen.

Die Ordnung legt Alarmstichworte und Alarmstufen fest, die wiederum eine bestimmte Reaktion nach sich ziehen sollen. Stichwort bei der Feuerwehr ist zum Beispiel klassischerweise „Feuer“ im Fall von Brandeinsätzen oder „Hilfe“ bei technischen Hilfseinsätzen.

Bei der Alarmstufe wird meist mit einer Ziffer oder eines kurzen Wortes geklärt, wie schwerwiegend der Alarm. red