Die derzeitige Ungewissheit liegt in einem Beschluss des DMSB begründet. Dessen Exekutivkomitee hatte im Zuge der geplanten Umstrukturierungen im Rallyesport dem Fachausschuss Rallye den Auftrag erteilt, einen Stufenplan für die Fahrzeugklasse H zu erstellen. Demnach darf jene Gruppe stufenweise bis zum Stichtag 1. Januar 2017 im DMSB-Rallyesport nicht mehr ausgeschrieben werden. "Wir informieren die Teilnehmer frühzeitig über die Neuerungen, damit sie für die kommenden Jahre Planungssicherheit haben", sagt Michael Günther, Leiter Automobilsport beim Motorsport-Bund.
RSG-Chef Jörg Litfin ist angesäuert: "Ich werde im Januar zu der Sitzung nach Bayern fahren und dann hören, was passiert. Bisher sind alle im Ungewissen." Er als langjähriger Organisationsleiter sieht große Probleme auf sich zukommen. "In Neuruppin findet nämlich die erste von 91 Rallyes im Jahr statt." Alle anderen Veranstalter können etwas länger abwarten. Die womöglich ausgeschlossenen H-Fahrzeuge machen Jahr für Jahr etwa die Hälfte des Starterfeldes aus. "Für 25 Autos brauche ich keine Fontane Rallye mehr organisieren", klingt reichlich Frust in Litfins Stimme mit. Und dass die Rallyesportler schnell auf den Ausschluss reagieren und neue Fahrzeuge aufbauen, dass glaubt der RSG-Mann nicht. "Viele haben doch seit einiger Zeit einen Abschiedstour 2016-Aufkleber auf ihrem Wagen kleben."
Warum der DMSB diese Regelung überhaupt getroffen hat, bleibt für den Neuruppiner Organisator unergründlich. "Ich kann in Polen, Schweden, Dänemark, Tschechien, Finnland oder anderswo mit meinem Auto fahren. Nur hier in Deutschland ist es nicht erlaubt", blickt er natürlich auch auf seinen eigenen Rennwagen, einen umgebauten Volvo, der ebenfalls von der Regeländerung betroffen wäre.
Damit setzt sich ohnehin eine Reihe von schwer zu erklärenden Änderungen fort. Vor drei Jahren waren die Rallyesportler angehalten, ihre Käfige in den Fahrzeugen anzupassen. "Ich habe 42 Meter Rohr im Innenraum meines Volvos. Auch die Overalls, Schuhe und Helme wurden vom internationalen Dachverband der Autofahrer, kurz FIA, neu bewertet, bekamen eine neue Zulassung." Kaum hatten sich alle Sportler den Regeln angepasst, gab es eine Löschung sämtlicher Zulassungs-Nummern. "Also mussten wir wieder alles neu besorgen. Und nun folgt ein Verbot für die Fahrer der Gruppe H."
Litfin, der ein bekanntes Gesicht im deutschen Rallyesport ist, hat sich darüber Gedanken gemacht. Für ihn könnte eine Ursache darin liegen, dass es in Deutschland einfach zu viele Rennen gibt. "Vielleicht soll mit den verschärften Bedingungen, die Anzahl minimiert werden. In anderen Ländern gebe es viel weniger. "Eventuell dient dies als Vorbild." Der Neuruppiner spekuliert jedoch nur, da er sich bis dato nicht erklären kann, warum der DMSB fast die Hälfte seiner Rallyesportler sanktioniert.

Gruppe H


In der Gruppe H sind Pkw zugelassen, deren Baujahr nach dem 31. Dezember 1965 und vor dem 1. Januar 2009 liegt. Die Baujahresgrenze 2008 wird bis zum 31. Dezember 2018 beibehalten. Ab dem 1. Januar 2019 sind in der Gruppe H nur noch Fahrzeuge zugelassen, deren Baujahr mindestens zehn Jahre zurückliegt. Es sind nur Fahrzeuge startberechtigt, welche in einer Stückzahl von mindestens 200 identischen Fahrzeugen in zwölf aufeinanderfolgenden Monaten hergestellt wurden und über ABE, EWG-Betriebserlaubnis oder EBE verfügen. Die Fahrzeuge müssen für den Einsatz in der Gruppe H zum öffentlichen Straßenverkehr zugelassen sein oder/und die sportrechtliche Zulassung (zum Beispsiel DMSB-Wagenpass) für die Gruppe H besitzen. Ebenso zugelassen: Originale Gruppe 5-Fahrzeuge, welche vor 1982 eingesetzt wurden. Bei Verwendung von Fahrzeugen mit 07er-Kennzeichen müssen bei Rallyes alle Fahrzeugänderungen, die durch die StVZO eintragungspflichtig sind, im Fahrzeugbrief eingetragen sein. Darüber hinaus muss ein schriftlicher HU-Nachweis nach § 29 StVZO mitgeführt werden, der nicht älter als 24 Monate sein darf. Über die Vorschriften hinaus, sind alle Fahrzeuge der Hersteller Trabant und Wartburg startberechtigt, die seit dem 1. Januar 1966 bis heute hergestellt wurden. (DMSB)