Das erste Trio in C-Dur von Christoph Schaffrath begann frühlingshaft beschwingt. Schaffrath und Bach lagen musikalisch nah beieinander, auch aus diesem Grund hatten sich die Künstler für seine Komposition im Johann-Sebastian-Bach-Jahr 2014 entschieden. In den drei Sätzen hörten die Zuhörer die Blockflöten, gespielt von Julia Andres und Yeuntae Jung, dominant heraus. Jedoch alles im harmonischen Einklang mit den restlichen Instrumenten - den Barockcellos von Tabea Schrenk und Hyungun Cho sowie dem Cembalo von Mei Murao. Das Werk wurde besonders interessant durch die schnellen Wechsel der sanften leisen Klänge und der dynamischen lauten Töne. Yeuntae Jung an der Blockflöte machte sich auch durch seinen Körpereinsatz beim Musizieren bemerkbar, so sehr versank er im Moment in seiner musikalischen Welt. Im dritten Satz fanden sich die Zuhörer zu einem Frühlingsspaziergang im Schlosspark wieder.
Die barocken Klänge und die Atmosphäre im Spiegelsaal beflügelten diese Eindrücke noch. Am Ende des Stückes kommunizierten beide Blockflöten wie Vögel miteinander. Beim zweiten Werk handelte es sich um ein Traversflötenstück für die Blockflöte vom Komponisten Carl Philipp Emanuel Bach (1714-1788). Die Traversflöte eignet sich besonders bei der Intonierung von barocken Musikstücken, da sie holzig und warm klingt. Dementsprechend nachdenkliche und ruhige Klänge erfüllten danach den Saal. Julia Andres begeisterte die Zuhörer mit ihrem Solo-Part. Tabea Schrenk schaffte es ebenfalls, mit dem leichten Streifen der Saiten ihres Instruments und dem dramatischen Ende des Stückes, den Applaus des Publikums noch zu steigern.
Dann hörte Rheinsberg die Komposition eines italienischen Musikers. Luigi Boccherini (1743-1805) hatte etwas ganz Eigenes, berichtete Tabea Schrenk (Barockcello). Er reiste als Kosmopolit durch die ganze Welt und wünschte sich letztlich von Friedrich, im Rheinsberger Schloss eine angemessenere Bezahlung zu erhalten als in Madrid. Sein Gehalt wurde erhöht und er blieb in Madrid. Boccherini ist für die Cellisten ein besonderer Komponist. Seine Konzerte und Sonaten sind alles andere als einfach zu spielen. Trotzdem oder gerade deswegen versprühen sie einen gewissen Reiz.
Den absoluten Höhepunkt des Konzerts bildete Hyungun Cho am Barockcello. Er spielte seinen Solo-Part ohne Noten: Schnell, abwechslungsreich und individuell, gerade so, wie es sich Boccherini ganz bestimmt gewünscht hätte. Sein musikalischer Beitrag und die Leistung von Tabea Schrenk am Barockcello können nur als grandios bezeichnet werden und das Publikum applaudierte voller Hingabe.
"Wir haben schon so lange vorgehabt, nach Rheinsberg zu kommen, um uns im Schloss ein wenig Musik zu gönnen. Jetzt haben wir es geschafft", sagten Christian Liehm (37) und Fiona Chagnaa (37). Die beiden feierten Liehms Geburtstag mit diesem Konzert und waren voll des Lobes. "Der Klang war überragend. Wir haben in der ersten Reihe gesessen und die Instrumente und Künstler direkt vor Augen gehabt. Die Cellos haben sich fantastisch angehört. Es war ein toller Abend", schwärmte Fiona Chagnaa aus Berlin.