Die Fußballer der SG Stahl Wittstock bewiesen mit dem jüngsten 2:1-Pokalerfolg über die Landesklassenelf von Union Neuruppin noch einmal ihren Qualitätssprung in dieser noch jungen Saison. Der Tabellenführer der Kreisoberliga (fünf Siege, ein Remis) war am Sonntag über 90 Minuten gegen eine allerdings sehr fehlerhaft agierende Unioner Mannschaft der Chef auf dem gut präparierten Heimplatz. „Was wir in der Vorwoche im Punktspiel gegen Karstädt haben vermissen lassen, war diesmal da, nämlich kämpferischer Einsatz und auch spielerische Elemente. Es war eine starke Teamleistung und ein verdienter Erfolg“, freute sich Stahl-Trainer Dietmar Andree.

180 Zuschauer reiben sich die Augen

Vor 180 Zuschauern hatte Union zwar die erste Angriffsaktion, ein Heber von Ampofu Nana (4.) über Stahl-Kicker Til Weber ging knapp vorbei, doch danach übernahm Stahl eindeutig die Regie. „Das war von uns eine ganz schwache erste Halbzeit: kein Wille, viele Fehler. Stahl ist da ganz anders aufgetreten“, sagte ein enttäuschter Union-Trainer Stephan Ellfeldt.
Die Hausherren sorgten mit einem aggressiven Pressing für viele Fehler der Unioner im Aufbauspiel. Bei Ballgewinn ging es schnell in Richtung Gästetor. Jonas Bienert, Patrick Schönfeldt und Oliver Goldberg waren ständige Unruheherde. Zudem rückten immer wieder Mittelfeldspieler nach. So konnte sich Union kaum befreien. Allerdings ließ Stahl einige gute Chancen aus. So vergaben innerhalb von vier Minuten Goldberg, Yannic Brüning und Bienert in aussichtsreichen Poistionen. Die Führung gelang Tobias Dachselt nach einer Ecke per Kopf. „Vier Mann gucken zu, wie Dachselt einköpft“, grummelte Ellfeldt. Stahl setzte nach, hatte weitere Chance, es blieb aber bei der knappen Führung bis zur Pause. „Einziger Kritikpunkt war, dass wir nur 1:0 und nicht 2:0 oder 3:0 führten“, so Andree.

Tacheles in der Halbzeit

In der Unioner Kabine wurde dann Tacheles geredet, die Gäste wurden stärker, schafften den Ausgleich. Allerdings patzte in dieser Situation die sonst so souveräne Stahl-Abwehr. Doch insgesamt wirkten die Gastgeber gefährlicher, vor allem Oliver Goldberg war kaum fair vom Ball zu trennen. „Also ich bin ein Fan von ihm, sein Einsatz, sein Wille und er strahlt immer Torgefahr aus“, erkannte Gästetrainer Ellfeldt an. Die erneute Stahl-Führung erzielte jedoch Philip Gerstmann mit einem schönen Freistoß, wobei der Gästetorwart Christian Berger nicht gut aussah. „Ich denke nicht, dass es ein Torwartfehler war. Der Freistoß war gut getreten, Linksfuß Jochen Meier täuschte vorher auch noch an und der Keeper musste in die Sonne sehen“, sagte Heimtrainer Andree seine Meinung zum 2:1. Die Unioner versuchten zwar noch einmal zu antworten, aber wirklich gefährlich wurde der Gast gegen die kampfstarken Stahl-Kicker nicht mehr. „Ich habe heute gesehen, wer in die nächste Pokalrunde wollte, das war nicht mein Team. Ein verdienter Sieg für Stahl“, sagte ein enttäuschter Unioner Trainer nach dem Abpfiff. Heimcoach Dietmar Andree kann sich dagegen über einen guten Saisonstart freuen: Einzug ins Pokal-Viertelfinale und Tabellenführer in der Kreisoberliga.

Im 31. Trainerjahr macht es besonders Spaß

Andree macht derzeit das Traineramt bei Stahl Wittstock richtig Spaß. „Spaß hatte ich immer, sonst wäre ich hier nicht im 31. Trainerjahr. Es ist in dieser Saison jedoch eine andere Situation, ich muss den Spielern nicht mehr hinterher telefonieren. Ich habe die Qual der Wahl“, legt er ein Lächeln auf. Durch die sieben Zugänge im Sommer ist nicht nur der Kader größer geworden, sondern auch die Qualität im Team gestiegen. Die landesliga-erfahrenen Oliver Drott und Jochen Meier (beide Hansa Wittstock) organisieren mit ihrer Erfahrung die Abwehr. Mit Tobias Dachselt (MSV II) sowie Philip Gerstmann, Oliver Schulz, Lucas Klein und Yannic Brüning (alle Maulbeerwalde) bringen jüngere Spieler neuen Schwung ins Stahl-Spiel. „Leider hat sich Lucas Klein in der Vorbereitung einen Kreuzbandriss zugezogen, der hat richtig Qualität“, berichtet Andree. Durch die Neuen hat das Mittelfeldspiel von Stahl mehr Struktur und strahlt noch mehr Torgefahr aus. „Die Zugänge haben sich super eingefügt, wir haben jetzt eine richtig gute Bank, können so immer reagieren“, freut sich Andree. Als Nebeneffekt der Neuzugänge sieht der Coach auch eine Steigerung bei den langjährigen Stahl-Kickern. Stichwort Konkurrenzkampf. Wie bei Oldie Michael Sassenhagen, „der haut sich noch einmal richtig rein, aber auch die anderen zeigen eine bessere Einstellung, das tut dem gesamten Team gut“, lobt Andree.

Riesenkader schafft wichtigen Konkurrenzkampf

Auf der Kaderliste des Stahl-Trainers stehen in diesem Jahr 33 Namen, zehn davon wollen allerdings nur im Notfall helfen. Eine Auswahl von 23 Spielern zu haben, davon können die meisten Trainer in der Kreisoberliga nur träumen. Andree hat sie derzeit. Beim Training seien immer 14 bis 18 Spieler und der Konkurrenzkampf erhöhe eindeutig die Spielstärke der Mannschaft, so Andree. Auch Verletzungen von wichtigen Spielern können von den Wittstockern in dieser Saison besser aufgefangen werden. „So ist das Klima im Team und im Verein super und sehr optimistisch“, so Andree.

Favoritenrolle ans Revers geheftet

Während die Konkurrenz Stahl schon die Favoritenrolle auf die Meisterschaft zugeschoben hat, sieht es der langjährige Stahl-Coach etwas anders. „Wir haben 16 Punkte, das ist toll, aber damit ist noch niemand Meister geworden. Wir sind auf einem guten Weg, haben die Mannschaft verstärkt und verjüngt. Doch wir müssen dran bleiben, geschenkt wird uns nichts. Mein Ziel ist ein Platz unter die ersten Fünf. Schön ist auch, dass wir jetzt hier eine A-Jugend haben, da wächst etwas heran“, freut sich Andree.