Am Donnerstag stattete der Landrat zusammen mit Christian Fahner von der Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg (REG) und Martin Bünning, Amtsleiter für Wirtschaftsförderung, dem Restaurant von Annett Münzer einen Besuch ab, um zu hören, wo eventuell der Schuh drückt. Nach der Corona-Krise, in der das Lokal erst nur bis 18 Uhr geöffnet bleiben durfte, dann zwei Monate komplett geschlossen war und nur ein Außer-Haus-Verkauf angeboten wurde, ist das keine unberechtigte Frage. Doch die engagierte Geschäftsfrau ist keine, die gern klagt. So sei die finanzielle Unterstützung des Landes innerhalb von nur einer Woche auf ihrem Konto gewesen. Dass das Geld aber nicht einmal annähernd gereicht hat, um die Kosten für ihre acht Mitarbeiter zu decken, darüber verliert sie kaum ein Wort. "Ich will nicht meckern, sondern bin dankbar, dass es das Geld überhaupt gab", so die 35-Jährige, der es schwer gefallen sei, die Situation einzuschätzen.
Freude über die Gäste
Umso mehr freue es sie jetzt, dass die Menschen wieder zu ihnen in das Restaurant kommen. Sofort, als es Mitte Mai wieder möglich war, habe sie die Türen geöffnet. Um die Abstandsvorschriften zu gewährleisten, musste sie zwar drinnen die Zahl der Plätze von 72 um 16 reduzieren. Doch draußen haben weiterhin auf dem Marktplatz acht Tische Platz. "Manche Gäste kamen an den ersten Tagen nur, um eine Tasse Kaffee zu trinken", erinnert sich die zweifache Mutter, die als ausgebildete Restaurantfachfrau nicht nur vom Fach ist, sondern auch schon in Köln oder an der Ostsee gearbeitet hat. Doch die Pandemie habe auch sie verunsichert, gibt sie in ihrer ehrlich offenen Art zu. "Es gab keinen Corona-Fahrplan. Alle saßen im Boot, und los ging es." Jeder einzelne Handgriff musste überprüft werden. Ständig muss alles desinfiziert werden. Besonders die nackten Tische seien komisch, so Münzer, weil Besteck, Geschirr und Gläser erst im Beisein des Kunden eingedeckt werden.
Doch all das bringt die 35-Jährige nicht wirklich aus dem Konzept. Sie versucht, das Beste aus der Situation zu machen und den Kunden mit den kulinarischen Köstlichkeiten von Küchenchef Sebastian Witt eine kleine Auszeit vom Alltag zu verschaffen. Saisonal und regional ist dabei ihr Motto. "Die Natur gibt vor, was wir machen", erklärt Annett Münzer, die sich 2016 in Heiligengrabe selbstständig gemacht hatte, als sie die Gastronomie im Klosterhof von ihrem Vater übernahm. In Wittstock ist die junge Frau, die mit ihrer Familie in Zaatzke lebt, seit vergangenem Jahr mit ihrem Restaurant ansässig. Einen Tag vor dem Start der Landesgartenschau sei der Laden eröffnet worden, erinnert sie sich. "Es ist ein toller Ort." Es ist deutlich zu spüren, mit wie viel Leidenschaft sie ihren Beruf ausübt. Von Montag bis Sonnabend ist das "Markt 11" von 11 bis 21 Uhr geöffnet. Da durchgehend warme Küche angeboten wird, die von klassisch, modern, vegetarisch, vegan bis hin zur Gourmetküche reicht, stehen fünf Köche in der Küche. Nur der Sonntag, der gehört der Familie, stellt Annett Münzer klar.
Nach der Laga habe sie kurz befürchtet, dass das Geschäft abebben könnte. Doch statt der Touristen, die oft nur wenig Zeit für das Essen hatten, kehrten dann zu Münzers Freude vermehrt Einheimische ein. Und so konnten die Köche bleiben. Während der Corona-Krise musste sie ihr Personal jedoch in Kurzarbeit schicken. Mittlerweile ist aber das ganze Team wieder mit an Bord.
Und sie kann auch den Landrat beruhigen, dass in ihrem Restaurant, das zugleich auch Café ist, völlig korrekt die Anwesenheitslisten der Gäste geführt werden. Aus Datenschutzgründen erhalte jeder Besucher seinen eigenen Zettel. "Das ist eine Mords-Bürokratie", verrät sie, wenn sie täglich bis zu 180 Zettel verstauen muss. Doch noch wisse sie nicht, ob sie gut durch die Krise gekommen sei. "Aber die Gastronomie ist meine Arbeit, mein Hobby, meine Freude und macht mir Spaß", lässt sie sich nicht entmutigen und begrüßt lächelnd den nächsten Gast.