Neben zahlreichen Mitgliedern und Sympathisanten der Linkspartei waren auch der Rheinsberger Pfarrer Christoph Römhild, der Vorsitzende des Köpernitzer Gutshausvereins, Bernd Donner, sowie die Präsidentin des Brandenburger Landtages, Dr. Ulrike Liedtke (SPD) und zahlreiche Einwohner der Einladung gefolgt.
Das Areal auf dem Kirchplatz, auf dem die Teilnehmer aufgrund der Corona-Sicherheitsbestimmungen mit dem nötigen Abstand auf Stühlen Platz genommen hatten, war mit Flatterband abgesperrt. Auch musste sich jeder Teilnehmer in eine Liste eintragen, um bei einer möglichen Infizierung mit dem Corona-Virus nachträglich feststellen zu können, wer an dem Tag  anwesend war und wen angesteckt haben könnte.
Eröffnet wurde die Lesung von Jürgen Neumann, dem Vorsitzenden des Linken-Ortsverbandes Rheinsberg. Er begrüßte die Teilnehmer und brachte seine Freude zum Ausdruck, dass neben der Linken-Bundestagsabgeordneten Kirsten Tackmann und Rheinsbergs ehemaligem Bürgermeister Manfred Richter (SPD) eine Vielzahl von Leuten der Einladung gefolgt waren.
Ringelnatz und Alex Wedding
Neumann erinnerte an den 10. Mai 1933, an dem in einer von faschistischen Studenten geplanten Aktion auf dem Bebelplatz in Berlin und in weiteren deutschen Städten die Bücherverbrennung stattfand. Vernichtet von dem aufgebrachten Mob wurden in erster Linie Bücher jüdischer Autoren, aber auch Werke anderer Schriftsteller, deren Inhalte der nationalsozialistischen Ideologie und Propaganda ein Dorn im Auge waren.
Dann übergab der Initiator das Wort an Pfarrer Christoph Römhild, dem ersten Vorleser. Dieser begann mit einem Zitat von Heinrich Heine, um im Weiteren an Else Lasker-Schüler zu erinnern, deren Werke genauso wie die anderer Autoren am 10. Mai 1933 öffentlich verbrannt wurden. Als Nächste setzte sich Dr. Ulrike Liedtke an den Vortragstisch. Mit "Alte Liebe", "Der Bücherfreund" und "Die Schnupftabakdose" hatte sich die Musikwissenschaftlerin  Gedichte von Joachim Ringelnatz ausgesucht. Obwohl Ringelnatz nicht offen gegen die Nationalsozialisten Stellung bezog, und lediglich  äußerte, dass ihn der Rummel um Hitler kalt lasse, erhielt er 1933 ein Auftrittsverbot. Seine Bücher wurden verboten, beschlagnahmt und verbrannt.
Weitere Vorleser waren Dr. Winfried Müller aus Dorf Zechlin, Paul Schmudlach, ein ehemaliger Rheinsberger Schüler, der mittlerweile Neuruppiner Stadtverordneter und Kreistagsabgeordneter der Linken ist, sowie Gudrun Kurzke, eine Lehrerin aus der Prinzenstadt. Aber auch der Rheinsberger Stadtverordnete Freke Over (Linke) aus Luhme gehörte zu den Vorlesern, die Texte von Kurt Tucholsky, Erich Mühsam und Erich Kästner vortrugen, deren Werke damals ebenfalls dem Feuer zum Opfer fielen.
Bernd Donner aus Heinrichfelde berichtete anschließend über seine Begegnung mit der Kinderbuchautorin Alex Wedding. Und Heinz Karwath aus Zechlinerhütte widmete sich in seinem Vortrag Lene Voigt, einer sächsischen Poetin, deren Gedichte in Mundart ebenfalls nicht in die Ideologie der Nazis passten. Weitere Vorleserinnen und -leser waren Kirsten Tackmann, die Kabarettistin Jane Zahn, der Organisator Jürgen Neumann selbst und Ines Meyer-Kormes vom Verein Esta Ruppin, die die Veranstaltung letztendlich zu einem Erfolg werden ließen.

Bücherverbrennungen


Am 10. Mai 1933 wurden in 21 deutschen Hochschulstädten gleichzeitig Bücher verbrannt, die laut Propaganda der Nationalsozialisten einen "undeutschen Geist" haben. In einigen Städten wurde die Verbennung wegen teils starken Regens verschoben. Bis zum 19. Mai fanden achte weitere Verbrennungen statt. Die letzte Aktion dieser Art gab es am 21, Juni 1933 in Darmstadt.

Verbrannt wurden Bücher dutzender Autoren, darunter  Berthold Brecht, Erich Kästner, Albert Einstein, Alfred Döblin, Franz Kafka, Rosa Luxemburg, Heinrich und Klaus Mann, Erich Maria Remarque, Arthur Schnitzler, Kurt Tucholsky sowie Alfred und Stefan Zweig. red