"Der Name Wildnisschule mag exotisch klingen", sagt Kristin Henning, Inhaberin der Schule. Doch schon seit 20 Jahren gebe es solche Projekte. "Und es werden immer mehr, auch in Brandenburg." Klassenräume und Tafeln suchen die Schüler vergeblich. "Wir nutzen Naturräume – Wald, Wiesen, Bäche", sagt Kristin Henning, die die Schule mit Christine Schoenenberg gemeinsam aufbaut. Die beiden Lehrerinnen gehen mit ihren Schülern raus in die Natur und versuchen, sie davon zu begeistern.
Sehnsucht nach der Natur
Die Sehnsucht nach Wald, Ruhe und Natürlichkeit liegt in jedem Menschen, davon sind die beiden Frauen überzeugt. "Nur ist sie verkümmert", sagt Kristin Henning. "Wir wollen sie wieder aktivieren." Die Neugier für Dinge wecken, die eigenen Sinne trainieren: Das ist laut Christine Schoenenberg das Ziel der Molchower Wildnisschule. "Und nebenbei lernen die Schüler viel über Flora, Fauna und sich selbst", sagt sie. Die Teilnehmer versuchen beispielsweise, Feuer ohne Streichholz, Feuerzeug und Co. zu machen. "Das ist ein Erlebnis", sagt Kristin Henning. "Dafür braucht man eine bestimmte innere Haltung und Geduld."
Durch das Besuchen der Wildnisschule werde der ganze Mensch angesprochen, so die Molchowerin. Gerade bei den Kindercamps lernen die jungen Teilnehmer, was Verbindung bedeutet – zur Natur, zu sich selbst und zu anderen.  "Die Technik ist aus dem Leben heute nicht mehr wegzudenken", ist sich Kristin Henning bewusst. "Nur leider nimmt sie immer mehr Raum ein." Kinder würden mit viel Wissen, aber naturfremd aufwachsen. "Sie haben ein genaues Bild davon, wie eine Giraffe aussieht und was sie frisst, aber die Natur vor ihrer Haustür erleben sie nicht."
Camp startet am Montag
Den beiden Frauen, die sich 2013 bei der Ausbildung zur Wildnispädagogin kennengelernt haben, ist es wichtig, vor allem Kindern die Liebe zur Natur näherzubringen: "Wer sie empfindet, wird sie nicht zerstören", ist Christine Schoenenberg überzeugt.
Ab Montag startet wieder ein Kindercamp. "Wir mieten dafür von der Forst einen Platz am Rottstielfließ am Tornowsee", erklärt Kristin Henning. Immer von 9 bis 17 Uhr kommen die sechs- bis zwölfjährigen Kinder vorbei. Dann steht ihnen ein aufregender Tag bevor. Sie ziehen in den Wald, beobachten Tiere, schnitzen, bauen eine Laubhütte, suchen essbare Pflanzen und stellen auch mal Geschirr her.  "Die Eltern sprechen uns am Ende der Woche oft an und wollen wissen, was wir genau gemacht haben, weil ihre Kinder plötzlich so zufrieden wirken, weniger streiten und besser schlafen", sagt Kristin Henning. "Aber wir geben nur den Rahmen, der Rest kommt von draußen, aus der Natur."

Kurse in der Wildnisschule

Die Wildnisschule Betula hat ihren Sitz am Molchower Triftweg. Einen Kontakt für Interessierte gibt es unter 0157 54317743 oder online über die Internetseite www.wildnisschule-betula.de.

Vor allem Camps und Kurse für Kinder werden derzeit angeboten. Für sie gibt es auch Klassenfahrten und Wildnisgeburtstage. Es soll aber auch Möglichkeiten für Erwachsene geben, die Natur zu erleben. Geplant sind Workshops, Seminare und Tagesausflüge.

Waldbaden wird in Zukunft ebenfalls ein Seminar sein, das die beiden Wildnispädagoginnen anbieten. Dabei soll die Ruhe im Wald helfen, die innere Balance zu finden und Stress abzubauen.

In Japan wird dieses Waldbaden schon praktiziert. Mittlerweile gibt es solche Offerten aber auch vermehrt in Deutschland. jvo