Feuerwehrleute sind darauf angewiesen, körperlich fit zu sein. Schon im Mai 2019 war daher beschlossen worden, dass die Stadt die Kameraden dabei in irgendeiner Form unterstützen soll. Doch geschehen war seither wenig. Weil sich die ursprüngliche Idee von Gutscheinen für Fitness-Studios nicht umsetzen ließ, hatte die Verwaltung vorgeschlagen, eine Aufwandsentschädigung von zehn Euro pro Monat für jeden Kameraden zu zahlen.
Voraussetzung dafür sollte ein vorgelegter Vertrag mit einem Fitnessstudio oder einem Sportverein sein. Dass aber im Gegenzug der bisherige Bonus, der Atemschutzgeräte-Trägern gezahlt wird, ersatzlos entfallen sollte, rief am Dienstag im Neuruppiner Ausschuss für Bildung, Soziales und Ordnung viel Widerstand der Gremienmitglieder hervor.

Drei Probleme mussten gelöst werden

Vor allem Neuruppins Ordnungsamtsleiterin Annette Friedrichs sperrte sich in der Diskussion. Dabei war die Verwaltung schon auf eine Forderung eingegangen, die im Laufe des Jahres gestellt worden war. Denn aufgrund der Pandemie waren Ausbildungsstätten geschlossen worden, und Kurse fielen aus. Dadurch könnte es aber geschehen, dass Feuerwehrleute nicht auf die vorgeschriebene Zahl von 40 Ausbildungsstunden pro Jahr kommen. Das soll nun coronabedingt angepasst werden.
Das war aber nicht der eigentliche Aufreger im Ausschuss. Auch, dass die Verwaltung in ihrer Änderungsvorlage stillschweigend den Startpunkt um sechs Monate verlegt hatte, war relativ schnell geklärt. Eigentlich hätte die Satzung nämlich schon ab 1. Januar dieses Jahres gelten sollen, woraus plötzlich der 1. Juli geworden war.

Kritik an geplanter Streichung und bürokratischem Entwurf

Doch der dritte Punkt erschien in der Sitzung als Gordischer Knoten. Zum einen wollten die Stadtverordneten nicht einfach hinnehmen, dass der bisher unabhängig von der Gutschein-Idee gezahlte Bonus für Atemschutzgeräte-Träger gestrichen werden soll. Friedrichs begründete das damit, dass ja künftig alle Feuerwehrleute gefördert würden – und das sogar mit mehr Geld als bisher. Doch auch, dass das Geld an Verträge gekoppelt sein sollte, die halbjährlich überprüft werden sollten, stieß auf kein Verständnis. So fragte nicht nur Paul Schmudlach (Linke), ob denn der Zuschuss von zehn Euro pro Monat auch für die Anschaffung privater Geräte, die dem Erhalt der Fitness dienen, eingesetzt werden könnte. Die Antwort: Nein. Nur vorgelegte Verträge seien gültig. Das liege schon allein daran, dass eine Aufwandsentschädigung an einen Aufwand gekoppelt sei, der belegbar sein müsse. „Es ist ja nicht klar, dass jemand, der sich ein Laufband kauft, um zu Hause laufen zu können, das nicht auch privat nutzt“, so die Ordnungsamtsleiterin.
Auch mehrere Hinweise, dass ein Feuerwehrmann aus Gühlen-Glienicke die zehn Euro allein schon mit regelmäßigen Fahrten zum Fitnessstudio nach Neuruppin verbrauchen würde, führten zu keinem Umdenken. Dabei würde es durchaus demselben Zweck dienen, wenn sich jemand Laufschuhe kaufe und im Wald joggen gehe, argumentierte Andreas Gutteck (CDU). Er kritisierte zudem, dass die Abschaffung der fünf Euro für Atemschutzgeräte-Träger einfach „verstecktes Sparen“ sei.

Einlenken nach der Pause

Letztlich aber setzten sich die Ausschussmitglieder mit fast allen Forderungen durch. Die Satzung soll nun rückwirkend zum 1. März 2020 in Kraft treten. Trotz pandemiebedingter Ausfälle soll der Bonus weiter gezahlt werden. Atemschutzgeräte-Träger werden auch künftig fünf Euro zusätzlich erhalten. Und die zehn Euro sollen nicht an einen Vertrag gebunden sein, sondern ausgezahlt werden, sobald sich die Feuerwehrleute in einer Selbstverpflichtung erklären, die finanzielle Hilfe für die Aufrechterhaltung der körperlichen und geistigen Gesundheit einzusetzen.
Im Ausschuss ging es aber erst um die inhaltliche Ausrichtung der Änderungen. Die Verwaltung wird daraus nun eine Vorlage erarbeiten, die all diese Forderungen in die Satzung einfügen soll. Einen Beschluss dazu wird es dann im Haupt- und Finanzausschuss geben.