Die von HCN-Trainer Christian Will ausgerufenen "Wochen der Wahrheit" krönten seine Schützlinge vor 350 staunenden Zuschauern mit einer Glanzleistung. Auch wenn diese gegen einen erstaunlich harmlosen Gegner an diesem Tag gar nicht nötig gewesen wäre. Die TSG Liebenwalde, immerhin Tabellenzweiter und bisher einziger Bezwinger des HCN, war ohne ihren Kopf (Benjamin Schölzke fehlte) um mindestens eine Klasse schlechter als der Gastgeber. Für Neuruppins Trainer Christian Will war dieser Erfolg die Kür, nach den zwei Siegen über Eichstädt und Wittstock, die er als Pflicht einstufte. "Jetzt können wir den Meistersekt kalt stellen", ist für ihn die Meisterschaft so gut wie eingefahren.
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Will sah die "herausragende Abwehrarbeit als Grundlage" für den in dieser Deutlichkeit kaum für möglich gehaltenen Erfolg über das Oberhavel-Team. Nach einem Start nach Maß (4:1/8.) geriet die HCN-Deckung kaum unter Druck. Liebenwalde spielte seine Angriffe stets lange aus. "Für mich sah das so aus, als ob sie nur Zeit von der Uhr nehmen wollten. Das war erschreckend harmlos, ohne Tempo, was sie geboten haben", fasste Tony Palmowske, der kurzfristig aus dem Kader genommen werden musste (siehe Streiflicht), seine Eindrücke zusammen. Da die Neuruppiner auch TSG-Goalgetter Eric Böhm weitestgehend aus dem Spiel nehmen konnten, herrschte Tor-Armut beim Gast. Christian Lück und Tobias Schulz arbeiteten sich an Böhm, einem Koloss, regelrecht ab. Lück: "Wir hatten ihn gut im Griff." Böhm, sonst regelmäßig mit einer zweistelligen Torquote, hatte am Ende der Partie nur siebenmal getroffen. Das TSG-Team im ersten Durchgang insgesamt gar nur viermal. Beim Stand von 10:3 für den HCN nahm Gäste-Coach Marc Stegemann eine Auszeit (22.). An dieser Stelle jubelten die Hausherren zum ersten Mal, weil sie wussten, die Vorentscheidung früh herbeigeführt zu haben. Die Gäste waren so harmlos, dass sie selbst eine zweiminütige Überzahl mit 0:2 Toren abgaben. Weil die Neuruppiner jeden noch so kleinen technischen Fehler bestraften, deutete sich zur Pause bereits ein Debakel für den Tabellenzweiten aus Oberhavel an.
Im zweiten Durchgang schalteten die Gastgeber keineswegs einen Gang runter. Dieses Mal gab es trotz erneuten Anschmeißens der Rotationsmaschine keinen Bruch im HCN-Spiel - 19:7 (38.), 22:9 (44.), 27:12 (52.), 31:13 (58.). William Kehnscherper als Wurf-Ass aus dem Rückraum und Torwart Dennis Plötz drückten der zweiten Halbzeit ihren Stempel auf. Plötz, der vor einer Woche in Oranienburg als Reserve-Keeper auf der Bank blieb, griff nun erstmals nach neunmonatiger Verletzungspause wieder aktiv ein. Und wie. Er kam in der 48. Minute aufs Feld und brachte fortan mehrfach rettend den Fuß oder die Hand an den Ball. "Ich war selbst überrascht, dass ich ran durfte. Aber es ist schön, wieder auf der Platte zu stehen. Nach den paar Minuten bin ich schon wieder Feuer und Flamme", strahlte der Routinier bis über beide Ohren.
30 Sekunden vor dem Ende stand die HCN-Bank geschlossen auf, hüpfte, sang und bejubelte wenig später mit den Teamkollegen unter dem Applaus der Fans ihr höchstwahrscheinliches Meisterstück. In Finowfurt (20. März) oder am 2. April daheim gegen Bernau könnten die Sektkorken schon knallen.
HCN: Kröcher, Plötz - Schulz (3), Kehnscherper (8), Simon (2), Koall (1), Lück (5/2), Lehmann (2), Wolf (5), Engelhardt, Hecht (5), Dau, Krause (1)
Liebenwalde: Eckner - Böhm (7), Limpak (1), Lahl, Ernst, Fledrich, Kersten (2), Roy (1), Christahl (1), Borchert, Skrzypiec, Kühn
Euphorie pur: Die letzten Sekunden der Partie genoss die HCN-Bank mit 350 applaudierenden Zuschauern im Rücken mit Begeisterung. Neuruppin fegte Liebenwalde regelrecht aus der Halle. Weitere Bilder auf www.moz.de/regionalsport.Fotos (2): Gunnar Reblin
Kaum zu halten: Christian Lück umklammert Eric Böhm.