Frau Mielke, ist die Rückennummer 18 bei den Handballerinnen in Verbindung zu bringen mit Ihrem baldigen Alter?
Nele Mielke: Nein. Ich kam ja erst frisch zur Unioner Mannschaft. Die 18 war halt frei. Als Juniorin hatte ich die 5, die war bei den Frauen aber belegt. Am liebsten wäre mir die 35, das ist die Nummer von meinem Idol. Kentin Mahé, er spielt für den ungarischen Verein KC Veszprem. Ich mag seine Art, seine Erscheinung, sein ganzes Wesen.
Sie erinnern sich noch an die letzte Stunde regulären Unterrichts?
Das war Geografie. Als Thema stand Naturraumanalyse an. Es gab Vorträge, die als gezielte Vorbereitung auf die Prüfungen dienten. Meinen Vortrag hatte ich aber schon ein paar Wochen vorher gehalten.
Wie viele Punkte erhielten Sie?
13.
Wie sahen die vier Wochen seit dem Unterrichtsabbruch aus, schulisch und sportlich?
Bio bedeutet, es ist das Fach mit der vielleicht umfangreichsten Prüfung. Es ist eine hochintensive Zeit unter anderem mit Lernvideos auf vielen Kanälen. Viel genutzt wird die Cloud unserer Schule. Lehrer sind kontaktiert worden. Es lief so lala. Aus sportlicher Sicht gab es Video-Chats mit den Unioner Frauen, ich war Joggen oder zog allein ein Workout durch. Aber das war es schon.
Entdeckten Sie neue Interessen beim riesigen Sportangebot im Internet?
Am ehesten zählt ein Workout Tanzen dazu, das ist mal etwas anders aufgebaut. Aber intensiv habe ich mich nicht damit beschäftigt.
Hat die Politik mit den erheblichen Einschränkungen übertrieben?
Naja, die ersten Anzeichen waren ja früh da. Wir haben immer gehofft, dass wir den Unterricht bis zum letzten Tag nutzen können. Ich vermisse ein, zwei Unterrichtseinheiten, um bei den Lehrern nachzufragen. Das wäre wirklich toll gewesen. Beispielsweise bei dem ausgefallenen Experiment, wo zwingend der Kontakt zum Lehrer nötig ist. So aber hat jeder von uns es in eigener Hand. Dennoch fühle ich mich gut vorbereitet, weil ich sagen kann: Was möglich ist, das habe ich gelernt. Die Zeit zum Verinnerlichen hatte ich ja.
Befürchten Sie Nachteile, wenn es plötzlich doch noch zum Durchschnittsnoten-Abi kommen sollte?
Sicherlich wäre es für uns entspannter. Aber dann würde an unserem Jahrgang immer kleben, dass wir das Abi zur Corona-Zeit gemacht hatten. Man wäre abgestempelt.
Wie geht es nach dem Abi weiter?
In dieser Woche hatte ich einen Vorstellungstermin für den gehobenen Dienst bei der Polizei. Der lief gut. Es kann aber auch sein, dass ich ein Freiwilliges Soziales Jahr ranhänge oder ein IT-Studium beginne.
Die Grenzen im persönlichen Leben sind in dieser Woche nicht aufgehoben worden. Welche Ereignisse Ihrer Freizeit wackeln?
Natürlich unser Abi-Ball. Es steht in den Sternen, ob wir ihn nachholen. Aber: Es gibt wirklich Wichtigeres als eine Feier.
Welches Motto ist angesetzt?
Die Goldenen Zwanziger (ihr misslingt, das Schmunzeln zu unterdrücken). Wir wollten nach Novalja und mit Freunden nach Italien. Letzteres klappt wohl nur noch, wenn wir das ganz spontan mal hinbekommen.
Und was fiel Corona aus Sicht der Handballerin zum Opfer?
Das Trainingslager mit Union war ja schon im Januar, daher fehlen nur die letzten Spiele in dieser Saison.
... in der Union hinter den Erwartungen zurückblieb!
Ich denke, die beiden ganz schweren Verletzungen von Antonia Köhler und Jasmin Ewald trugen maßgeblich dazu bei, dass es nicht lief. Das hat uns echt runtergezogen.
Bleiben Sie dem Handball über den Sommer hinaus erhalten?
Davon gehe ich aus. Nehme ich die Ausbildung bei der Polizei auf, dann steht wohl als erstes die Wohnungssuche in Berlin an. Aber das Pendeln nach Neuruppin würde klappen. Das schaffen andere auch. Allerdings weiß ich nicht, inwieweit die Ausbildung mich in Anspruch nehmen wird. Was ich weiß, ist jedoch, dass wir bei Union eine super Mannschaft haben.

Zur Person

Nele Mielke ist ein Eigengewächs des SV Union und hat den Verein nie gewechselt. Sie ist mit 17 Jahren die Jüngste im Neuruppiner Verbandsliga-Team. Sie kommt trotz Rechtshand auf Rechtsaußen zum Einsatz.  "Das ist schon sehr ungewöhnlich, da freut man sich noch mehr, wenn man trifft", sagt sie. "Ich mag das schnelle Spiel, das kommt mir entgegen." In den frühere Teams  bei den Juniorinnen war sie im Rückraum entweder zentral oder links zu finden – bei den Frauen I nun in neuer Rolle. Im Team II (Kreisunion) wird Nele Mielke dagegen im Rückraum eingesetzt.

Ihre Mannschaft kommt als Tabellenvierte (von elf) aus der abgebrochenen Saison. Der Rückstand auf Spitzenreiter Grünheide beträgt sieben Punkte. Sechs Partien wären noch auszutragen gewesen.

Sie wurde in elf Punktspielen eingesetzt und erzielte darin 16 Treffer. Spitzenwerte in ihrer Mannschaft halten Linksaußen Katharina Bremer (60) sowie die Rückraumspielerinnen Ariane Neumann (43) und Franziska Lieske (42.). maha