Bilder vom Alltag
"Es gibt ja viele Fotos aus dieser Zeit, die das Militär beim Exerzieren  zeigen oder Fotos von Gruppen von jungen Männern in Uniformen", sagt Museums-Leiter Andreas Bödecker. Sein Haus interessiert sich aber vor allem  für Aufnahmen, die das ganz private Leben der Menschen in der Region dieser Zeit dokumentieren. "Wir wollen die damaligen Lebensverhältnisse zeigen und nicht unbedingt, die der Reserve. Wie haben die Menschen damals gearbeitet? Wie sah ein Waschtag um 1900 und die Kindheit in der Kaiserzeit aus?", so Bödecker, der überzeugt davon ist, dass in vielen Haushalten noch ein paar Schätze in Formen von Alben oder auch uralten Glasplatten-Negativen schlummern.
Politik im Kinderzimmer
Viele Familien erinnern sich wahrscheinlich an Aufnahmen, die ihren Ur- oder Ur-Ur-Großvater als Kind in Matrosenuniform zeigen. Die kleinen Anzüge waren etwa von 1870 bis 1930 modern und wurden den kleinen Jungen bei verschiedenen Anlässen angezogen. "Das war auch die Zeit, in der die Politik in das Kinderzimmer eingezogen ist", sagt Bödecker. Diese Kinderanzüge waren ein Zeichen der Verbundenheit der Familien zur kaiserlichen Flotte beziehungsweise zur Marine. Überhaupt habe das Militär in dieser Zeit eine wichtige Rolle gespielt. "Damals dauerte der Wehrdienst drei Jahre und danach war man noch vier Jahre in der Reserve", sagt Bödecker. Das habe natürlich die Gesellschaft geprägt, was sich auch in vielen Aufnahmen aus dieser Ära widerspiegelt. Die militärischen Ansprüche aus dieser Zeit an Pflicht, Loyalität und Gehorsam hätten aber auch die wirtschaftliche Entwicklung dieser Zeit begünstigt, da viele große Unternehmen auch nahezu militärisch organisiert gewesen seien. Bödecker und das Museum sammeln schon lange alte Aufnahmen dazu. "Wir haben sogar Fotos von dem Dachboden, auf dem von Henkel Persil erfunden wurde", sagt er. Dazu gibt es auch noch Aufnahmen von Bayer (Gründung: 1863), Siemens (1847) und BASF (1865). Die Ausstellung mit den Bildern wird laut Bödecker 2021 gezeigt und den Titel "Kindheit im Zeitalter der Industrialisierung – Nicht immer ein Kinderspiel" tragen. Er sei gespannt, welche Fotos Familien der Region noch haben. Das Museum selbst hat erste Bilder, die Alt Ruppin, die Lanke aber auch das Café Langermann zeigen, in dem sich heute das Restaurant "Rosengarten" befindet. Mit seiner Sammlung will das Museum ein möglichst vielfältiges Bild der Kaiserzeit in zeitgenössischen Aufnahmen – und nicht nur mit den bekannten offiziellen Fotos – vermitteln. Die privaten Fotos wird das Museum laut Bödecker einscannen und natürlich zurückgeben. Gleiches gilt für Glasplatten-Negative, von denen das Museum Abzüge erstellen lassen wird.
Kontakt: Telefon: 033925 70798