Die Idee dazu geht auf Temnitz-Amtsdirektor Thomas Kresse zurück. Als er in der Zeitung las, dass Atotech die Berliner Charité mit Desinfektionsmitteln versorgt (wir berichteten), kam ihm die Idee, zu fragen, ob nicht auch die Kommunen beliefert werden könnten. Die Regionalentwicklungsgesellschaft Nordwestbrandenburg (REG) fädelte letztlich alles ein. Wie Atotech-Werksleiter Christian Wunderlich sagte, ist schon für die Versorgung der Berliner Uniklinik zum Teil die Produktion umgestellt worden. Atotechs Kerngeschäft liegt in der Entwicklung und Herstellung von chemischen Lösungen zur Oberflächenbeschichtung und dem Anlagenbau für die Verbraucherelektronik, die Automobilindustrie und weitere Branchen. Laut Wunderlich ist das Unternehmen einer der Weltmarktführer. In nahezu jedem technischen Produkt befänden sich Teile, die von Atotech hergestellt werden. Am Temnitzer Standort werden rund 60 Mitarbeiter beschäftigt. Die Produktion auf Desinfektionsmittel umzustellen, sei nicht schwer gewesen. Es gab bereits einen Raum, der dafür ausgestattet war, brennbare Flüssigkeiten abzufüllen. Es musste nur noch eine Ausnahmegenehmigung von der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin her. Diese liegt bis Ende Oktober vor.
Zusage von Großhändler
Schwieriger sei es laut Wunderlich anfangs gewesen, einen der Ausgangsstoffe für Desinfektionsmittel zu bekommen. Zu Beginn der Corona-Krise sei das aufgrund der hohen Nachfrage sehr schwer gewesen, sagt REG-Geschäftsführer Christian Fahner. Mittlerweile habe sich der Markt aber wieder beruhigt. Atotech bezieht nun Ethanol von einem Berliner Großhändler. "Wir haben von unserem Lieferanten die Zusage, dass wir bis Oktober monatlich 2 000 Liter bekommen", so Christian Wunderlich. Die im Temnitzpark hergestellte Mischung wurde in Absprache mit dem Gesundheitsamt des Kreises vor der Auslieferung nochmals im Labor analysiert, ob sie den Vorgaben der Weltgesundheitsorganisation entspricht.
Ausgeliefert werden die Flüssigkeiten in Kanistern zu 20 und vier Litern. Zum Umfüllen in Handspender liegen Aufsetzstutzen mit bei. Als Vertreter der Kommunen nahmen am Mittwoch die Bürgermeister von Neuruppin und Wittstock, Jens-Peter Golde (Pro Ruppin) und Jörg Gehrmann (parteilos) sowie der Temnitzer Amtsdirektor Thomas Kresse die erste Fuhre entgegen. In erster Linie soll damit ein sicherer Betrieb in den Kitas, Schulen und Rathäusern, die in absehbarer Zeit wieder mehr Publikumsverkehr erwarten, gesichert werden. Nachrangig sollen auch andere öffentliche Einrichtungen wie Museen oder Bibliotheken versorgt werden. Gehrmann lobte Kresse dafür, die Kooperation angestoßen zu haben. "Der Ball lag da. Du hast ihn aufgenommen und ins Tor geschossen", so Gehrmann zu seinem Amtskollegen. Auch Golde lobte die Zusammenarbeit. "Das ist eine gute Botschaft, die ihresgleichen sucht."
Thomas Kresse geht davon aus, dass die Desinfektionsmittel eine Weile benötigt werden. "Auch wenn langsam Lockerungen vorgenommen werden: Abstands- und Hygieneregeln werden uns noch sehr lange begleiten."

Desinfektionsmittel

Handdesinfektionsmittel töten je nach  Präparat Keime wie Bakterien, Pilze und Viren ab.

Hauptinhaltsstoff sind Alkohole wie Ethanol, 1-Propanol oder 2-Propanol. Der Alkoholanteil variiert zwischen 60 und 95 Prozent.

Weitere Inhaltsstoffe sind Antiseptika wie beispielsweise Chlorhexidin, Sporizide, um Bakteriensporen abzutöten, Emollientien und gelbildende Mittel, um die Haut zu schützen, und in kleineren Mengen auch destilliertes Wasser. red