Die Geburtenrate des selbst ernannten Herrenvolkes sank so rapide wie in keinem anderen europäischen Staat. Der „Reichsführer-SS“, Heinrich Himmler, glaubte an 800 000 Abtreibungen im Jahr. Und schuld seien die gesellschaftlichen Repressalien, denen sich ledige Schwangere nicht aussetzen wollen, so seine Logik. Die Niederkunft solcher Frauen müsste deshalb gefördert werden – in Lebensbornheimen.
Das Heim „Kurmark“ stand in Klosterheide. Es gehörte einer Berliner Ortskrankenkasse.
Am 1.April 1937 pachtete der Verein das Haus für seine Zwecke – für 12 000 Reichsmark im Jahr. Fünf Monate später wurde der Betrieb aufgenommen. Das Heim wurde „Kurmark“ genannt. In Werbebroschüren für den Lebensborn ist auch nur dieser Name zu lesen. Wo „Kurmark“ liegt, sollte in der Öffentlichkeit niemand erfahren.
So schön der Ort für die Zwecke des SS-Vereins schien: Es wurde eine teure Angelegenheit. Jahrelang drängte der Lebensborn die Ortskrankenkasse, ihm das 30 Hektar große Gelände zu schenken. Obwohl Himmler diesbezüglich sogar das Reichsarbeitsministerium scharf machte, blieb das erfolglos.
1939 rang sich die Kasse durch, dem Verein das Heim für den „Vorzugspreis“ von 273 000 Mark zu verkaufen. Eine zusätzliche Baracke und andere Umbauten kosteten überdies 245000 Mark.
Angesichts dieser Summen gilt das Klosterheider Heim als teures Unterfangen für den Lebensborn-Verein.
Allerdings sind auch Dokumente erhalten, wonach es weit weniger Betriebskosten verursachte als andere. Der Grund ist einleuchtend: Mit nur 23 Mütterplätzen war es das kleinste der neun Heime.
Betrieben worden ist das Heim bis September 1944. Während dort Mütter umsorgt worden sind, brachte Himmlers SS an anderer Orten zahlreiche Kinder um.