Aufgrund der Corona-Krise war die offizielle Auswertung des vergangenen Jahres erst jetzt möglich. Zudem war der alte Kreisbrandmeister, Wolfgang Hohenwald, im Dezember in den Ruhestand verabschiedet worden, jedoch der neue Amtsinhaber erst auf der letzten Kreistagssitzung Ende Mai vorgestellt worden. "Für mich war die neue Aufgabe nicht ganz so aufregend, da ich ja bereits neun Jahre als Stellvertreter tätig war." Er habe lediglich seine Denkweise ändern müssen, so Olaf Lehmann, der hauptberuflich als Ausbilder bei der Polizei arbeitet und den Posten nur ehrenamtlich inne hat. Einen wirklichen Feierabend gibt es jetzt nicht mehr für ihn, da er die Verantwortung trage. "Das ist ein höherer zeitlicher Aufwand. Ich musste diesen mit meiner Familie koordinieren und bin froh drei Stellvertreter zu haben."
Deren Aufgabengebiete wurden jetzt aufgeteilt. So ist Ralf Leppin aus Neuruppin für den Bereich der Aus- und Fortbildung zuständig. Der zweite Stellvertreter Mathias Herzberg aus Rheinsberg kümmert sich um die sogenannten kreislichen Einheiten wie beispielsweise die zwei Waldbrandverbände, den Gefahrgutverband und die Brandschutzeinheit, die zu Einsätzen in ganz Brandenburg ausrücken kann. Steffen Müller aus Wittstock ist jetzt der Verantwortliche für das Einsatzgeschehen.
Insgesamt gab es 2019 in den zehn Feuerwehren der Städte, Ämter und Gemeinden im Kreis 1 789 aktive Mitglieder. Das ist im Vergleich zu 2018 ein Anstieg um 13 Kameraden. "Die Triebe wachsen wieder", freut sich Olaf Lehmann. "Das ist erstmals seit vielen Jahren ein Plus." Auch 245 Frauen sind in den Wehren aktiv und damit 15 mehr als noch im Jahr zuvor. Mit 268 aktiven Kräften ist die Feuerwehr der Gemeinde Fehrbellin die mitgliederstärkste Einheit. Sorgen bereiten dem Kreisbrandmeister hingegen die Mitgliederzahlen in Lindow, Wusterhausen und Kyritz.
Besonders in Kyritz seien die Zahlen beängstigend, betont der Kreisbrandmeister, der selber zu dieser Wehr gehört. "Die Untergrenze ist eigentlich schon überschritten." Doch noch funktioniere die Arbeit als Stützpunktfeuerwehr in Kooperation mit den Nachbarkommunen. Eine Ursache für diese erschreckenden Zahlen kann Olaf Lehmann nicht benennen. Die Einwohnerzahl von Kyritz an sich sei schon gering, so Lehmann. Doch die Feuerwehr dort versuche alles, um Mitglieder zu werben. Und auch die Stadt sei bemüht, bei Neueinstellungen auf einen Bezug zur Feuerwehr zu achten. Aktuell seien rund zehn Mitarbeiter der Verwaltung auch Mitglieder der Feuerwehr, die tagsüber bei Einsätzen ausrücken können.
Insgesamt wurden die Wehren im vergangenen Jahr 1 196-mal alarmiert. Das sei ein durchschnittliches Jahr, erklärte der Kreisbrandmeister. Lediglich 2017 mussten die Kameraden zu rund 1 900 Einsätzen deutlich öfter ausrücken. Den Großteil der Alarmierungen machten auch 2019 die Hilfeleistungen aus: In 683 Fällen mussten die Feuerwehren zu Verkehrsunfällen, Türnotöffnungen, Gefahrgutunfällen sowie zur Tierrettung losfahren. "Dabei wurden 108 Menschen gerettet", berichtet Olaf Lehmann. 16 Personen konnten bei derartigen Einsätzen jedoch nur noch tot geborgen werden.

83 Menschen gerettet

240-mal war ein Brand der Einsatzgrund. "Großeinsätze gab es 2019 vier", so Lehmann und zählt das Feuer im Gerätehaus in Wusterhausen, in einer Putenmastanlage bei Neustadt, in einer Scheune in Fehrbellin sowie einen Dachstuhlbrand in Neuruppin auf. "Wir konnten bei den Bränden 83 Menschen retten." Eine Person wurde tot geborgen.
Deutlich zurück ging 2019 die Zahl der Fehlalarme von 323 auf nun 273. 155-mal gab es blinden Alarm, 116 war eine defekte Alarmanlage der Auslöser und zweimal wurde böswillig die Feuerwehr gerufen. "Die einsatzreichsten Monate waren von Juni bis September", so das Fazit des Kreisbrandmeisters.
Damit die Einsatzkräfte möglichst gut ausgebildet sind, belegten 540 Kameraden Lehrgänge auf Kreisebene und 62 Feuerwehrleute auf Landesebene in der Landesfeuerwehrschule in Eisenhüttenstadt. "Die Lehrgänge wurden von 21 Kreisausbildern an den Wochenenden durchgeführt. Jeder Ausbilder leistete dabei 2019 rund 1 550 Stunden zusätzlich zu den Einsätzen und Ausbildungen in ihren Feuerwehren." Einmal jährlich muss zudem jeder Atemschutzgeräteträger – von 760 ausgebildeten sind aktuell 569 einsatzbereit – einen Übungslauf in Kyritz absolvieren. Dieses hohe Ausbildungsniveau möchte Olaf Lehmann aufrechterhalten und ist deshalb froh, dass seit 14 Tagen bei den Wehren die Ausbildung – empfohlen wurde eine maximale Gruppenstärke von zehn Personen – unter Einhaltung der Abstands- und Hygieneregeln – wieder möglich ist. "Das ist notwendig, um zu verhindern, dass eine Feuerwehr wegen eines Coronafalls nicht mehr einsatzfähig ist."