"Jetzt hat uns nichts mehr gehalten", sagt Uta Bartsch, eine der Organisatorinnen. Großveranstaltungen sind nach wie vor untersagt. Doch Kultur im kleineren Kreis und unter freiem Himmel ist wieder erlaubt. Seit Wochen sind die Macher der Festspiele, die in den September verschoben wurden, nun schon mit umplanen, verschieben, abstimmen und stornieren beschäftigt. Die Lesungen sollen auch ihnen mal ein kleines Verschnaufen bringen.
Die 1920er-Jahre als Thema
Los geht es an diesem Sonntag, 21. Juni, um 15 Uhr unter der großen Friedenseiche am Schinkeldenkmal. Das Motto des Nachmittags lautet "Tanz auf dem Vulkan". Die Schauspieler Angela Hundsdorfer und Hans Machowiak bereiten das Programm für diesen Tag vor. Im Fokus stehen die goldenen 1920er-Jahre. Werke von Kurt Tucholsky, Erich Kästner, Mascha Kaleko oder Vicki Baum sind zu hören. Ruppiner Kulturinteressierte mögen sich an Hundsdorfer und Machowiak erinnern: Beide waren im Fontanejahr bei der Inszenierung "Effi in der Unterwelt" dabei. "Im Anschluss würden es die Besucher auch zur ,Flötenvesper zum Wichmannjahr’ zur Klosterkirche schaffen, die dort um 17 Uhr beginnt", so Uta Bartsch.
Zum Termin wird das Festspiel-Team die eigenen Bänke dabeihaben. "Die Leute können aber Decken, einen Klappstuhl und auch ein Picknick mitbringen", so Bartsch. Teilnehmer müssen sich in eine Namensliste eintragen.
Alles dreht sich um Fontane
Am Sonntag, 28. Juli, ab 15 Uhr dreht sich auf dem Niemöllerplatz direkt hinter der Neuruppiner Klosterkirche dann alles im Fontane und seinen "Schach von Wuthenow". Hans Machowiak liest aus diesem Werk. Es geht um die Affäre des Rittmeisters Schach von Wuthenow mit der verwitweten Frau von Carayon und deren Tochter Victoire. Machowiak hat jede Menge Erfahrung mit Fontane, seinem Leben und seinem Werk: Er wird – wie schon 2019 – in diesem Jahr wieder bei den Fontane-Festspielen einige die literarischen Stadtspaziergänge begleiten, kündigt Uta Bartsch an.
Jugendliteratur gibt’s auch
Die Lesungen enden am Sonntag, 5. Juli, ab 15 Uhr mit einem Programm für Jugendliche und ältere Kinder: Die Autorin Grit Poppe hat laut Uta Bartsch in diesem Jahr zwei neue Bücher veröffentlicht. Vorstellen konnte sie diese noch nicht. Daher erwartet die Ruppiner eine echte Premiere, wenn Poppe am 5. Juli auf dem Kirchplatz am Schinkeldenkmal "Alice Littlebird" präsentiert. Bei der Veranstaltung handelt es sich um eine Familien-Ferienlesung, betont Bartsch. Die Handlung des Jugendbuches spielt in Kanada. Ein Mädchen vom Volk der Cree, das von seiner Familie getrennt wird, kommt in die Black Lake Residental School. Dort verliert es alles: seine Kleider, seinen Namen, seine Identität. Eine Mischung aus historischem Roman und Abenteuergeschichte für Kinder ab elf Jahren ist angekündigt. Auch für Eltern, Geschwister und Großeltern ist die Veranstaltung etwas.
Den Festspiel-Organisatoren ist es wichtig, die derzeit noch überschaubaren Kulturangebote zu verbinden: An allen drei Sonntagen könnten die Lesenachmittage mit weiteren Veranstaltungen verknüpft werden. Die Klosterkirche lädt zu "Orgel punkt Zwölf" ein, die Galerie am Bollwerk sonntags von 12 bis 16 Uhr zur Ausstellung "Radierungen und  Skulpturen von Bernd Weimar" und das Museum immer von 11 bis 16 Uhr zur Schau "Faszination Alhambra" über den Architekten Carl von Diebitsch. "Auch die Fahrgastschiffe sind unterwegs", so das Festspiel-Team.

Drei Sonntag, drei Veranstaltungen


Die Lesungen finden am kommenden Sonntag auf dem Kirchplatz, am 28. Juni auf dem Niemöllerplatz und am 5. Juli wieder auf dem Kirchplatz statt, Beginn ist jeweils um 15 Uhr. Der Eintritt ist frei. Decken, Stühle und ein Picknick können mitgebracht werden.

Nähere Informationen gibt es im Internet unter www.fontane-festspiele.com oder per Telefon unter 03391 6598 198. red