Kultur kostet. Dass dieser Bereich wenig Geld einbringt, dürfte den meisten Menschen klar sein. Doch der Neuruppiner Stadtverordnete Siegfried Wittkopf (BVB/Freie Wähler) will das im Fall des Museums Neuruppin nicht einfach unkommentiert hinnehmen.
Der Anlass zur Diskussion im jüngsten Neuruppiner Sozialausschuss war eigentlich ein freudiger: Das Neuruppiner Museum bekommt eine neue Benutzungs- und Entgeldordnung. In dieser wird auch das neue Kombiticket enthalten sein. Dieses ermöglicht es Besuchern, mit einer Eintrittskarte nicht nur die Neuruppiner Einrichtung, sondern auch die Museen in Wustrau und Rheinsberg zu besuchen (wir berichteten). Einen Monat lang wird dieses Ticket gültig sein. Es soll neun Euro kosten.

Kosten für das Museum besorgniserregend

Der Stadtverordnete Siegfried Wittkopf sieht die neue Ordnung fürs Museum nach eigenen Angaben „als Fortschritt“. „Aber was die Kostenentwicklung betrifft, muss heute schon etwas dazu gesagt werden“, sagte er. Bei der bald startenden Haushaltsdiskussion werde die Kultureinrichtung sowieso Thema sein. Die Gesamtkosten fürs Museum in den Jahren 2017/2018 haben laut Wittkopf noch bei rund 783.000 Euro gelegen. Für 2020/2021 rechnet die Verwaltung mit Gesamtkosten von 1,176 Millionen Euro. „Wir müssen die Gesamtkosten im Auge haben“, plädierte Wittkopf. Die Steigerung liege bei über 40 Prozent.
Bei einem Kulturbetrieb wird auch gerechnet, wie hoch die Kosten für einen Besucher sind: Bei 93,60 Euro habe der Wert vor zwei Jahren gelegen, erklärte Wittkopf. Nun sind es 229,14 Euro. Dazu käme, dass die Besucherzahlen stagnieren. Wobei Wittkopf das große Fontanejahr außen vor ließ, das mit 35.533 Gästen im Jahr 2019 ein starker Ausreißer nach oben war. Der Plan der Stadt Neuruppin für 2020 ist angesichts der langen Corona-Zwangspause nicht sehr optimistisch: Die Verwaltung rechnet damit, dass rund 2880 Gäste am Ende gezählt werden. Der Plan für 2021 sieht dann wieder 7390 Besucher vor.

Zur Zukunft des Museums in Neuruppin

„Man muss irgendwann zu dem Gedanken kommen: Wo soll es hingehen?“, sagte Wittkopf. „Das kann so nicht weiterlaufen.“ Die Attraktivität des Museums sei gegeben. Der Abgeordnete bezeichnete es gar als „wunderschön“ und als „Aushängeschild“. „Aber die Kosten – und das sind immerhin freiwillige Leistungen – sind in dieser Größenordnung nicht weiter steigerbar.“
Wirklich diskutieren wollte an diesem Sitzungsabend niemand mit Siegfried Wittkopf. „Es ist schwer. Das Museum kostet Geld, Kultur kostet Geld“, sagte der Ausschussvorsitzende Michael Bülow (SPD).