Seit 100 Jahren gibt es den Rheinsberger Arbeitergesangverein „Vorwärts“ nun schon. Doch durch die Corona-Pandemie fand sich bisher noch keine Gelegenheit, dieses Jubiläum zu feiern. Am 11. September wollte die Sangesgruppe nun ihr erstes Konzert überhaupt in diesem Jahr geben. Weil einen Tag später auch das Folkfest stattfindet, beschloss der Verein kurzerhand, sich dort mit einzuklinken. Der Chor wird nun den Auftakt zu dem kleinen Festival geben.
„Das passt uns sehr in den Kram. Wir sind froh, dass wir da mitmachen dürfen“, sagt Dirigent Siegfried Schweitzer. Der 78-jährige Chorleiter ist selbst seit 48 Jahren Mitglied des Arbeitergesangvereins. Die Sänger versuchen seit einiger Zeit vermehrt, gemeinsam mit jüngeren Musikern in Rheinsberg aufzutreten. „Unsere Mitglieder sind im Durchschnitt sehr alt, deshalb wollen wir Nachwuchs gewinnen“, so Schweitzer. Derzeit hat der Verein nur 26 aktive Sänger. Zu Spitzenzeiten waren es mehr als 40. Deshalb tritt der Chor auch schonmal bei Events wie dem „Rock am Rhin“ auf. „Erst hatten wir etwas Angst vor den jungen Leuten. Aber wir wollen den Kontakt halten, weil uns die Jugend fehlt“, so Schweitzer.

Zwei Jubiläen

Neben dem Gesangsverein feiert auch der Förderverein Kinder- und Jugend-Musik (KiJuMu) ein Jubiläum: Er ist vor 25 Jahren gegründet worden. Weil dieser Anlass bisher auch nicht gefeiert werden konnte, hängt sich der Verein ebenfalls an das Folkfest. Der Vereinsvorsitzende Jan Dayß gehört ohnehin zum Organisatoren-Team des Folklore-Festivals, das ursprünglich zu Pfingsten stattfinden sollte. Bei der Vorbereitung mussten die Corona-Auflagen beachtet werden. „Weil wir auf dem Kirchplatz spielen, können wir die Abstandsregeln einhalten und die Leute brauchen keine Masken zu tragen“, so Dayß. Angemeldet hat er 300 Besucher. Die gültigen Corona-Auflagen würden bis zu 1000 Gästen zulassen. Zwar stellen die Veranstalter keine Stühle auf den Platz. „Wer sich einen klappstuhl mitbringen möchte, kann das aber gerne tun“, so Dayß.

Abstand beim Auftritt des Chors

Im Übrigen wird auch der Chor bei seinem Auftritt Abstand halten. „Das ist für uns ein Novum. Die Sänger hören sich so viel mehr selbst. Auch der Klang des Chores verändert sich dadurch“, sagt Siegfried Schweitzer. Nachdem der Chor aufgetreten ist, wird die Band „Quietschfidel“ auf der Bühne stehen. Neben Dayß gehören zu dieser Formation die Rheinsberger Markus Kersten, Erik Kurzke, Lothar Duman und Annett Lattke, die allesamt im KiJuMu sind. Die Musiker haben sich der Folklore aus ganz Europa sowie aus Nordamerika verschrieben. Ihr Auftritt wird flankiert von einem Gastspiel des Bläserensembles der Waldorfschule Seewalde. Zudem werden zwei Geigenschülerinnen Lattkes die Möglichkeit für einen Auftritt erhalten.

Swing und Schlager

Die Berliner Band „Die Railers“ spielt „Old-Time“. „Das ist ein ganz eigener Stil, ein wenig mit Swing angehaucht“, erklärt Dayß. Der Kontakt zu dieser Gruppe enstand, weil sie ihre Instrumente in Dayß Geigenbau-Werkstatt einstellen ließen. „Dann hat sich das so ergeben“, sagt er. Zu guter Letzt werden „Die Couchies“ mit Swing und Schlagern aus den 1930er-Jahren zu hören sein. Besuchern des Folkfestes dürfte die Band nicht unbekannt sein, war sie doch vor zwei Jahren schon einmal dabei.
Der Eintritt für das Open Air ist komplett frei. „Das ist möglich, weil der KiJuMu für eine Großveranstaltung zum Jubiläum einen Zuschuss erhalten hat.Wir haben außerdem noch Spenden und einen Förderpreis bekommen“, so Dayß. Dem doppelten Jubiläum steht also nichts mehr im Weg.