Löber mag an dieser Interaktion vor allem den leichten Einstieg. "Man muss keine Angst vor dem weißen Blatt Papier haben", sagt er. Stattdessen suchten sich die vor allem jüngeren Kunstschaffenden das heraus, was ihnen geeignet schien. Am Ende des Prozesses entstanden so in Molchow metallene Tiere, Lokomotiven, fantastisch anmutenden Maschinen oder einfach nur kreative Sammelsurien. "Es muss nichts sein, es ist Kunst", erklärte zufrieden beispielsweise die sechsjährige Luise. Sie ließ sich bei den zwei kleinen Werken, die nach ihren Anweisungen geschweißt wurden, einfach davon leiten, was wo hinpasst, berichtete sie.
Löber agiert bei der Aktion einerseits als der Erfüllungsgehilfe. "Ich bin der, der berät und die Arbeit vollendet", sagt der Künstler. Andererseits hat er die Freude mitzuerleben, was andere in den von ihm mitgebrachten Elementen entdecken: "Jeder, der mitmacht, entscheidet selbst, was für ihn trägt."
Echte Unikate
Und so entstanden Stück für Stück aus Schrott Kunst-Unikate. Wobei Löber das Wort "Schrott" gar nicht unbedingt verwenden würde, auch wenn viele Metallteile auf Schrottplätzen von ihm aufgelesen wurden. "Es ist wie ein Strom von Dingen", sagt Löber, von dem er und das jeweilige Gegenüber sich leiten lassen. Von der Beschäftigung verspricht er sich auch einen langfristigen Effekt für diejenigen, die mit ihm zusammen gestalten. "Es ist wie künstlerische Grundbildung. Ich hoffe, dass jeder danach einen größeren Horizont für Gestaltung, die Umwelt und Materialien hat." Der Mobile Kunstraum, mit dem Löber durch die Lande zieht, ist dabei nicht auf Metall reduziert.
Den gesamten Nachmittag in Molchow über verbrachte Löber so mal am Tisch mit den Bestandteilen, im Gespräch mit den Hobbykünstlern und dann wieder hinter der Sichtblende, die dafür sorgte, dass die hellen Lichtblitze, die beim Schweißen entstehen, keine Schäden bei den Teilnehmern verursachen.
Es war bereits die dritte Station des "Kunst am Anger"-Projekts, das noch bis ins nächste Jahr hinein durch die Neuruppiner Ortsteile ziehen wird, wie Cornelia Lambriev-Soost berichtete. Dabei sind weitere Aktionen in Molchow geplant. So soll im September beim Basteltreffen der Kinder des Ortes, das mittwochs stattfindet, ein Insektenhotel gefertigt werden. Dieses soll später am Spielplatz, den Molchow bekommen wird, aufgestellt werden. Als nächste Station von "Kunst am Anger"  ist Lichtenberg an der Reihe. Dort wurde mit den  Bewohnern eine Bank entworfen, die von Matthias Zágon Hohl-Stein kreiert wurde. Bis diese aufgestellt wird, wird es aber noch einige Tage dauern.

Kunst am Anger

Das Projekt "Kunst am Anger" wird im Rahmen der Aktion LandKultur vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft gefördert. Insgesamt fließen 95 000 Euro.

Ziel ist es, die Geschichten der Menschen in den Neuruppiner Ortsteilen und die Historie der Orte selbst künstlerisch darzustellen und in einem neuen Licht zu betrachten – durch das Auge eines Künstlers.

Der Auftakt des Projektes fand in Nietwerder statt. Dort porträtierte Künstlerin Nina Heinke Einwohner und ihre Tiere. red