Fast acht Monate lagen hinter den regionalen Läufern, ehe sie wieder einen Wettkampf bestreiten konnten. Acht Monate mit einem reduzierten Trainingspensum. Acht Monate mit Kontakt untereinander weitgehend nur übers Telefon. Doch mit dem beliebten Darss-Marathon endete diese endlos scheinende Zeit Mitte September. Ruppiner liefen sogar mehrfach aufs Treppchen.
Herausragend ist die Leistung von Chris Eidhof vom Laufpark Stechlin. Er legte nicht nur ein Höllentempo vom Start weg vor, er hielt das auch durch und kam nach 2:45 Stunden als Erster ins Ziel. Der Neuruppiner Eckhard Granzow blieb auf der Halbmarathondistanz noch unter 110 Minuten. Das brachte ihm Bronze in der Altersklasse M 65 ein. Dritter Medaillenträger ist Holger Schlötcke.
Mit den 3:32,21 Stunden zeigt er sich sehr zufrieden. Sicher, im Vorjahr hatte er 3:16 Stunden benötigt und damit den Altersklassensieg in der M 55 erlaufen. Dafür, dass „ich mich aber erst kurz vorher für den Start über die 42 Kilometer entschieden habe, ist das sehr gut“. Es wurde Silber hinter dem sieben Minuten schnelleren Sieger, aber auch acht Sekunden früher im Ziel als der Drittplatzierte.

Schlötcke bei seinem Lauf

Schlötcke hatte nach leichten Verletzungen mit sich gerungen und die erste Anmeldung für den langen Kanten auf die Hälfte reduziert. Er wollte jedoch unbedingt teilnehmen: Denn der extrem schöne Lauf ist „mein Lauf“: 14 Auflagen gab es bis jetzt, 14 mal hatte er teilgenommen. Schlötcke ist sozusagen „Mister Darss“. Vor Ort fühlte er sich beim 15. Rennen so euphorisiert von der Atmosphäre, dass er nun doch den Marathon in Angriff nahm. Damit endete die Corona-geprägte Phase, die kaum einen Volkslauf zugelassen hatte. Schlötcke: „Die Läufer zeigten sich alle sehr froh, dass wieder ein Wettkampf anstand. Alle Startplätze waren ausgebucht, und das Wetter zeigte sich mal wieder von seiner gewohnt sonnigen Seite“ auf der Halbinsel Darss, obwohl der Termin von Ende April auf September gewandert war. Auch Triathlet Ulrich Herzberg ließ es sich nicht nehmen, wenigstens einmal im Jahr unter Gleichgesinnten zu laufen.
Dank eines Hygienekonzeptes durften beinahe eintausend Sportler beim Halb- und 263 beim Marathon an den Start gehen. Abstand halten, keine traditionelle Nudelparty, abgeschirmter Start-Ziel-Bereich und Anmeldezone, kaum Zuschauer zum Anfeuern an der Strecke, Chip nicht am Schuh, sondern an der Startnummer, kein Reichen der Verpflegung unterwegs – umso erstaunlicher bei all den Einschränkungen, findet Holger Schlötcke, dass der Veranstalter seinen Mehraufwand nicht auf die Startgebühr aufschlug. 37 Euro kostet die Qual noch immer auf den 42 Kilometern.

Nun zur Moormeile

In Befürchtung, dass die Saison von einem erheblich reduzierten Wettkampf-Programm gekennzeichnet werde, schraubte auch Schlötcke sein Trainingspensum zurück. „Klar, ich habe nicht so umfangreich trainiert und merkte das auch im Wettkampf. Hinten heraus fehlt mir die Ausdauer. Dennoch bin ich happy mit meiner Zeit.“ In drei Wochen steht der zweite und bereits letzte Lauf an: Die Moormeile (Streckenlängen bis zu 12,4 Kilometer) in Bad Wilsnack soll den Abschluss bilden. Der Hubertuslauf, eine Woche darauf am 25. Oktober, passt dem Neuruppiner nicht in den Kalender. Erstmals in all den Jahren hätte er beinahe lediglich ein Paar Schuhe in einer Saison durchgelaufen. Die jetzigen sind vor allem im Zehenbereich löchrig. Vor der Moormeile wird nun doch noch ein neues Paar in 2020 gekauft.