Sie kamen von mehreren Seiten ins Ziel zurück, mit extrem ungewöhnlichen Zeiten und moralisch angeschlagen. Manchen kam keine Kritik über die Lippen, manche moserten, manche ließen ihrer Wut freien Lauf. Andere schüttelten das Erlebte ab, als ob nichts gewesen wäre. Wieder andere sahen die Auszubildenden der Beruflichen Schule Sport & Soziales als Hauptleidtragende. In deren Händen lag wieder einmal der Ablauf des Volkslaufes, der sich so prächtig entwickelt hat. Inzwischen ist die Marke von 400 Läufern geknackt worden. 423 waren es an diesem Sonntag – 423, die nun eine Geschichte in ihre Familien tragen, deren Ende noch offen ist.
Wutzseeläufer klagen über zwei Rennen, die sabotiert wurden

Bildergalerie Wutzseeläufer klagen über zwei Rennen, die sabotiert wurden

Schon bei den ersten Aktionen lief einiges daneben: Zum einen war das überdimensionale Start-Ziel-Banner so angebracht, dass sich die Läufer auf der üblichen Seite an die Startlinie begaben. Moderator Jens Schwarzenberger ließ das Feld sowohl beim Halbmarathon als auch beim Hauptlauf drehen, weil der gewohnte Start in einer Baustelle geführt hätte. Das heißt: die Walker und Nordic Walker in den hinteren Startblock, für die anderen Gedränge in den ersten Reihen. Zum anderen blieb die Kanone, mit der im Regelfall das Startsignal gegeben wird, still. Beim ersten Versuch. Beim zweiten Versuch. Dabei hatte sich die Mittvierzigerin so enthusiastisch auf den angekündigten Knall gefreut: „Wer hier den Start verschläft, der hat wirklich gepennt.“
Sicher scheint, dass die Ausschilderung auf der Acht-Kilometer-Strecke um den Wutzsee in Ordnung war. Bei Kilometer sechs trennten sich die Routen: 14- und 21-Kilometer-Läufer bogen ab. Welches Streckenschild fehlte oder in die irreführende Richtung zeigte, das soll in diesen Tagen geklärt werden. Fakt ist, dass die Sportler statt Richtung Osten zu laufen den Kurs nach Norden nahmen – wohl auf dem Waldweg zwischen Glambeck und Rönnebeck. An der Chaussee nach Gransee  angekommen, entschloss sich die Spitzengruppe erst zur Wende, dann zum Abbruch.
In den Zielbereich schwenkten die Verirrten von mehreren Himmelsrichtungen und zu Zeiten ein, die fernab von Gut und Böse waren. Für Spitzenmann Marc Marquardt blieb die Uhr bei 1:52 Stunden stehen. Seine Kontrahenten waren schon geduscht, als er von seiner Odyssee bis nach Meseberg zurückkehrte. Mike Tilgner, mit dem Marquardt die ersten acht Kilometer in Führung lag, sorgte für erhebliches Staunen: 49  Minuten für 21 Kilometer – damit hätte er den Weltrekord pulverisiert, um neun Minuten.
Das Organisationsteam um die Berufliche Schule für Sport & Soziales, Europäische Sportakademie Land Brandenburg (ESAB) und den Laufpark Stechlin setzt sich in dieser Woche zusammen, um Schlüsse aus der teil-chaotischen 14. Auflage zu ziehen. Dazu gehört, warum die Spitzenläufer nicht am Rücklicht eines Führungs-Fahrrad „kleben“ konnten. Dazu gehört, warum an schwierigen Stellen keine Sägespäne oder farbige Markierungen verwendet wurden. Dazu gehört aber auch, warum der Telefonkontakt zwischen Wettkampfleitung und den Streckenposten im Wald auf Sparflamme lief. Derzeit wird geprüft, ob eine Anzeige gegen die vermeintlichen Verursacher erstattet wird. Es entstanden bezifferbare Kosten für Läufer sowie Org-Team sowie ein ideeller Schaden, „den man keinem wünscht. Ist halt dumm gelaufen“, nahm’s Thomas Dreßler mit Humor. Der Alt Ruppiner weiter: „Die Organisation war wieder einmal zu 99,9 Prozent in Ordnung. Ich finde das sehr, sehr schade, dass die Mädchen und Jungs der BFS das ausbaden müssen, was eine oder vielleicht zwei Personen einrührten.“