Davon profitierte an diesem Abend auch die Gruppe Burning Witches aus der Schweiz, die gerade einmal vor vier Jahren gegründet wurde und noch am Anfang ihrer Karriere steht. Wohin die Reise mit den fünf „brennenden Hexen“ gehen wird, machte Sängerin Seraina Telli sehr deutlich – Heavy Metal der alten Schule. Dafür musste man sie gar nicht unbedingt hören – die Tätowierung des Judas-Priest-Vektor-Logos auf ihrem Unterarm spricht schließlich für sich. Die jungen Frauen können den erfahrenen Metalbarden mit den Songs von ihrem neuen Album „Hexenhammer“ durchaus das Wasser reichen. Mit fliegenden Haaren und rockigen Gitarrenriffs – die eben an Judas Priest, aber auch an Iron Maiden erinnern – heizten die Musikerinnen den rund 450 Zuschauern ein. Und dass von der Band noch viel erwartet werden kann, zeigte sich auch daran, dass Seraina Telli in bester Doro-Pesch-Manier ihre Stimme erhob oder mit dieser auch einmal ganz tief abtauchte und dabei an Sängerin Alissa White-Gluz von Arch Enemy erinnerte.
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Das alles sind Musikergrößen, mit denen Grave Digger im Laufe der Jahrzehnte schon die Bühne teilte. Sänger Boltendahl, der vor Kurzem erst seinen 57. Geburtstag feierte, eröffnete den Grave-Digger-Gig mit der Hymne „Fear of the living dead“. Und offenbar nicht nur seine Fans mögen es, wenn die Musik laut aus den Boxen kracht. Auch Sänger Boltendahl feuerte sein Publikum anfangs mehrfach an, dass er mehr von ihm hören und mehr Stimmung im Saal möchte. „Es ist ein bisschen leise hier“, forderte er von den Fans etwas Einsatz, die über Songs wie „Lionheart“ und „Lawbreaker“ mehr und mehr in Schwung kamen, der bis zum Ende des Abends auch nicht abebbte.
Die eingängigen Titel der Grabräuber, nahezu alle mit Ohrwurm-Potenzial, haben im Laufe der Jahre auch nichts an Power verloren. Dafür sind bei den Bandmitgliedern die langen Haare etwas grauer und lichter geworden. „Wir waren heute am See spazieren. Das ist ja wunderschön hier“, war auch ein Lob des Bandleaders für Neuruppin, mit dem wohl kaum ein Metalfan gerechnet hatte.
Aber auch Bühnengrößen bleiben nicht ewig jung und gehen alles irgendwann entspannter an. Der 70-jährige Sänger Phil Mogg von der britischen Hard-Rock-Band UFO hat schon angekündigt, bald in Rockerrente gehen zu wollen. Vorher tritt seine im Jahr 1969 gegründete Combo aber noch einmal beim diesjährigen Wacken Open Air auf und direkt danach, am 2. August, im Neuruppiner Stadtgarten. Wer das noch einmal erleben möchte: Eintrittskarten dafür gibt es an der Theaterkasse des Ruppiner Anzeigers in der Karl-Marx-Straße 48.
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