Der schlechte Zustand des Guts Gentzrode schlägt weiter Wellen: Unterstützer der historischen Anlage nahe Neuruppin wenden sich mit offenen Briefen an den brandenburgischen Ministerpräsidenten Dietmar Woidke (SPD). Sie kritisieren, wie „das Land Brandenburg mit der weit über die Landesgrenzen hinaus bekannten und geschätzten Gutsanlage Gentzrode“ umgeht.
Zu den Unterzeichnern des ersten Briefes zählt ein Nachfahre des Bruders von Gentzrode-Erbauer Alexander Gentz – Wolf-Dieter Gentz stammt direkt von Orientmaler Wilhelm Gentz ab. Der zweite Brief stammt von Dankward Legde, Enkel des ehemaligen Besitzers des Rittergutes Protzen. Sie alle befürchten, dass ein bedeutendes Zeitzeugnis „unwiederbringlich verloren“ geht. Das Gut stelle nicht nur ein Stück brandenburgischer Landesgeschichte dar, sondern sei auch Teil deutscher Architektur- und Kulturgeschichte. In dem Schreiben wird auf die wechselvolle Geschichte des Gutes eingegangen, das mittlerweile türkischen Investoren gehört.

„Totalversagen“ der Behörden kritisiert

„Der Fall Gentzrode ist leider ein unrühmliches Beispiel für langjähriges behördliches Totalversagen“, meinen die Unterzeichner. „Daraus ergibt sich, sehr geehrter Herr Ministerpräsident, für die Verwaltung Ihres Landes auf allen Ebenen die Pflicht, so schnell und so nachdrücklich wie möglich zu retten, was noch zu retten ist.“ In Richtung von Neuruppins Baudezernent Arne Krohn geht eindeutige Kritik. Er hatte zuletzt in einem Beitrag des Fernsehsenders ZDF gesagt, dass er den jetzigen Besitzern erklärt habe, sie denken zu groß. „Das übersteigt eindeutig seine Kompetenzen“, heißt es im offenen Brief.

Verfall von Gentzrode verhindern

Woidke als Landesvater wird gebeten, alles zu tun, um den endgültigen Verfall von Gentzrode noch zu verhindern. „Bitte nehmen Sie sich der Sache persönlich an, machen Sie das Projekt zur Chefsache.“ Die Unterzeichner bieten auch an, dem Ministerpräsidenten „den üblen Zustand von Gentzrode“ vor Ort einmal persönlich zu demonstrieren.
Dankward Legde wiederum führt das Guthaus in Protzen als Beispiel an, dass historische Anlagen gerettet werden können. Dieses Gebäude wird heute als Kultur- und Dorfgemeinschaftshaus genutzt. Auch Legde bittet Woidke um seinen „Einsatz zur Rettung von Gentzrode“.