Doch um diese Zeit war der Kirchplatz gegenüber längst gut gefüllt. Aus allen Teilen der Stadt waren Leute auf den Platz gekommen, um zu zeigen, dass Nazis in Rheinsberg unerwünscht sind. Neben den bekannten Politikern aus Rheinsberg hatten auch Landrat Ralf Reinhardt (SPD), die SPD-Landtagsabgeordnete Ulrike Liedtke, Neuruppins Bürgermeister Jens-Peter Golde (Pro Ruppin), der Rheinsberger Pfarrer sowie etliche Kreistagsabgeordnete den Weg in die Prinzenstadt gefunden.
Mit bekannten Liedern und Melodien heizten Markus Kersten und Erik Kurzke die Stimmung an und übertönten die Musik und Ansprachen der Rechten. Als die beiden das bekannte Laurentia-Lied anstimmten, hatte sich ein großer Kreis gebildet, der sich im Takt bewegte. Und sogar eine Polonäse führte an diesem Sonnabend über den Kirchplatz, angeführt von Landrat Ralf Reinhardt sowie Rheinsbergs Vizebürgermeister Andreas Neubert marschierten etwa 150 Jugendliche und ältere Menschen über das Areal.
Mit Transparenten und Ansprachen warben derweil die Rechten für ihre Ziele. Doch wirklich zuhören wollte niemand. "Einige der Nazis sind uns aus der Szene bekannt", erklärte einer der anwesenden Polizisten. Rheinsbergs Wachenleiter Lutz Wilke sah keinen Bedarf einzugreifen. Die Veranstaltung der Rechten sei angemeldet und genehmigt worden.
"Willkommen im Landkreis der Vielfalt" stand auf einem großen Transparent, das Reinhardt, Rheinsbergs Ortsvorsteher Sven Alisch (SPD), der Ex-Rheinsberger Erich Kuhne (CDU) und weitere Lokalpolitiker in die Kamera hielten. Dann ertönten Trommel- und Saxofonklänge aus Richtung des Marktes. Es waren die Mitglieder des Bundesjugendjazzorchesters, die gegenwärtig in der Musikakademie zu Gast sind und sich an der Protestaktion beteiligten. "Es war eine spontane Entscheidung mitzumachen, als wir von der NPD-Veranstaltung erfuhren", erklärt einer der Musiker.
Inzwischen swingten, rappten und tanzten die Menschen auf dem Kirchplatz. Es waren weit über 200 Frauen und Männer aller Altersklassen, die sich mit ihrer Anwesenheit dem Naziaufmarsch entgegenstellten. Selbst zufällig vorbeikommende Touristen, wie ein Ehepaar aus Freiberg, reihten sich ein. Die Rheinsberger zeigten Flagge, ihre Stadt soll bunt sein und bleiben.