Es ist ungewohntes Gebiet, auf dem sich das Geldinstitut mit diesem  Bauvorhaben bewegt.  "Beim Mietwohnungsbau sind wir noch nicht aufgetreten", sagt Markus Rück, der Vorstandsvorsitzende der Bank. Doch die Entwicklungen in der jüngsten Zeit haben diesen Schritt immer positiver scheinen lassen: Auf dem Neuruppiner Mietmarkt ist es eng. "Die Preise schießen immer mehr in die Höhe", so Rück. Auch die Erträge für die Sparkasse spielen natürlich eine Rolle: "Zinsen gibt es nicht mehr, sie sind sogar negativ ausgeprägt." Immobilien könnten dabei ein Ausweg sein, ist Rück überzeugt.
Öffentlicher Auftrag
Das Geldinstitut sieht sich darüber hinaus aber einem öffentlichen Auftrag verpflichtet: Die neuen Wohnungen sollen zwischen sieben und neun Euro je Quadratmeter kalt kosten. "Das liegt im unteren Bereich", so Rück. "Es ist keine Kunst, in Neuruppin zehn Euro zu zahlen." Nicht zuletzt will die Sparkasse mit dem derzeit laufenden Neubau und mit dem Umbau des Mittendrin, für den es Ende 2019 eine Genehmigung geben soll, die eigene Attraktivität steigern. Wer Fachkräfte bekommen will, müsse diesen heutzutage einiges bieten – und sei es die neue Wohnung, erklärt Markus Rück. Auch an der Medizinischen Hochschule Brandenburg sollen die Studentenzahlen deutlich erhöht werden, so Rück als Vorstandsvorsitzender eines der Mitgesellschafter.  Die jungen Mediziner brauchen ebenfalls Wohnraum.
Studenten, eigene Mitarbeiter, Auszubildende und junge Familien sollen also von dem Neubau profitieren, der die Sparkasse insgesamt 6,2 Millionen Euro kosten wird.  Im September 2020 sollen die ersten Bewohner einziehen können. Auf sie warten Komfort wie eine Tiefgarage und zwei Fahrstühle. Diese führen zu den Wohnungen, die zwischen 60 und 100 Quadratmeter groß sind und zwei bis vier Zimmer haben. Das Aussehen des neuen Hauses ist mit dem Gestaltungsbeirat der Stadt Neuruppin abgestimmt werden.
Hospital-Mauern freigelegt
Derzeit starten die Hauptuntersuchungen der Archäologen vor Ort. Sie haben schon einige interessante Entdeckungen gemacht. Die Grundmauern eines Hospitals sind mittlerweile an der Ecke August-Bebel-/Schinkelstraße freigelegt worden.  "Das war ein imposanter Bau, für den die Steine extra aus Rüdersdorf geholt wurden", sagt Stefan Muhr von der Firma ABD Dressler, die die archäologischen Arbeiten vor Ort betreut. "Dafür hat jemand richtig Geld in die Hand genommen." 1914 wurde das Gebäude abgerissen.
Skelette gefunden
Die Archäologen arbeiten sich von beiden Seiten der Baustelle zur Mitte. An der Ecke der August-Bebel- und Schulzenstraße wurden Fundamente unter der ehemaligen Hausnummer 7 freigelegt. Außerdem sind dort zwei sehr gut erhaltene Skelette aufgetaucht: eines von einem Pferd, das andere vermutlich von einem Schaf. Stefan Muhr erklärt, dass diese Tiere wahrscheinlich eigentlich zur Abdeckerei gebracht werden mussten. Doch die Besitzer scheinen sich die Kosten dafür gespart haben, vermutet er. Ganz in der Nähe der Skelette ist auch eine alte Feuerstelle ans Tageslicht gekommen. "Sie stammt wahrscheinlich aus dem 17. oder 18. Jahrhundert und wurde zum Backen von Brot genutzt", so Muhr.
Rund drei Monate lang werden die Arbeiten von Muhr und seinem Team noch dauern. "Wir haben hier ein paar wunderschöne Funde, die gut erhalten sind."

Drei Fragen an Stefan Muhr, Archäologe


Gab es ungewöhnliche Funde auf dieser Baustelle?

Stefan Muhr: Nein, wir haben schon damit gerechnet. Im März hatte es schon eine Voruntersuchung gegeben, und wir haben ja auch altes Kartenmaterial von diesem Gebiet.

Was geschieht mit den Funden, die Sie in Neuruppin machen?

Wir legen sie erst alle frei. Was wir mitnehmen können, nehmen wir mit. Alles andere wird dokumentiert und bleibt dann in der Erde.

Wie lange werden Sie an der August-Bebel-Straße zu tun haben?

Wir rechnen mit 50 Tagen. Vor Ort arbeiten immer so zwischen fünf und sieben Leute. jvo