Grund ist der Auftritt von Nora Illi. Die Frauenbeauftragte des Islamischen Zentralrats der Schweiz, der dort vom Verfassungsschutz beobachtet wird, hatte mit anderen Gästen die Frage diskutiert, warum sich immer mehr junge Menschen radikalisieren und der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) zuwenden.
Anne Will habe Illi vor einem Millionenpublikum eine öffentliche Bühne geboten, um Propaganda für die Teilnahme am Krieg des IS in Syrien zu betreiben, begründet Supranowitz ihre Anzeige. Illi, deren Gesicht mit eine Niqab verschleiert war, habe sich weder von den Gräueltaten des IS, noch von Zwangsverheiratungen oder der Ermordung "Ungläubiger" durch radikale Islamisten distanziert. Illis Aussagen ermutigten Menschen, in den "Heiligen Krieg" zu ziehen, so Heike Supranowitz. "Das stellt für mich Kriegspropaganda dar."
Laut Medienberichten hatte die Bundesanwaltschaft der Schweiz Anne Will sogar vor einem Auftritt der Schweizer Konvertitin gewarnt. Deren Äußerungen waren bereits während der Sendung auf massiven Widerspruch gestoßen.
Martin Gartzke, Sprecher des für die Talksendung verantwortlichen NDR, verteidigte am Donnerstag die Einladung von Nora Illi. Die Zusammensetzung der gesamten Diskussionsrunde und deren Leitung durch Anne Will habe zu einer ebenso angemessenen wie notwendigen Auseinandersetzung geführt. "Die äußerst fragwürdige Haltung von Frau Illi" - etwa zur Problematik der Ausreise von Jugendlichen nach Syrien - sei deutlich zu Tage getreten und heftig debattiert worden, so Gartzke.
ARD-Chefredakteur Rainald Becker verteidigte auf Nachfrage das Vorgehen. "Die Gäste unserer Gesprächsendungen werden nach journalistischen Kriterien, wie Relevanz und Meinungsvielfalt, eingeladen. An dieser Praxis werden wir auch in Zukunft nichts ändern." (Seite 3)