In Neuruppin findet der Flashmob drei Tage später statt. Dies entschieden die Organisatoren - Evangelische Schule, Jugendwohnprojekt Mittendrin und der Verein Frauen für Frauen -, da sich viele Schüler von Agus und Evi an der Aktion beteiligen.
Die Idee zu der Kampagne stammt von der Künstlerin und Feministin Eve Ensler, Autorin der berühmten "Vagina-Monologe". Diese rief 2012 zum Flashmob auf. Damit reagierte sie unter anderem auf die Aussagen eines US-amerikanischen Republikaners. Der Politiker hatte gefordert, dass selbst Frauen, die nach einer Vergewaltigung schwanger werden, nicht abtreiben dürfen. Für den Aktionstag wählte die Feministin den 14. Februar, an dem sie Jahre zuvor bereits den V-Day, einen Aktionstag gegen Gewalt gegen Frauen ins Leben gerufen hatte. Innerhalb kurzer Zeit unterstützten mehr als 5 000 Organisationen sowie viele Prominente wie die Schauspieler Charlize Theron und Robert Redford den Flashmob.
Laut den Vereinten Nationen erleiden ein Drittel aller Mädchen und Frauen in ihrem Leben gewalttätige Übergriffe. Mitorganisatorin des Neuruppiner Flashmobs und Mitarbeiterin im Frauenhaus Michaela Rönnefahrt berichtet von weiteren schockierenden Zahlen, die 2013 von der Europäischen Agentur für Menschenrechte veröffentlicht wurden: 33 Prozent der Frauen in Europa sind seit ihrem 15. Lebensjahr Opfer von körperlicher oder sexueller Gewalt geworden. Eine von 20 Frauen ist nach ihrem 15. Lebensjahr vergewaltigt worden. Fast 70 Prozent der Geschädigten von schwerwiegenden Übergriffen zeigten die Täter nicht an. Laut Frauenhaus-Mitarbeiterin Beate Schädler findet die meiste Gewalt hinter verschlossenen Türen statt. Die Täter sind oft Angehörige. 22 Prozent der von der Agentur befragten Frauen erlitten ihre Verletzungen in der Partnerschaft. Wegen gemeinsamer Kinder oder finanzieller Abhängigkeit sei es für diese aber oft schwer, von Zuhause wegzukommen, weiß Schädler. Sie nennt eine weitere erschreckende Tatsache: "Pro Tag wird in Deutschland eine Frau von ihrem Lebenspartner umgebracht."
Für die Zukunft wünscht sie sich, dass das Frauenhaus mehr finanzielle Unterstützung für seine Arbeit erhält als bisher. Schließlich sei der Staat dazu verpflichtet, Frauen und Kinder vor Gewalt zu schützen.
Die 14-jährige Rodina vom Evi ist an diesem Tag eine von den Tänzerinnen. Sie und ihre Freundinnen haben sich in einer Projektwoche mit dem Thema "Gewalt gegen Frauen" auseinandergesetzt. "Wir haben über häusliche Gewalt gesprochen und wie man sich dagegen wehren kann", erklärt die Achtklässlerin. Außerdem haben sie und die anderen während der Woche einen Selbstverteidigungskurs absolviert und die One-Billion-Rising-Choreografie einstudiert. Auch Maren, 15 Jahre, vom Evi ist dabei. "Der Tanz ist eine gute Gelegenheit, auf die Verbrechen aufmerksam zu machen", findet sie.
Wer sich körperlich bedroht fühlt oder misshandelt wurde, kann unter folgender Notrufnummer des Frauenhauses Neuruppin Hilfe finden: (03391) 2303.