Der Ausschuss tagte im Dorf Zechliner Gemeindezentrum, in dem sich auch die örtliche Kita befindet. Eltern von Kindern, die diese Tagesstätte besuchen, hatten sich kürzlich bei der Stadtverordnetenversammlung mit schrillenden Trillerpfeifen dafür stark gemacht, dass ihre Tagesstätte erhalten bleibt. Einige Tage zuvor hatten Freke Over (Linke) und Sven Alisch (SPD) im RA darauf hingewiesen, dass die Stadt Rheinsberg angesichts der demografischen Entwicklung in einigen Jahren nicht um Kita-Schließungen herum kommen werde.
Zu Beginn der Sitzung ließen sich die Ausschussmitglieder die Räume der Kita zeigen. Anschließend sagte die Vorsitzende des Gremiums, Annett Bauer (Linke): "Wir sollten in Ruhe überlegen, wie man mit den aufgewühlten Emotionen umgeht." Auf keinen Fall dürften Einrichtungen gegeneinander ausgespielt werden. Zunächst müsse es darum gehen, "eine Sachstands-Analyse zu den vorhandenen Kitas zu erarbeiten, um anhand dieser über die Entwicklung der Kitas nachzudenken".
In einem ersten Schritt soll nun die Arbeitsgruppe Familie und Jugend einen Kriterienkatalog erarbeiten. Danach sei "in Ruhe mit der Stadtverwaltung über die Ergebnisse zu sprechen". Außerdem schlug Bauer eine Kita-Konferenz vor, bei der Träger, Betreiber, Erzieher und Vertreter der Elternschaft gemeinsam darüber sprechen, welche Schwerpunkte zu setzen sind. Eine Konferenz der Rheinsberger Schulen vor zwei Jahren, bei der es ebenfalls um die Entwicklung der einzelnen Einrichtungen gegangen war, habe gezeigt, dass eine solche Zusammenkunft durchaus hilfreich sein könne, stellte Bauer weiterhin fest.
Eine Abstimmung im eigentlichen Sinn über Bauers Vorschläge fand nicht statt. Sie fragte aber, ob es noch Anmerkungen oder weitere Vorschläge gebe. Doch das Gremium war mit den Ideen einverstanden.Wenn der Katalog erstellt ist, werde er im Ausschuss öffentlich diskutiert, versicherte Bauer.
Auch Grit Weißert, Leiterin der Kita im benachbarten Flecken Zechlin, ist es wichtig, die Diskussion zu versachlichen. Sie sagte am Mittwoch: "Die letzte Stadtverordnetenversammlung hat mich schon ein wenig nchdenklich gemacht. Es sollte nicht nochmals dazu kommen, dass der Eindruck erweckt wird, dass Kitas sich gegeneinander ausspielen möchten. Auch die Abgeordneten sollten sich genau überlegen, was sie in der Öffentlichkeit sagen."
Herbe Kritik gab es indes im Ausschuss vom Flecken Zechliner Ortsvorsteher Wilfried Schmidt (Bürgerbündnis Rheinsberg): "Der Aufmarsch der Eltern bei der Ratssitzung war unter aller Würde." Mehr Sachlichkeit sei jetzt dringend nötig. Bei alledem müsse klar sein, "dass wir uns der Bevölkerungsentwicklung nicht ganz verschließen können".
Der Landkreis geht in seiner Prognose davon aus, dass es ab 2020 deutlich weniger Kinder in Rheinsberg und seinen Ortsteilen geben wird. Ob die Kommune dann neben den beiden Kitas in der Kernstadt auch noch jeweils eine in Linow, Zechlinerhütte, Dorf Zechlin und Flecken Zechlin benötigt, wird sich zeigen. Allerdings könnte es auch sein, dass die Prinzenstadt dann nicht mehr über die Anzahl der Tagesstätten zu entscheiden hat. Falls die von der SPD auf Landesebene angeregte weitere Gebietsreform bis dahin realisiert sein würde, würde der gesamte Altkreis Neuruppin Stadt Neuruppin heißen. Rheinsberg wäre ein Ortsteil der Fontanestadt.
Was die nähere Zukunft betrifft, sieht es vor allem für die Flecken Zechliner Kita sehr gut aus. Sie soll im kommenden Jahr saniert und ausgebaut werden. Dies haben die Rheinsberger Stadtverordneten bei ihrer Sitzung im Oktober beschlossen.