Update, 11. März 2021: Die vermisste Frau wurde gefunden.
"Wir würden sie gerne lebend finden. Die Chancen sind aber deutlich geringer als am Anfang", sagt Julian Kindt, Sprecher der Polizeidirektion Nord in Neuruppin. Am Mittwoch ist Christiane S. aus Wustrau seit zwei Wochen verschwunden. Auch die privaten Helfer, die am Dienstag die Wälder zwischen Gildenhall und Alt Ruppin nach der 70-Jährigen absuchten, machen sich nicht mehr viele Hoffnungen. "Aber die Ungewissheit ist der Horror", sagt Sonja Röhrig, die aus Berlin angereist ist und mit Christiane S. Tochter Janina Dicty befreundet sei. "Es ist komisch, dass Christiane so lange nicht mehr gesehen wurde. Eine Frau, die mehrere Tage unterwegs ist, fällt doch schon allein deswegen auf, weil sie nicht mehr wie gestriegelt aussieht", so Helferin Sabine Weber.
Christiane S., die an Demenz erkrankt ist, kehrte am 24. Juni von einer Fahrradtour bei Wustrau nicht zurück. Danach soll sie bei Albertinenhof, Linumhorst und Wall gesehen worden sein. Ihre Familie, die an der gestrigen Suche nicht beteiligt war, war am Sonntag unter anderem zwischen Wustrau und Zietenhorst noch einmal unterwegs. Zuletzt soll Christiane S. am vergangenen Donnerstag von einem Bauarbeiter am Seedamm in Neuruppin erkannt worden sein. "Ich habe noch einmal mit ihm gesprochen. Er ist sich absolut sicher und kann sich an ihre Brille und ihr Fahrrad erinnern", so Markus Koch.
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Alte Bungalows im Wald

Der Feuerwehrmann aus Alt Ruppin und ein gutes Dutzend Freiwillige, die sich in einer mittlerweile mehr als 700 Mitglieder starken Facebook-Gruppe organisieren, hatten sich am Hermsdorfer Weg getroffen, um die Wälder abzusuchen. Nach der ersten Meldung, dass S. am Seedamm gesehen wurde, hatten einige von ihnen die Kleingartensparte zwischen Seeperle und Stadtpark ergebnislos durchkämmt. Die andere Seeseite war bisher nicht untersucht worden. Weil es dort leer stehende Bungalows gibt, in denen Christiane S. vielleicht Schutz gesucht haben könnte, wollten die Helfer diese Option nicht auslassen.
Sebastian Schölzel ist von Beruf Sanitäter. "Nach so langer Zeit müssen wir aber mit allem rechnen", sagt er. Dass die Seniorin nicht mehr am Leben sein könnte, ahnen viele. Es auszusprechen, fällt ihnen jedoch schwer. "Man kann aber auch nicht einfach auf Arbeit sitzen und damit abschließen, wenn man nicht sicher ist", fasst Sonja Röhrig zusammen, warum auch sie immer wieder aufbricht.
Die Polizei kann das aus Sicht der Familie und deren Freunde verstehen – auch wenn sie nur selbst wieder zum Einsatz kommt, wenn es neue konkrete Hinweise gibt. "Das einzige Problematische ist, wenn es neue Erkenntnisse gibt, die zuerst in Facebook-Gruppen geteilt werden, die wir dann aber erst später bekommen", sagt Polizist Kindt. Dann verstreiche wertvolle Zeit, wenn die Polizei den Infos hinterherrennen müsse. Das sei hier zuletzt nicht der Fall gewesen. Die Familie hat laut Kindt auch einen festen Ansprechpartner bei der Kriminalpolizei.

Beschreibung der Wustrauerin


Christiane S. ist etwa 1,60 Meter groß und hat dunkle, leicht rötliche Haare. Bei ihrem Verschwinden trug sie ein dunkles Shirt, eine Jeans und schwarze Wildlederschuhe. Außerdem war sie mit einem gelben Damenrad unterwegs, das schon einige Roststellen und einen Korb am Lenker hat und das ebenfalls gesucht wird. Hinweise an die Polizei unter 03391 3540. red