Die Idee, einen Podcast über die Menschen und das Leben im Amt Temnitz zu machen, ist Amtsdirektor Thomas Kresse Anfang des Jahres gekommen. Er wandte sich damit an Sandra Jütte, die an der Hamburger Hochschule für angewandte Wissenschaften "Digitale Kommunikation" studiert. Gemeinsam entwickelten sie im Februar das Konzept für den Podcast, der sich zu Jüttes Masterprojekt entwickelte. Die Idee ist simpel: Die Neuruppinerin sucht Orte in den sechs Gemeinden entlang der Temnitz auf, um die Menschen kennenzulernen, die dort leben, und um zu ergründen, was diese am Leben dort so schätzen.  Anfangs ließ sie sich dramaturgisch vom Regisseur Daniel Abma beraten. Der Rest des Podcasts entstand komplett in Eigenregie. Jütte besuchte die Ölmühle in Katerbow, das Wir-Fest, Landfrauen, den Reiterhof in Frankendorf, versuchte sich im Linedance, befragte Kulturschaffende wie den Theaterverein in Netzeband, sah sich eine Alpakafarm an und sprach mit den Kunden des Konsums in Walsleben. "Ich war überrascht, dass ich vielen Menschen begegnet bin, die gern in der Region leben. Ich hatte Glück, so viele tolle Protagonisten zu treffen", sagt sie. Zudem lernte die 34-Jährige bei ihrer Arbeit selbst die Reize der Temnitz-Region kennen. "Ich hätte nie gedacht, wie schön es in der Storbecker Heide ist", sagt sie.
Kultur, Natur, Gemeinschaft
Weil der Podcast nicht alles beschönigen soll, kommen aber auch Probleme zur Sprache, die das Landleben so mit sich bringt. Thematisch unterscheiden sich die Folgen. Während es in der Temnitzquell-Episode eher um Kultur geht, wird bei der Storbeck-Frankendorf-Folge die Liebe zur Natur und in den Walsleben-Aufnahmen die Gemeinschaft aufgegriffen. Insgesamt sind vorerst sechs Folgen geplant. Die Corona-Krise hat Jütte einen Strich durch die Rechnung gemacht. Durch die Kontaktbeschränkungen musste sie einige Termine verschieben. "Ich hätte auch Telefoninterviews führen können, aber dann wäre die Atmosphäre mit den Hintergrundgeräuschen, die ich einfangen möchte, verlorengegangen", erklärt sie. Deshalb werden ab 30. Mai im Zwei-Wochen-Turnus die ersten drei Episoden veröffentlicht. Die quasi zweite Staffel soll es ab Herbst, spätestens zur Weihnachtszeit geben.
700 Schnitte für eine Folge
Die wohl schwierigste Arbeit war für die Podcasterin der Schnitt. Pro Folge hat sie mit vier Protagonisten gesprochen. Es galt, das Rohmaterial von rund vier Stunden pro Folge auf 25 bis 30 Minuten zu kürzen. "Für Folge drei habe ich 700 Schnitte benötigt", so Jütte. Neben der Auswahl des Materials kam erschwerend hinzu, dass bei einem Schnitt auch die Hintergrundgeräusche passen mussten, damit der Schnitt nicht auffällt. War das getan, sprach sie noch Kommentare ein – das sogenannte Voiceover. Mangels eines Tonstudios wurden manche Kommentare im Schlafzimmer eingesprochen.
Ziel des Podcasts ist es, Menschen Lust auf die Region zu machen. Deshalb soll er möglichst bundesweit Reichweite erzielen. Die Regionale Entwicklungsgesellschaft (REG) sorgt deshalb dafür, dass er gut vermarktet wird. Der Podcast ist unter anderem auf Streaming-Plattformen wie Spotify, Soundcloud sowie Apple- und google-Podcasts zu finden. Um auch ein älteres Publikum anzusprechen, ist zudem ein Infoblatt gedruckt worden. Dass das Projekt seinen Zweck tatsächlich erfüllt, hat eine Kommilitonin von Jütte bereits bestätigt. "Ich habe ihr eine Episode vorgespielt. Sie hatte direkt Lust, Temnitz zu besuchen."

Was ist ein Podcast?


Das Wort Podcast setzt sich aus der Kurzform "Pod" für "Play on Demand" (Abspielen auf Anfrage) und "Cast" als Kurzform für "Broadcast" (Rundfunk) zusammen. Es ist also eine Art Radiosendung, die keine feste Sendezeit hat, sondern jederzeit im Internet aufgerufen werden kann.

Podcasts werden in mehreren Episoden veröffentlicht. Das ist vergleichbar mit Serien, die auf Streaming-Plattformen wie Netflix oder Amazon angeboten werden.

Um einen Podcast zu hören, braucht man einen PC mit Internetzugang oder ein internetfähiges Handy. bk