An der Runde nahmen neben der Chefetage der Puten-GmbH auch Vertreter mehrerer Erzeugerverbände teil. Puten-GmbH-Abteilungsleiter Marketing und Export Thorsten Mahlstedt klagte darüber, dass es schwierig sei, für die Ausbildung zum Tierwirt in der Fachrichtung Geflügel genug geeignete Bewerber zu finden. Mahlstedt: "Der Beruf wirkt von außen betrachtet nicht unbedingt attraktiv." Dabei handele es sich um eine sehr vielfältige Ausbildung, bei welcher auch die Forschungsabteilung durchlaufen werde. Gute Azubis könnten es in einigen Jahren bis zum Farmleiter bringen und das Unternehmen auch mal auf Messen in den USA vertreten. Pro Lehrjahr werden zurzeit drei Azubis eingestellt, doch es könnten laut Mahlstedt viel mehr sein. Tackmann sieht eine Ursache für das geringe Interesse auch darin, dass die im Wechsel mit der Praxis stattfindende theoretische Ausbildung in Halle/Saale passiert. Sie will nun darüber nachdenken, wie sie dazu beitragen kann, dass Ausbildungsplätze in Brandenburg entstehen.
Höhere Preise für Verbraucher
Probleme mache der Geflügelwirtschaft die Tatsache, dass Polen den deutschen Markt mit Billigfleisch überschwemme, sagte Thomas Storck, Erster Vorsitzender des Verbandes deutscher Putenerzeuger. Für nach den Kriterien der Initiative Tierwohl hergestelltes Fleisch gebe es ab 2020 keine staatliche Unterstützung mehr, was zu höheren Endpreisen führen werde. Die meisten Menschen würden aber vor allem nach dem Preis schauen, also billig kaufen. Gegen die polnische Konkurrenz habe die deutsche Ware dann kaum noch eine Chance.
Problematisch ist nach Ansicht der Fachleute auch, dass es immer weniger, jedoch sehr große Supermarktketten in Deutschland gibt, die möglichst billig Fleisch einkaufen wollen. Tackmann sieht Lösungsansätze in staatlichen Qualitätsstandards, die dann von allen Erzeugern, auch im Ausland, einzuhalten wären. Was die immer größeren Supermarkt-Konzerne betrifft, sprach sie "von einer massiven Marktmacht, gegen die etwas durch die Politik unternommen werden muss". Derzeit bestünden "wenige Oligopole, in denen eine Handvoll Leute alles bestimmen", so die Politikerin.
Viel Geld investiert
Wie es um die Gesundheit der Puten stehe, wollte Tackmann ebenfalls wissen. Dr. Hartmut Meyer, Puten-GmbH-Bereichsleiter Forschung, beruhigte: "Wir haben in den zurückliegenden Jahren sehr viel Geld investiert. Die Tiere werden zwar tatsächlich immer größer und schwerer. Doch sie waren noch nie gesünder als heute."
Tackmann setzt sich für einen kompletten Verzicht auf Antibiotika in der Geflügelzucht ein. Ganz ohne die Medikamente werde es nicht gehen, sagte Storck. Zumindest auf den Einsatz von Reserve-Antibiotika, die beim Menschen dann angewendet werden, wenn gängige Mittel versagen, sollte aber gänzlich verzichtet werden, wünschte sich Tackmann. Insgesamt sei es, so Tackmann, schon mal sinnvoll, "sich auf einen generellen Minimal-Einsatz zu einigen". Späteres Ziel könne aber nur der komplette Verzicht sein.
Auch nach den Gehältern der Angestellten fragte Kirsten Tackmann. Diese befänden sich seit knapp zwei Jahren auf einem deutschlandweit einheitlichen Niveau. Der dabei geltende Stundensatz liege deutlich über dem Mindestlohn. Je nach Dauer der Betriebszugehörigkeit gebe es Steigerungsstufen, sagte Mahlstedt. Auch schätzten viele Mitarbeiter an ihrer Tätigkeit die geregelten Arbeitszeiten und das gute Betriebsklima.

Der Betrieb in Gühlen-Glienicke


Das Moorgut Kartzfehn, zu dem der Betrieb in Gühlen-Glienicke gehört, ist einer der größten Putenvermehrungsbetriebe in Europa.

Weitere Standorte befinden sich unter anderem im brandenburgischen Spreewald sowie in Soltau und in anderen Orten in Niedersachen, wo auch die Zentrale des Unternehmens steht.

Bereits in den 1960er-Jahren war in den DDR begonnen worden, vor Ort Puten zu züchten. Damals und bis zur Wende gab es vor Ort allerdings weit mehr Mitarbeiter. red